Das Wichtigste in Kürze
- Seit dem 1. Juli 2026 gelten für ambulante Pflegedienste neue Regeln für die Qualitätsprüfung durch den Medizinischen Dienst.
- Die frühere Bewertung in Schulnoten ist einer vierstufigen Einstufung von A bis D gewichen, die sich an der Versorgung der einzelnen Person orientiert.
- Das Gespräch mit einer Pflegekraft zählt jetzt grundsätzlich genauso viel wie die schriftliche Dokumentation, wenn die Schilderung fachlich stimmig ist.
- Neu geprüft werden unter anderem die drohende Überforderung pflegender Angehöriger und der Umgang mit Anzeichen von Gewalt oder Vernachlässigung.
- Pflegedienste sollten ihre Teams auf Gespräche vorbereiten, die Dokumentation auf das Ergebnis ausrichten und interne Audits an den neuen Kriterien orientieren.
Die Qualitätsprüfungs-Richtlinien (QPR) ambulante Pflege legen fest, wonach der Medizinische Dienst die Versorgungsqualität ambulanter Pflegedienste prüft und bewertet. Die aktuelle Fassung, Teil 1a, ist am 1. Juli 2026 in Kraft getreten und hat die bisherigen Regeln aus dem Jahr 2021 abgelöst. Erlassen hat sie der Medizinische Dienst Bund, genehmigt das Bundesgesundheitsministerium.
Warum hat die alte Prüfung nicht funktioniert?
Die alte Prüfung stellte die falsche Frage. Sie fragte, ob ein Vorgang dokumentiert ist, nicht, ob die Pflege gut war. Ein Pflegedienst mit lückenloser Akte konnte deshalb eine gute Note bekommen, obwohl die tatsächliche Versorgung Mängel hatte. Umgekehrt verlor ein Dienst mit hervorragender Pflege Punkte, wenn nur ein Formular fehlte. Für Pflegebedürftige und Angehörige war an der Note kaum abzulesen, wie gut ein Dienst wirklich arbeitet.
Der Medizinische Dienst Bund hat dieses Problem in der Begründung zur Neuregelung selbst benannt: Die bisherige Qualitätsdarstellung hat nicht geleistet, was sie sollte. Deshalb wurden Prüfung, Bewertung und Veröffentlichung gleichzeitig neu aufgesetzt, mit den neuen Qualitätsprüfungs-Richtlinien, neuen fachlichen Maßstäben und einer neuen Vereinbarung darüber, wie Prüfergebnisse veröffentlicht werden. Alle drei Regelwerke traten am 1. Juli 2026 in Kraft.
Was hat sich für Pflegedienste konkret geändert?
Vier Dinge haben sich am stärksten verändert: wie bewertet wird, wer im Prüfgespräch gehört wird, wie kleinteilig geprüft wird und welche Themen überhaupt zur Sprache kommen. Die folgende Tabelle stellt das Alte und das Neue nebeneinander.
| Bereich | Bisher (bis 30.6.2026) | Jetzt (seit 1.7.2026) |
|---|---|---|
| Bewertung | Schulnoten von sehr gut bis mangelhaft | Vierstufige, personenbezogene Einstufung A bis D |
| Prüfgrundlage | Vor allem die schriftliche Dokumentation | Dokumentation und Fachgespräch gleichrangig |
| Kriterien | Viele kleinteilige Einzelkriterien | Zusammenfassende Qualitätsaspekte mit Leitfragen |
| Geprüfte Themen | Vor allem die Pflegehandlungen selbst | Zusätzlich drohende Überforderung pflegender Angehöriger und Umgang mit Anzeichen von Gewalt |
| Veröffentlichung | Pflegenoten | Qualitätsaspekte, je in vier Stufen |
Wie funktioniert die neue Bewertung von A bis D?
Das frühere Notensystem ist einer vierstufigen, ergebnisorientierten Bewertung gewichen:
Diese Bewertung ist personenbezogen und kriteriengestützt. Der Medizinische Dienst prüft nicht mehr abstrakt, ob irgendein Prozess dokumentiert ist. Er prüft konkret, ob die Versorgung dieser einen Person den fachlichen Anforderungen entspricht. Darin liegt der eigentliche Unterschied zur alten Prüfung.
Welches Gewicht hat jetzt das Fachgespräch?
Die größte Veränderung im Prüfalltag betrifft das Gespräch mit den Mitarbeitenden. Es begleitet die Prüfung nicht mehr nur, sondern ist eine eigenständige, gleichrangige Informationsquelle neben der Dokumentation. Für Pflegedienste heißt das: Mitarbeitende müssen ihr Handeln nicht nur fachlich richtig ausführen, sondern es auch nachvollziehbar erklären können. Wie ein solches Fachgespräch in der Praxis abläuft und wie Sie Ihr Team konkret darauf vorbereiten, beschreibe ich in einem eigenen Beitrag.
