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Meldestelle teilen: nur zwischen 50 und 249 Beschäftigten erlaubt

Wer in seinem Betrieb einen Rechtsverstoß meldet, braucht eine feste Anlaufstelle. Ab in der Regel 50 Beschäftigten schreibt das Hinweisgeberschutzgesetz eine solche interne Meldestelle vor. Zwischen 50 und 249 Beschäftigten dürfen sich mehrere private Träger eine Meldestelle teilen, ab 250 Beschäftigten nicht mehr.

  • Christian Monat
  • ca. 11 Min. Lesezeit
Eine Frau und ein junger Mann sitzen auf einem grauen Sofa und führen ein ernstes Gespräch, auf dem Tisch vor ihnen stehen zwei Wassergläser.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab in der Regel 50 Beschäftigten muss ein Träger eine interne Meldestelle für Hinweise auf Rechtsverstöße einrichten, das schreibt das Hinweisgeberschutzgesetz vor.
  • Zwischen 50 und 249 Beschäftigten dürfen sich mehrere private Träger eine gemeinsame Meldestelle teilen. Jeder Träger bleibt trotzdem selbst dafür verantwortlich, einen gemeldeten Verstoß abzustellen und der hinweisgebenden Person zurückzumelden.
  • Ab 250 Beschäftigten entfällt die gemeinsame Meldestelle ohne Übergangsfrist. Der Träger braucht dann eine eigene Stelle oder einen beauftragten Dritten.
  • Gezählt werden die in der Regel beschäftigten Personen des ganzen Trägers, nicht je Einrichtung und nicht nach Vollzeitstellen. Auszubildende und Menschen, die in einer Werkstatt für behinderte Menschen arbeiten, zählen mit. Auch mehrere kleine Standorte können zusammen die Schwelle von 50 erreichen.
  • Klären Sie zeitnah die aktuelle Beschäftigtenzahl und setzen Sie die Wahl der Organisationsform als Entscheidung der Geschäfts­führung oder des Vorstands auf die nächste Tagesordnung.

Beschäftigungsgeber: Im Sozialwesen ist das der Träger, nicht die einzelne Einrichtung. Nach § 3 Absatz 9 des Hinweisgeberschutzgesetzes, kurz HinSchG, zählt dazu jede natürliche oder juristische Person des öffentlichen oder privaten Rechts mit mindestens einer beschäftigten Person.

Interne Meldestelle: die Stelle, die Meldungen zu Rechtsverstößen entgegennimmt, prüft und der hinweisgebenden Person fristgerecht zurückmeldet. Ab in der Regel 50 Beschäftigten ist sie Pflicht (§ 12 Absatz 1 und 2 HinSchG).

Gemeinsame Meldestelle: eine von mehreren privaten Beschäftigungsgebern mit in der Regel 50 bis 249 Beschäftigten gemeinsam betriebene Stelle (§ 14 Absatz 2 HinSchG). Die Pflicht zur Abhilfe und zur Rückmeldung bleibt dabei bei jedem einzelnen Beschäftigungsgeber.

Warum braucht diese Größenklasse eine eigene Rechnung?

817.711 Beschäftigte arbeiteten zum Stichtag 15. Dezember 2023 in den 16.505 Pflegeheimen in Deutschland, rechnerisch 49,5 Beschäftigte je Heim (Statistisches Bundesamt, Pflegestatistik 2023). Ein Träger mit nur einem einzigen Heim liegt damit rechnerisch bereits an der Schwelle, ab der eine interne Meldestelle Pflicht wird: in der Regel 50 Beschäftigte.

Auch in anderen Bereichen des Sozialwesens gibt es viele Träger dieser Größe. Das Statistische Bundesamt teilt Betriebe nach ihrer Beschäftigtenzahl in Größenklassen ein. Genau in der Klasse von 50 bis 249 Beschäftigten liegen 11.765 rechtliche Einheiten im Wirtschaftsabschnitt Gesundheits- und Sozialwesen (Statistisches Bundesamt, Unternehmensregister 2024, Stand 1. Dezember 2025). Viele Träger aus Kinder- und Jugendhilfe, Eingliederungs­hilfe, Sozial­psychiatrie, Suchthilfe und Pflege stehen damit vor einer Rechtsfrage, die ausschließlich die Leitung beantworten kann.

