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ISO 9001:2026: Was sich ändert und wie sich Einrichtungen der Sozialen Arbeit und Pflege jetzt vorbereiten

Die ISO 9001 liegt in ihrer sechsten Ausgabe vor, veröffentlicht am 16. September 2026. Qualitätskultur und ethisches Verhalten werden ausdrücklich zur Aufgabe der Leitung. Was das konkret bedeutet und welche Schritte jetzt sinnvoll sind, zeigt dieser Beitrag.

  • Christian Monat
  • ca. 10 Min. Lesezeit
Eine Frau blättert an einem weißen Schreibtisch in einem aufgeschlagenen Ordner mit Klarsichthüllen, daneben liegen weitere Ordner, ein Notizbuch und eine Tasse Kaffee.

Seit dem 16. September 2026 gilt die ISO 9001:2026, ihre sechste Ausgabe. Für Führungskräfte heißt das vor allem eines: eine Qualitätskultur, die sich im Alltag zeigt, statt nur auf dem Papier zu stehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die internationale Qualitäts­management-Norm ISO 9001 liegt seit dem 16. September 2026 in einer überarbeiteten Fassung vor, zunächst auf Englisch. Die deutsche Fassung ist seit Oktober 2026 bestellbar.
  • Bestehende Zertifikate nach der bisherigen Fassung von 2015 bleiben gültig, bis sie ablaufen, längstens bis zum 30. September 2029. Wer das Zertifikat behalten will, muss bis dahin auf die neue Fassung umgestellt haben.
  • Neu oder geändert sind vor allem fünf Bereiche: eine von der Leitung aktiv gestaltete Qualitätskultur, eine Qualitätspolitik im Einklang mit der eigenen Strategie, getrennte Maßnahmen zu Risiken und zu Chancen, eine einheitlichere Normstruktur und die Anerkennung digitaler Technologien als Treiber der Revision.
  • Der Klimawandel gehört als äußerer Einflussfaktor bereits seit 2024 zur Pflichtprüfung jeder Organisation, unabhängig von dieser Revision.
  • Sinnvoll ist es, jetzt mit einem Abgleich des eigenen Qualitäts­management­systems gegen den Normtext der Fassung 2026 zu beginnen, englisch oder deutsch.

ISO 9001 ist die weltweit meistgenutzte Norm für Qualitäts­management­systeme: Sie legt fest, wie eine Organisation ihre Prozesse plant, umsetzt, prüft und verbessert, und bildet die Grundlage für Zertifizierungen auch in der Sozialen Arbeit und Pflege. Die ISO 9001:2026 ist ihre sechste, am 16. September 2026 veröffentlichte Ausgabe.

Warum wird die Norm gerade jetzt neu gefasst?

ISO-Normen werden mindestens alle fünf Jahre auf ihre Aktualität geprüft, so auch die ISO 9001. Betroffen von der neuen Fassung sind alle Organisationen, die nach ihr zertifiziert sind oder es werden wollen, darunter viele Träger der Sozialen Arbeit und Pflege. Die letzte Revision stammt aus dem Jahr 2015. Seitdem haben sich Märkte, Technologien und gesellschaftliche Erwartungen deutlich verändert.

Drei Entwicklungen wiegen dabei besonders schwer. Digitalisierung durchdringt inzwischen fast jeden Geschäftsprozess, Künstliche Intelligenz wird längst operativ eingesetzt und Nachhaltigkeit ist vom Nischenthema zur Regulierungsrealität geworden. Dazu kommt die Erfahrung aus der Pandemie ab 2020: Sie hat gezeigt, wie schnell Lieferketten und Organisationsstrukturen unter Druck geraten können.

Eine internationale Befragung der ISO im Jahr 2023 ergab eine breite Einigkeit: Die Norm braucht ein Update. Das Ergebnis der Revision ist keine Revolution, sondern eine gezielte Weiterentwicklung. Der prozessorientierte Ansatz bleibt erhalten, ebenso der PDCA-Zyklus, also die wiederkehrende Abfolge aus Planen, Umsetzen, Prüfen und Handeln, und der branchenübergreifende Charakter der Norm. Was sich ändert, sind die Schwerpunkte. Genau diese treffen den Kern dessen, was Qualitäts­management in der Sozialen Arbeit und Pflege ausmacht.