Beispiel
Angenommen, bei einer Person fehlt ein einzelner Eintrag im Durchführungsnachweis für eine verordnete Maßnahme. Bisher zählte das als Lücke in der Akte. Im Fachgespräch kann die zuständige Pflegekraft heute erklären, wann und wie die Maßnahme trotzdem stattgefunden hat, und die Lücke fachlich auffangen, wenn ihre Schilderung zu den übrigen Informationen passt.
Die neuen QPR prüfen nicht mehr nur, ob alles dokumentiert ist. Sie prüfen, ob die Versorgung stimmt. Die Dokumentation bleibt wichtig, aber sie ist nicht mehr der einzige Maßstab.
Warum zählen einzelne Haken in der Checkliste jetzt weniger?
Statt vieler kleinteiliger Einzelkriterien arbeiten die neuen QPR mit zusammenfassenden Qualitätsaspekten. Jeder Aspekt wird über Leitfragen bewertet, nicht über einzelne abgehakte Punkte. Das gibt den Prüfenden mehr Spielraum für eine fachliche Gesamtbewertung. Für Pflegedienste bedeutet es umgekehrt: Qualität lässt sich nicht mehr an einzelnen Haken in einer Liste festmachen, sie muss im Gesamtbild stimmen.
Welche neuen Themen prüft der Medizinische Dienst jetzt?
Die neuen QPR prüfen auch Themen, die bisher gar nicht oder nur am Rande vorkamen. Pflegedienste sollen erkennen, wenn pflegende Angehörige drohen, überfordert zu sein, und das ansprechen, um die häusliche Pflegesituation zu stabilisieren. Der Umgang mit Anzeichen von Gewalt, Vernachlässigung oder Unterversorgung ist jetzt ausdrücklich ein eigener Qualitätsaspekt. Und die Zusammenarbeit mit pflegenden Angehörigen rückt insgesamt stärker in den Fokus.
Das BEEP-Gesetz im Hintergrund
Ein zweites Gesetz wirkt in die neue QPR hinein: das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege, kurz BEEP-Gesetz. Es hat die Richtlinie im Januar 2026, noch vor deren Inkrafttreten, redaktionell angepasst, unter anderem wurde der Begriff „Pflegefachkraft“ durchgängig durch „Pflegefachperson“ ersetzt. Das spiegelt die erweiterten Befugnisse, die Pflegefachpersonen seit dem 1. Januar 2026 bei der eigenverantwortlichen Ausübung von Heilkunde haben, sie dürfen also bestimmte medizinische Aufgaben eigenständig übernehmen. Außerdem hat dasselbe Gesetz die Ankündigungsfrist für Regelprüfungen von einem auf zwei Arbeitstage verlängert. Das gilt seit dem 1. Januar 2026 (§ 114a Abs. 1 Satz 2 SGB XI). Die Richtlinie hat die Frist mit ihrer Fassung vom 30. Juli 2026 übernommen.
Was bedeutet das für Ihr Qualitätsmanagement?
Diese Veränderungen bleiben nicht bei der Prüfung stehen. Sie wirken zurück auf drei Bereiche des internen Qualitätsmanagements: wie Mitarbeitende sprechen, wie dokumentiert wird und wie intern geprüft wird.
Können Ihre Mitarbeitenden ihr Handeln erklären?
Weil das Fachgespräch jetzt zur Prüfgrundlage gehört, reicht fachlich richtiges Handeln allein nicht mehr aus. Pflegekräfte müssen es auch erklären können, und zwar bezogen auf eine bestimmte Person, nicht nur allgemein. Das erfordert Schulungen. Vor allem aber braucht es eine Qualitätskultur, in der Reflexion und Austausch zum Alltag gehören, nicht zur Ausnahme. Pflegedienste, die ihr Team gezielt darauf vorbereiten, haben im Gespräch mehr in der Hand als Dienste, die nur ihre Akten optimieren.
Was ändert sich in der Dokumentation?
Dokumentation bleibt wichtig, aber ihr Zweck verschiebt sich. Es geht nicht mehr nur darum, jeden Handgriff nachzuweisen. Es geht darum, das Ergebnis nachvollziehbar zu machen: Ist die Maßnahmenplanung individuell? Passt sie zum tatsächlichen Bedarf? Sind Veränderungen im Zustand der Person dokumentiert und wird geprüft, ob eine Maßnahme wirkt?
Wie bereiten interne Audits auf die Prüfung vor?