Die Organisationsform der Meldestelle wählt der Beschäftigungsgeber selbst, also die Geschäfts­führung oder der Vorstand. Einrichtungsleitungen können vorbereiten und zuarbeiten. Entscheiden dürfen sie nicht, weil mit der Wahl auch die Verantwortung für eine unabhängig, vertraulich und fristgerecht arbeitende Stelle verbunden ist.

Bei Trägern mit mehreren Standorten kommt eine zweite Weichenstellung dazu: Gezählt wird trägerweit, nicht je Einrichtung. Wer nur den größten Standort betrachtet, unterschätzt die eigene Größenklasse leicht und übersieht damit möglicherweise eine bereits bestehende Pflicht.

Beispiel

Angenommen, ein Träger betreibt drei Wohngruppen mit je 20 Beschäftigten: Für sich genommen bleibt jede Einrichtung unter der Schwelle von 50. In der Summe beschäftigt der Träger aber 60 Menschen und liegt damit über der Schwelle, eine interne Meldestelle wird für ihn Pflicht.

Welche Rechtsfolgen an dieser Schwelle hängen und wie die drei zulässigen Organisationsformen im Einzelnen aussehen, erklären die folgenden Abschnitte.

Was schreibt das Gesetz vor: Schwelle, Formen, Fristen?

Ab in der Regel mindestens 50 Beschäftigten muss ein Beschäftigungsgeber eine interne Meldestelle einrichten und betreiben (§ 12 Absatz 1 und 2 HinSchG).

Wie diese Stelle organisiert ist, regelt ein eigener Paragraf, § 14 HinSchG, und er kennt drei Formen. Nach Absatz 1 kann die Meldestelle eine einzelne beschäftigte Person sein, eine Arbeitseinheit im eigenen Haus oder ein beauftragter Dritter, etwa eine externe Ombudsstelle oder eine Kanzlei, die auf die Entgegennahme solcher Meldungen spezialisiert ist. Wer einen Dritten beauftragt, ist damit trotzdem nicht aus der Pflicht: Verstöße abzustellen bleibt Aufgabe des Beschäftigungsgebers selbst.

Absatz 2 bringt die Erleichterung, um die es in diesem Beitrag geht. Mehrere private Beschäftigungsgeber mit in der Regel 50 bis 249 Beschäftigten dürfen für die Entgegennahme von Meldungen und die weiteren im Gesetz vorgesehenen Maßnahmen eine gemeinsame Stelle einrichten und betreiben. Wörtlich verbleiben dabei zwei Pflichten bei jedem einzelnen Beschäftigungsgeber: Maßnahmen zu ergreifen, die einen gemeldeten Verstoß abstellen, und der hinweisgebenden Person zurückzumelden, was daraus geworden ist. Wer eine gemeinsame Stelle wählt, kauft sich damit die Entgegennahme und Bearbeitung einer Meldung ein, nicht die Abhilfe.

Wer als privat zählt

Privater Beschäftigungsgeber im Sinn von § 3 Absatz 10 HinSchG ist, wer keine öffentlich-rechtliche Einrichtung ist und auch nicht im Eigentum oder unter der Kontrolle einer solchen steht. Eingetragene Vereine, gGmbH und Stiftungen fallen darunter, kommunale Eigenbetriebe in der Regel nicht. Für Gemeinden, Gemeindeverbände und Träger in deren Eigentum oder unter deren Kontrolle gilt die Pflicht zur Meldestelle nach Maßgabe des jeweiligen Landesrechts (§ 12 Absatz 1 Satz 4 HinSchG).

Welche Fristen gelten, unabhängig von der Organisationsform?