Die ISO 9001:2026 ist keine Neuerfindung. Sie schärft bestehende Anforderungen und ergänzt Themen, die für Einrichtungen längst relevant sind: Qualitätskultur, ethisches Handeln und strategische Verankerung. Der Klimabezug gilt dagegen schon seit 2024.

Was Organisationen heute bereits gut aufstellen, bleibt tragfähig.

Was ändert sich mit der ISO 9001:2026 konkret?

Der Entwurf zeigte schon früh, wohin die Reise geht, die veröffentlichte Fassung bestätigt das. Die Änderungen lassen sich in fünf Themenbereichen zusammenfassen, dazu kommt der seit 2024 geltende Klimabezug. Klicken Sie auf eine Karte, um mehr zu erfahren.

01Neu

Qualitätskultur & ethisches Verhalten

Abschnitt 5.1.1 i): Die oberste Leitung muss eine Qualitätskultur und ethisches Verhalten fördern.

Dies geht über eine dokumentierte Qualitätspolitik hinaus. Nach einer neuen Anmerkung der Norm zeigt sich Qualitätskultur in gemeinsamen Werten, Haltungen und gelebten Abläufen. Für Sozialeinrichtungen bedeutet das: Der Umgang mit Bewohnern, Klienten und Mitarbeitenden rückt in den Blick des Qualitätsmanagements.
02Neu gegliedert

Strategische Ausrichtung

Abschnitt 5.2.1 e): Die Qualitätspolitik berücksichtigt den Kontext der Organisation und unterstützt ihre strategische Ausrichtung. Die Anforderung stand bisher unter a) und bildet jetzt den eigenen Punkt e).

Qualitätsziele dürfen nicht losgelöst von der Organisationsstrategie existieren. Für Träger im Sozialwesen heißt das: Wenn die strategische Ausrichtung „inklusive Teilhabe“ oder „ambulant vor stationär“ lautet, müssen Qualitätsziele diese Richtung konkret abbilden.
03Erweitert

Risiken und Chancen getrennt

Abschnitt 6.1 wird neu gegliedert: Risiken und Chancen werden weiter gemeinsam bestimmt (6.1.1), die Maßnahmen stehen getrennt in 6.1.2 (Risiken) und 6.1.3 (Chancen).

Die getrennten Maßnahmen machen deutlich: Organisationen sollen nicht nur Risiken minimieren, sondern aktiv Chancen identifizieren und nutzen.
04Seit 2024

Klimawandel als Kontextfaktor

Kapitel 4.1 und 4.2: Der Klimawandel ist als externer Einflussfaktor in der Kontextanalyse zu berücksichtigen, bereits seit der Änderung DIN EN ISO 9001/A1:2024-11 und unverändert Teil der Fassung 2026.

Organisationen müssen prüfen, ob und wie der Klimawandel ihre Prozesse beeinflusst. Hitzeschutzkonzepte, Notfallpläne bei Extremwetter, Energieeffizienz. Es geht nicht um ein Umweltmanagementsystem, aber um bewusste Berücksichtigung.
05Erweitert

Harmonisierte Struktur

Die ISO 9001:2026 folgt der überarbeiteten Harmonized Structure, dem gemeinsamen Grundgerüst aller ISO-Managementsystemnormen, für bessere Integration mit ISO 14001, 45001 u. a.

Die neue Grundstruktur sorgt für einheitlichere Begriffe. Für Organisationen mit mehreren Managementsystemen, etwa Qualität und Arbeitsschutz zusammen, wird die Integration einfacher. Begriffe wie „dokumentierte Information“ werden klarer definiert.
06Diskutiert

Digitalisierung & KI

Kein eigener Normabschnitt, aber der Einfluss digitaler Technologien wird als Treiber der Revision anerkannt.

Die Norm enthält keine konkreten Anforderungen zu KI-Validierung und bleibt technologieneutral. Wer KI-gestützte Prozesse nutzt, muss sicherstellen, dass diese die allgemeinen QM-Anforderungen erfüllen. Welche Festlegungen dafür ins Handbuch gehören, beschreibt der Beitrag KI im Sozialwesen: was ins QM-Handbuch gehört.