Ein internes Auditsystem, das die eigene Versorgungsqualität regelmäßig prüft, ist eine gute Vorbereitung auf die externe Prüfung. Wer intern schon genau hinschaut, wird von der neuen QPR nicht überrascht. Die fünf Qualitätsbereiche der neuen Richtlinie eignen sich direkt als Grundlage für eigene Auditkriterien.
Die neuen QPR belohnen Pflegedienste, die gute Pflege leisten und ihr Handeln erklären können. Sie bestrafen Dienste, die nur auf dem Papier gut aufgestellt sind.
Wo steht Ihr Pflegedienst? Die Vorbereitungs-Checkliste
Die folgende Checkliste ist ein Arbeitsblatt für die Leitungsrunde. Jeder Punkt ist so formuliert, dass er sich mit einem Nachweis abhaken lässt, und nennt den Bezug in der Richtlinie. Die Spalten für Verantwortliche, Termin und Nachweis füllen Sie auf dem Ausdruck aus oder übernehmen sie in Ihren Maßnahmenplan.
Stand:Ausgefüllt von:
| Prüfpunkt | QPR-Bezug | Verantwortlich | Bis wann | Nachweis |
|---|---|---|---|---|
| Die Leitung hat die QPR ambulant Teil 1a und die neuen Maßstäbe und Grundsätze (MuG ambulant) gelesen. Die wesentlichen Änderungen sind in einer Leitungsbesprechung protokolliert. | QPR Teil 1a, MuG ambulant | |||
| Das Team kennt die fünf Qualitätsbereiche und die Leitfragen der Qualitätsaspekte. Die Besprechung ist mit Datum und Teilnehmenden dokumentiert. | Qualitätsbereiche 1 bis 5, Anlagen 1 und 2 | |||
| Die Bewertung von A bis D ist im Team erklärt und an einem Beispiel aus dem eigenen Dienst geübt. | Anlage 3, Qualitätsbewertung | |||
| Pflegefachpersonen können im Fachgespräch ihr Vorgehen bei einer bestimmten versorgten Person begründen. Das wird in Fallbesprechungen oder Pflegevisiten geübt. | Ziffer 9, Informationsgrundlagen | |||
| Die Maßnahmenplanung ist für jede versorgte Person individuell: Ziele, Maßnahmen und die Überprüfung ihrer Wirkung sind dokumentiert. | Anlage 1, Prüfbogen A | |||
| Für Anzeichen einer Destabilisierung der Versorgungssituation, etwa eine drohende Überforderung pflegender An- und Zugehöriger, ist festgelegt, wie das Team sie erkennt, anspricht und dokumentiert. | Qualitätsaspekt 1.3 | |||
| Für Anzeichen von Gewalt, Vernachlässigung oder Unterversorgung liegt eine Verfahrensanweisung vor und das Team ist darin geschult. | Qualitätsaspekt 4.2 | |||
| Die Zusammenarbeit mit An- und Zugehörigen ist geregelt und in der Pflegedokumentation nachvollziehbar. | Qualitätsaspekt 4.1 | |||
| Das interne Auditprogramm orientiert sich an den Qualitätsbereichen der neuen QPR, ein erstes Audit ist terminiert. | Qualitätsaspekt 5.1 | |||
| Die Ankündigung der Regelprüfung, grundsätzlich zwei Arbeitstage vorher, ist eingeplant: wer sie entgegennimmt, wer Team und versorgte Personen informiert und wer die Unterlagen bereitstellt. | § 114a Abs. 1 Satz 2 SGB XI, Ziffer 4 Abs. 2 | |||
| Ein Zeitplan für die weitere Umsetzung mit Verantwortlichen und Terminen liegt vor. | eigene Planung |
Grundlage: QPR ambulant Teil 1a des Medizinischen Dienstes Bund, in Kraft seit 1. Juli 2026, geänderte Fassung seit 30. Juli 2026, sowie § 114a SGB XI.
Was in den nächsten Wochen zu tun ist
Es wäre leicht, die neuen QPR nur als zusätzliche Belastung zu sehen: mehr Anforderungen, ein neues Bewertungssystem, Schulungsbedarf. Sie haben aber auch eine andere Seite. Pflegedienste, die tatsächlich gute Pflege leisten, können das jetzt auch im Prüfergebnis zeigen. Das alte Notensystem hat genau das verhindert.
Die neuen QPR fragen im Kern nach dem, was gute Pflege schon immer ausgemacht hat: eine Planung, die zur Person passt, eine Wirkung, die überprüft wird, und Mitarbeitende, die ihr Handeln begründen können. Wer das im Alltag lebt, steht in der neuen Prüfwelt besser da als im alten System.