Für alle drei Organisationsformen gelten dieselben Fristen (§ 17 HinSchG). Die Meldestelle bestätigt der hinweisgebenden Person den Eingang einer Meldung spätestens nach sieben Tagen. Innerhalb von drei Monaten nach dieser Bestätigung teilt sie mit, welche Folgemaßnahmen geplant sind oder schon laufen, soweit das laufende Ermittlungen und die Rechte Betroffener nicht beeinträchtigt. Bleibt die Eingangsbestätigung aus, beginnt die Drei-Monats-Frist trotzdem: Sie läuft dann ab dem siebten Tag nach Eingang der Meldung. Bei einer gemeinsamen Stelle laufen diese Fristen über die gemeinsame Stelle, die Verantwortung für das Ergebnis bleibt aber beim einzelnen Beschäftigungsgeber.

Welche sieben Schritte führen zur passenden Meldestelle?

Die folgenden Schritte richten sich an Geschäfts­führung und Vorstand. Sie führen von der Zählung der Beschäftigten über die Wahl der Organisationsform bis zur Beobachtung des Wachstums Richtung 250.

  1. Beschäftigte trägerweit zählen

    Zählen Sie die in der Regel Beschäftigten, also die für den Träger übliche Zahl und nicht den Stand an einem einzelnen Tag. Jede beschäftigte Person zählt, eine anteilige Anrechnung von Teilzeit sieht das Gesetz nicht vor. Mit dazu gehören Auszubildende, arbeitnehmerähnliche Personen sowie Menschen mit Behinderung, die in einer Werkstatt für behinderte Menschen oder bei einem anderen Leistungsanbieter beschäftigt sind (§ 3 Absatz 8 HinSchG). Bei mehreren Standorten desselben Trägers zählt die Summe. Bei mehreren Gesellschaften zählt dagegen jede für sich, weil jede ein eigener Beschäftigungsgeber ist. Wie sich die Meldestelle trotzdem bündeln lässt, beschreibt der Beitrag Ein Verbund, viele Gesellschaften.

  2. Schwelle prüfen und dokumentieren

    Prüfen Sie, ob die Schwelle von in der Regel 50 Beschäftigten erreicht ist. Halten Sie das Ergebnis mit Datum fest, damit es beim nächsten internen Audit nachvollziehbar bleibt.

  3. Organisationsform entscheiden

    Entscheiden Sie zwischen einer eigenen Stelle, einer gemeinsamen Stelle mit anderen privaten Trägern und einem beauftragten Dritten. Die Übersicht direkt nach den Schritten stellt die drei Formen nebeneinander.

  4. Gemeinsame Stelle vertraglich regeln

    Regeln Sie bei einer gemeinsamen Stelle vorab mit den Partnerträgern, wer welche Aufgabe übernimmt, wie die Kosten verteilt werden und wer bei Ausfall vertritt. Erst danach sollte die Stelle Meldungen entgegennehmen.

  5. Meldewege abgrenzen

    Legen Sie Meldewege schriftlich fest. Grenzen Sie sie ausdrücklich von Beschwerdemanagement und Gewaltschutz-Meldewegen ab, damit alle Beteiligten wissen, an wen sie sich mit welchem Anliegen wenden. Beschäftigte, Klientinnen und Angehörige sollen aus der Verfahrens­anweisung erkennen können, welcher Weg für ihr Anliegen der richtige ist.

  6. Fristen verankern

    Verankern Sie die Fristen für Eingangsbestätigung und Rückmeldung aus § 17 HinSchG in einer Verfahrens­anweisung, damit sie nicht von der Erinnerung einzelner Personen abhängen.

  7. Wachstum beobachten

    Beobachten Sie die Beschäftigtenentwicklung Richtung 250. Bereiten Sie den Wechsel der Organisationsform vor, bevor die Schwelle erreicht ist, denn eine Übergangsfrist sieht das Gesetz dafür nicht vor.