Einordnung

Die ISO 9001:2026 wird weder zu einer ESG-Norm, also einem Regelwerk für Umwelt-, Sozial- und Führungsstandards, noch zu einer KI-Richtlinie. Sie bleibt ein Rahmenwerk für Qualitäts­management­systeme. Aber sie macht deutlicher als bisher: Qualitäts­management darf nicht losgelöst von der übrigen Organisation existieren.

Was bedeutet das für meine Einrichtung?

Viele der neuen Schwerpunkte sind der Sozialen Arbeit und Pflege nicht fremd. Ethisches Handeln, Fürsorge und Verantwortung gegenüber besonders schutzbedürftigen Menschen gehören zum Selbstverständnis der Branche. Der Unterschied liegt darin, ob diese Werte nur gelebt werden oder zusätzlich systematisch in einem Management­system verankert sind.

Was macht eine gelebte Qualitätskultur aus?

In sozialen Einrichtungen hängt Qualitätskultur eng mit der Haltung der Mitarbeitenden zusammen: Wie wird mit Fehlern umgegangen? Werden Verbesserungsvorschläge ernst genommen? Gibt es psychologische Sicherheit im Team, also die Erfahrung, offen sprechen zu können, ohne Nachteile befürchten zu müssen? Die ISO 9001:2026 verlangt, dass die oberste Leitung diese Kultur fördert. Ein Leitbild an der Wand reicht dafür nicht. Wie die Leitung das tut, legt die Norm nicht fest. Zeigen lässt es sich etwa über Reflexionsformate, Feedbacksysteme, Schulungen und das Vorbildverhalten der Führung.

Beispiel

Angenommen, in einer Tagesförderstätte unterläuft einer Betreuungskraft ein Fehler bei der Medikamentengabe. Wird der Fehler offen gemeldet und gemeinsam ausgewertet, zeigt sich gelebte Qualitätskultur. Bleibt er aus Sorge vor Konsequenzen unausgesprochen, bleibt das Risiko für die nächste Person bestehen.

Wie hängen Strategie und Qualitäts­management zusammen?

Gerade in Trägerorganisationen mit mehreren Einrichtungen kann eine Lücke klaffen zwischen der strategischen Planung auf Trägerebene und dem operativen Qualitäts­management vor Ort. Die Norm verlangt, dass die Qualitätspolitik die strategische Ausrichtung unterstützt. Das galt schon in der Fassung 2015, die Fassung 2026 stellt es als eigenen Punkt heraus. Plant ein Träger etwa, den ambulanten Bereich auszubauen, muss sich das im Qualitäts­management zeigen: in angepassten Prozessen, Zielen und Kennzahlen.

Beispiel

Angenommen, ein Träger beschließt, den ambulanten Bereich in den kommenden zwei Jahren deutlich auszubauen, doch die Qualitätsziele der Einrichtungen wurden seit fünf Jahren nicht angepasst. Dann fehlt genau die Verbindung, die die Norm verlangt.

Was bedeutet der Klimawandel für Pflegeeinrichtungen?

Die Pflicht, den Klimawandel zu berücksichtigen, gehört streng genommen nicht zur Revision 2026: Sie gilt bereits seit der Änderung DIN EN ISO 9001/A1:2024-11 vom November 2024, ohne eigene Übergangsfrist. Organisationen müssen seither bei ihrer Kontextanalyse, also bei der Prüfung, welche äußeren Einflüsse ihre Arbeit betreffen, auch den Klimawandel berücksichtigen. Das klingt zunächst nach produzierendem Gewerbe. Die Realität zeigt aber: Hitzewellen belasten Bewohnerinnen und Bewohner in stationären Einrichtungen, Extremwetter gefährdet Versorgungsketten und steigende Energiekosten beeinflussen die wirtschaftliche Stabilität. Eine CO₂-Bilanz verlangt die Norm dafür nicht, wohl aber eine systematische Prüfung, ob und wie Klimafaktoren relevant sind.