Ist Ihre Vorbereitung noch nicht abgeschlossen, würde ich drei Dinge zuerst angehen: die neue Bewertungslogik im Leitungsteam durchsprechen, das Arbeitsblatt oben ausfüllen und in den nächsten Fallbesprechungen üben, Entscheidungen laut zu begründen statt sie nur abzuhaken. Die nächste Regelprüfung kommt in jedem Fall, das neue System ist seit dem 1. Juli 2026 in Kraft.
Häufige Fragen
Seit wann gelten die neuen QPR für ambulante Pflegedienste?
Die neuen Qualitätsprüfungs-Richtlinien (QPR ambulante Pflege Teil 1a) sind am 1. Juli 2026 in Kraft getreten und haben die bisherigen Richtlinien abgelöst, die seit Januar 2021 galten.
Was ändert sich bei der Bewertung durch den Medizinischen Dienst?
Das bisherige Schulnotensystem wurde durch eine vierstufige Bewertungsskala ersetzt: A (keine Auffälligkeiten), B (Auffälligkeiten ohne Risiko), C (Defizit mit Risiko negativer Folgen), D (Defizit mit eingetretenen negativen Folgen).
Was bedeutet der Paradigmenwechsel von Dokumentation zum Fachgespräch?
Der Medizinische Dienst prüft seit dem 1. Juli 2026 stärker über Fachgespräche mit Mitarbeitenden und Gespräche mit Klienten, statt sich vorrangig auf die Dokumentation zu stützen. Das Gespräch ist gleichrangige Informationsquelle neben der Dokumentation. Die individuelle Maßnahmenplanung muss aber weiterhin schriftlich vorliegen.
Welche neuen Themen werden in der QPR 2026 geprüft?
Neu sind unter anderem: Erkennen und Ansprechen drohender Überforderung pflegender Angehöriger, Umgang mit Anzeichen von Gewalt, Vernachlässigung oder Unterversorgung und die Zusammenarbeit mit pflegenden Angehörigen zur Stabilisierung der häuslichen Pflegesituation.
Gilt die neue QPR auch für ambulante Betreuungsdienste?
Ja, aber in einem gesonderten Teil 1b der QPR ambulante Pflege. Ambulante Betreuungsdienste, die ausschließlich Betreuungsleistungen und Hilfen bei der Haushaltsführung anbieten, fallen unter die QPR Teil 1b, die ebenfalls am 1. Juli 2026 in Kraft getreten ist.
Zum Weiterlesen
- Das Fachgespräch in der neuen QPR: Wie Sie Ihr Team sprechfähig machenDie Vertiefung: wie Sie Ihr Team in sieben Schritten auf das Fachgespräch mit dem Medizinischen Dienst vorbereiten.
- Alle zwei Jahre statt jährlich: Wann der Medizinische Dienst Pflegeheime, Tagespflegen und ambulante Dienste prüfen kannWann Pflegeheime, Tagespflegen und ambulante Dienste nach der neuen Richtlinie nur alle zwei Jahre regelgeprüft werden können.
- Leistung: Laufende Begleitung als externer QMBDas QM auf die neue Prüfung auszurichten, kann ein externer QMB übernehmen, die pflegefachliche Verantwortung bleibt bei der Pflegedienstleitung.
Quellen
- Medizinischer Dienst Bund (2026): Qualitätsprüfungs-Richtlinien ambulante Pflege Teil 1a, Fassung vom 30.07.2026. PDF beim Medizinischen Dienst Bund
- Medizinischer Dienst Bund (2026): Meldung vom 29.07.2026, Neue Qualitätsprüfungs-Richtlinien für ambulante Pflege- und Betreuungsdienste. md-bund.de
- Qualitätsausschuss Pflege (2025): Qualitätsdarstellungsvereinbarung ambulante Pflege Teil 1a vom 09.12.2025. PDF der QDVA Teil 1a
- Vereinbarungspartner nach § 113 SGB XI (2026): Maßstäbe und Grundsätze für die Qualität in der ambulanten Pflege (MuG ambulant), gültig seit 1. Juli 2026.
- Sozialgesetzbuch XI, Soziale Pflegeversicherung (2026): § 114a Absatz 1 Satz 2 (Ankündigung zwei Arbeitstage vorher). gesetze-im-internet.de
- Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP-Gesetz), 2026: redaktionelle Änderungen an der QPR ambulante Pflege sowie Verlängerung der Ankündigungsfrist in § 114a Abs. 1 Satz 2 SGB XI seit 01.01.2026 (BGBl. 2025 I Nr. 371).
Christian Monat
Externer Qualitätsmanagementbeauftragter aus Chemnitz. Berufserfahrung in Eingliederungshilfe, Sozialpsychiatrie und Suchthilfe, seit 2019 in Leitungsfunktionen. Mehr über mich