Schritt 3 verlangt eine Abwägung, die das Gesetz nicht vorgibt. Es legt fest, welche Formen zulässig sind, nicht, welche für einen Träger passt. Die folgende Übersicht stellt die drei Formen nebeneinander, darunter steht eine Checkliste für den Beschluss der Geschäfts­führung oder des Vorstands.

Vergleich: eigene, gemeinsame oder beauftragte Meldestelle (§ 12 bis § 17 HinSchG)
MerkmalEigene StelleGemeinsame StelleBeauftragter Dritter
Zulässig fürJeden Beschäftigungsgeber (§ 14 Abs. 1).Nur private Beschäftigungsgeber mit in der Regel 50 bis 249 Beschäftigten (§ 14 Abs. 2). Ab 250 entfällt diese Form.Jeden Beschäftigungsgeber (§ 14 Abs. 1).
Wer die Aufgabe übernimmtEine beschäftigte Person oder eine Arbeitseinheit aus mehreren Beschäftigten.Eine Stelle, die mehrere Träger gemeinsam einrichten und betreiben.Eine externe Stelle, etwa eine Ombudsperson oder eine Kanzlei.
UnabhängigkeitDie beauftragte Person darf andere Aufgaben haben, wenn daraus keine Interessenkonflikte entstehen (§ 15 Abs. 1). Bei Leitungs- oder Personalverantwortung ist das eigens zu prüfen.Größerer Abstand zum einzelnen Träger. Wie die Stelle mit den Partnern zusammenarbeitet, muss vorab geregelt sein.Größter Abstand zum Haus. Die Unabhängigkeit wird im Vertrag festgehalten.
Vertretung bei AusfallEine zweite Person im Haus benennen.In der Vereinbarung der Partner regeln.Im Vertrag mit dem Dritten regeln.
KostenArbeitszeit und Fortbildung der beauftragten Personen.Geteilt nach dem Schlüssel, den die Partner vereinbaren.Vergütung nach Vertrag.
Schriftlich zu regelnBeauftragung, Befugnisse (§ 12 Abs. 4) und das Zeitbudget.Aufgaben, Kosten, Vertretung, Vertraulichkeit und die Weitergabe einer Meldung an den betroffenen Träger.Auftrag, Befugnisse, Vertraulichkeit und die Weitergabe einer Meldung an den Träger.
Was beim Träger bleibtAlles, einschließlich der Maßnahmen gegen den Verstoß.Maßnahmen gegen den Verstoß und die Rückmeldung an die hinweisgebende Person (§ 14 Abs. 2 Satz 2).Maßnahmen gegen den Verstoß (§ 14 Abs. 1 Satz 2).

In allen drei Formen sorgt der Träger für die nötige Fachkunde der beauftragten Personen (§ 15 Abs. 2) und für Meldekanäle, die mündliche Meldungen und Meldungen in Textform ermöglichen (§ 16 Abs. 3). Die Fristen aus § 17 gelten unabhängig von der Form.

Checkliste: Beschluss zur Meldestelle

Für die Sitzung der Geschäftsführung oder des Vorstands. Abhaken, was belegt ist, und das Ergebnis mit Datum ins Protokoll übernehmen.

  • Die Zahl der in der Regel Beschäftigten ist trägerweit ermittelt, nach Personen und einschließlich Auszubildender und Werkstattbeschäftigter. Das Ergebnis steht mit Datum im Protokoll.
  • Die Trägerschaft ist geklärt: privater Beschäftigungsgeber im Sinn von § 3 Abs. 10 HinSchG, kommunale Trägerschaft, für die das Landesrecht gilt, oder eine andere öffentlich-rechtliche Trägerschaft, für die keine gemeinsame Stelle in Betracht kommt.
  • Die Organisationsform ist gewählt und begründet: eigene Stelle, gemeinsame Stelle (nur privat, 50 bis 249 Beschäftigte) oder beauftragter Dritter.
  • Die zuständige Person oder Stelle ist benannt, ihre Befugnisse sind erteilt, Interessenkonflikte sind geprüft und die Fachkunde ist sichergestellt.
  • Die Vertretung bei Urlaub, Krankheit oder Befangenheit ist geregelt.
  • Bei gemeinsamer Stelle oder Drittem ist die Vereinbarung geschlossen: Aufgaben, Kosten, Vertretung, Vertraulichkeit und Weitergabe an den Träger.
  • Im eigenen Haus ist festgelegt, wer Maßnahmen gegen einen gemeldeten Verstoß ergreift und, bei gemeinsamer Stelle, wer die Rückmeldung gibt.
  • Meldekanäle und Fristen stehen in der Verfahrensanweisung, getrennt von Beschwerdemanagement und Gewaltschutz.
  • Eine Wiedervorlage ist festgelegt, spätestens bevor der Träger auf 250 Beschäftigte zuwächst.

Einordnung auf Grundlage von § 3, § 12, § 14 bis § 17 HinSchG, Stand 19. September 2026. Keine Rechtsberatung im Einzelfall, die Entscheidung trifft die Geschäfts­führung oder der Vorstand.

Beispiel

Angenommen, drei ambulante Pflegedienste mit je 70 Beschäftigten schließen sich zu einem Verbund zusammen und richten eine gemeinsame Meldestelle ein: Die Stelle nimmt für alle drei Dienste die Meldungen entgegen und prüft sie vor. Einen gemeldeten Verstoß abzustellen und der hinweisgebenden Person zurückzumelden bleibt trotzdem Aufgabe jedes einzelnen Dienstes.

Was ändert sich ab 250 Beschäftigten?

Rund um die Grenze von 250 Beschäftigten sind zwei unterschiedliche Konsequenzen auseinanderzuhalten, die leicht miteinander verwechselt werden. Die erste betrifft jeden pflichtigen Träger, unabhängig von seiner Größe: Fehlt eine vorgeschriebene interne Meldestelle, handelt der Beschäftigungsgeber ordnungswidrig, begeht also einen mit Bußgeld bewehrten Verstoß und keine Straftat (§ 40 Absatz 2 Nummer 2 HinSchG). Der Bußgeldrahmen dafür liegt bei bis zu 20.000 Euro (§ 40 Absatz 6 HinSchG). Diese erste Konsequenz wird hier genannt, weil sie beim Wechsel der Organisationsform besonders leicht übersehen wird.

Die zweite Konsequenz betrifft ausschließlich das Überschreiten der 250er-Schwelle: Erreicht oder überschreitet ein Träger 250 Beschäftigte, entfällt die Möglichkeit der gemeinsamen Stelle (§ 14 Absatz 2 HinSchG). Für diesen Übertritt sieht das Gesetz keine Übergangsfrist vor.

Eine bislang gemeinsam betriebene Stelle verliert für den wachsenden Träger in dem Moment ihre Rechtsgrundlage, in dem die Schwelle überschritten wird, nicht erst zum nächsten Geschäftsjahr.

Wer über die Schwelle wächst, etwa durch die Übernahme einer weiteren Einrichtung oder den Aufbau eines zweiten Standorts, plant die Umstellung deshalb vor dem Übertritt, nicht danach.

Beispiel

Angenommen, ein Träger wächst durch die Übernahme einer weiteren Einrichtung von 240 auf 260 Beschäftigte: Am Tag der Übernahme verliert die bisher gemeinsam genutzte Meldestelle für diesen Träger ihre Rechtsgrundlage. Eine Übergangsfrist für die Umstellung auf eine eigene Stelle gibt es dafür nicht.

Ist die Meldestelle dasselbe wie unser Beschwerdemanagement?

Nein, beide Wege haben unterschiedliche Adressaten. Die Meldestelle nach dem Hinweisgeberschutzgesetz nimmt Hinweise von Beschäftigten zu Rechtsverstößen entgegen. Das Beschwerdemanagement nimmt Rückmeldungen von Klientinnen, Bewohnern und Angehörigen zur Qualität der Leistung entgegen.

Beide Wege haben außerdem unterschiedliche Fristen und unterschiedliche gesetzliche Grundlagen. Deshalb sollten sie in der Verfahrens­anweisung getrennt beschrieben werden, auch wenn im Alltag dieselbe Person beide Postfächer betreut. Vermischt eine Einrichtung beide Wege in einem gemeinsamen Formular, laufen für die eingehenden Meldungen leicht die falschen Fristen. Wie ein wirksames Beschwerdemanagement aufgebaut ist, beschreibe ich im Beitrag Beschwerdemanagement als Qualitätsindikator. Die Anforderungen an ein Gewalt­schutz­konzept mit eigenen Meldewegen, die ebenfalls nicht mit der Meldestelle nach dem Hinweisgeberschutzgesetz vermischt werden sollten, habe ich in einem eigenen Beitrag beschrieben: Gewalt­schutz­konzept.

Wie unterscheiden sich die drei Größenklassen?

Die folgende Tabelle stellt die drei Größenklassen mit ihrer jeweiligen Pflicht und den zulässigen Organisationsformen gegenüber.

GrößenklassePflicht zur MeldestelleOrganisationsform nach HinSchGBesonderheit
Unter 50 BeschäftigteKeine Pflicht, § 12 Abs. 2 HinSchG.Freiwillig möglich.Andere melderechtliche Pflichten, etwa gegenüber der Heim­aufsicht, bleiben unberührt.
50 bis 249 Beschäftigte, dieser BeitragPflicht nach § 12 Abs. 1 HinSchG.Eigene Stelle, gemeinsame Stelle mit anderen privaten Trägern oder beauftragter Dritter nach § 14 HinSchG.Abhilfe und Rückmeldung bleiben auch bei gemeinsamer Stelle beim einzelnen Beschäftigungsgeber.
250 Beschäftigte oder mehrPflicht nach § 12 Abs. 1 HinSchG.Eigene Stelle oder beauftragter Dritter nach § 14 Abs. 1 HinSchG.Gemeinsame Stelle nach § 14 Abs. 2 HinSchG ist nicht mehr zulässig, und zwar ohne Übergangsfrist.

Rechtsgrundlagen: § 12 und § 14 HinSchG. Stand aller Angaben: 19. September 2026.

Was in den nächsten Wochen zu tun ist

Zwei Dinge lassen sich kurzfristig klären. Lassen Sie die trägerweite Zahl der in der Regel Beschäftigten zusammenstellen, einschließlich Auszubildender und Werkstattbeschäftigter, wenn das nicht ohnehin vorliegt. Setzen Sie außerdem die Entscheidung zwischen eigener, gemeinsamer und beauftragter Stelle als Tagesordnungspunkt in die nächste Sitzung der Geschäfts­führung oder des Vorstands. In die Zuständigkeit der Einrichtungsleitung gehört diese Entscheidung nicht. Vermerken Sie das Ergebnis anschließend mit Datum im Rechtskataster, damit die nächste Prüfung denselben Stand vorfindet.

Häufige Fragen

Ab wie vielen Beschäftigten brauchen wir eine Meldestelle nach dem Hinweisgeberschutzgesetz?

Ab in der Regel 50 Beschäftigten, trägerweit nach Personen gezählt (§ 12 Absatz 1 und 2 HinSchG). Mit dazu gehören nach § 3 Absatz 8 HinSchG auch Auszubildende und Menschen, die in einer Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigt sind. Unter dieser Schwelle ist eine Meldestelle freiwillig möglich, aber nicht verpflichtend.

Dürfen mehrere Träger sich eine Meldestelle teilen?

Ja, wenn jeder beteiligte Träger ein privater Beschäftigungsgeber mit in der Regel 50 bis 249 Beschäftigten ist. § 14 Absatz 2 HinSchG erlaubt dann eine gemeinsame Stelle für die Entgegennahme von Meldungen und die weiteren im Gesetz vorgesehenen Maßnahmen. Die Pflicht zur Abhilfe und zur Rückmeldung bleibt trotzdem bei jedem einzelnen Träger.

Was passiert, wenn wir über 250 Beschäftigte wachsen?

Die Möglichkeit der gemeinsamen Stelle nach § 14 Absatz 2 HinSchG entfällt. Der Träger braucht dann eine eigene Stelle oder einen beauftragten Dritten. Eine Übergangsfrist für diesen Wechsel sieht das Gesetz nicht vor, deshalb sollte die Umstellung schon vor dem Überschreiten der Schwelle vorbereitet sein.

Ist die Meldestelle nach HinSchG dasselbe wie unser Beschwerdemanagement für Klientinnen und Klienten?

Nein. Die Meldestelle nimmt Hinweise von Beschäftigten zu Rechtsverstößen entgegen, das Beschwerdemanagement Rückmeldungen von Klientinnen, Bewohnern und Angehörigen zur Leistungsqualität. Beide Wege sollten in der Verfahrens­anweisung getrennt beschrieben sein.

Welches Bußgeld droht, wenn die Meldestelle fehlt?

Bis zu 20.000 Euro. Das Fehlen einer vorgeschriebenen internen Meldestelle ist eine Ordnungswidrigkeit nach § 40 Absatz 2 Nummer 2 HinSchG, der Bußgeldrahmen ergibt sich aus § 40 Absatz 6 HinSchG.

Wird die Beschäftigtenzahl je Einrichtung oder für den ganzen Träger gezählt?

Trägerweit, nicht je Einrichtung. Ein Träger mit mehreren kleinen Standorten kann die Schwelle von 50 Beschäftigten in Summe erreichen, obwohl keiner der Standorte für sich genommen dort liegt.

Hinweis: Dieser Beitrag erklärt Rechtslage und Verfahren zum Stand 19. September 2026 und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Zum Weiterlesen

Quellen

  1. Hinweisgeberschutzgesetz, § 3, Begriffsbestimmungen. gesetze-im-internet.de
  2. Hinweisgeberschutzgesetz, § 12, Pflicht zur Einrichtung interner Meldestellen. gesetze-im-internet.de
  3. Hinweisgeberschutzgesetz, § 14, Organisationsformen interner Meldestellen. gesetze-im-internet.de
  4. Hinweisgeberschutzgesetz, § 17, Verfahren bei internen Meldungen. gesetze-im-internet.de
  5. Hinweisgeberschutzgesetz, § 40, Bußgeldvorschriften. gesetze-im-internet.de
  6. Statistisches Bundesamt (2024): Pflegeheime und ambulante Pflegedienste in Deutschland, Pflegestatistik, Stichtag 15.12.2023. destatis.de
  7. Statistisches Bundesamt (2024): Personal in Pflegeeinrichtungen, Pflegestatistik, Stichtag 15.12.2023. destatis.de
  8. Statistisches Bundesamt: Unternehmen und tätige Personen nach Beschäftigtengrößenklassen, Unternehmensregister, Wirtschaftsabschnitt Q, Berichtsjahr 2024, Stand 1.12.2025. destatis.de

Stand aller Angaben: 19. September 2026.

Christian Monat

Externer Qualitätsmanagementbeauftragter aus Chemnitz. Berufserfahrung in Eingliederungshilfe, Sozialpsychiatrie und Suchthilfe, seit 2019 in Leitungsfunktionen. Mehr über mich

Die Meldestelle im Qualitätsmanagement verankern

Ob die gewählte Organisationsform in der Praxis trägt, prüfe ich im internen Audit, so wie jedes andere Pflichtelement des Qualitätsmanagements. Die Entscheidung zwischen eigener, gemeinsamer und beauftragter Stelle bleibt dabei Sache der Geschäftsführung oder des Vorstands.

Erstgespräch vereinbaren
Drei Menschen sitzen an einem Holztisch in einem hellen Raum mit Pflanzen, ein Mann erklärt etwas, eine Frau und ein weiterer Mann hören zu.