Beispiel

Angenommen, in einer stationären Pflegeeinrichtung fällt an einem Hitzetag für mehrere Stunden die Kühlung im Aufenthaltsbereich aus. Ein Hitzeschutzkonzept mit klaren Zuständigkeiten entscheidet dann darüber, ob die Bewohnerinnen und Bewohner rechtzeitig in kühlere Räume gebracht werden.

Wie wird aus Risikovermeidung aktives Chancenmanagement?

Die getrennten Maßnahmen zu Risiken und zu Chancen in Abschnitt 6.1 betreffen das Sozialwesen besonders. Ein Risikomanagement kann bei einer defensiven Sicht stehen bleiben: Risiken erkennen, Fehler vermeiden, Beschwerden bearbeiten. Die neue Struktur verlangt zusätzlich den Blick nach vorn: Welche Chancen bietet die Digitalisierung der Pflegedokumentation? Wie verbessern Kooperationen die Versorgungsqualität? Wo liegen Innovationspotenziale im Betreuungskonzept?

Bis wann muss ich umstellen?

Die ISO 9001:2026 ist am 16. September 2026 veröffentlicht worden, zunächst auf Englisch. Die deutsche Fassung DIN EN ISO 9001:2026-11 ist seit Oktober 2026 bestellbar. Die Übergangsfrist hat der internationale Zusammenschluss der Akkreditierungsstellen, die Global Accreditation Cooperation Incorporated (Global ACI), am 4. September 2026 verbindlich festgelegt: Zertifikate nach ISO 9001:2015 gelten längstens bis zum 30. September 2029. Bis dahin muss die Umstellung in einem Überwachungs-, Rezertifizierungs- oder eigenen Umstellungsaudit bestätigt sein. Erstzertifizierungen werden nach dem 31. März 2028 nur noch nach ISO 9001:2026 erteilt.

Es besteht also kein Grund zur Eile, wohl aber dazu, rechtzeitig mit einer Gap-Analyse zu beginnen: einem strukturierten Vergleich des eigenen Qualitäts­management­systems mit den neuen Anforderungen. Wie und in welcher Reihenfolge zertifizierte Einrichtungen der Sozialen Arbeit und Pflege konkret umstellen, beschreibt Schritt für Schritt der Fahrplan zur Umstellung.

Wo steht Ihre Organisation heute?

Der folgende Bogen gibt eine erste Orientierung anhand von fünf Themenfeldern, darunter der Klimabezug und die Vorbereitung auf die Umstellung. Sie können ihn am Bildschirm ausfüllen oder ausdrucken und im Leitungstermin gemeinsam durchgehen. Die Auswertung zeigt je Themenfeld, wo 1 oder 2 überwiegen, eine Gesamtpunktzahl gibt es bewusst nicht.

Selbstbewertungsbogen · ISO 9001:2026
11 Aussagen · Skala 1 bis 4 · Auswertung je Themenfeld · am Bildschirm ausfüllen oder drucken
1 Trifft nicht zu2 In Ansätzen3 Weitgehend erfüllt4 Vollständig umgesetzt
A: Qualitätskultur & Führung (neu in Abschnitt 5.1.1)
1. Die oberste Leitung fördert aktiv eine Kultur des Qualitätsbewusstseins und ethischen Verhaltens.Wie die Leitung das tut, legt die Norm nicht fest. Belege sind zum Beispiel Reflexionsformate, Vorbildverhalten, regelmäßige Qualitätsdialoge.
2. Es existieren dokumentierte Regelungen zum Umgang mit Fehlern und Verbesserungsvorschlägen.Zum Beispiel Fehlermanagementsystem, niedrigschwelliges Vorschlagswesen oder regelmäßige Fallbesprechungen.
3. Ethische Leitlinien sind im Alltag verankert.Im Sozialwesen können bestehende Gewaltschutz-, Beteiligungs- oder Verhaltenskonzepte hier anknüpfen.
B: Strategische Ausrichtung (Abschnitt 5.2.1 e)
4. Die Qualitätspolitik berücksichtigt den Kontext der Organisation und unterstützt ihre Strategie.Qualitätspolitik und Qualitätsziele lassen sich nachvollziehbar aus der Gesamtstrategie ableiten.
5. Qualitätsziele werden regelmäßig an strategische Veränderungen angepasst.Neue Standorte, veränderte Zielgruppen oder Angebotsumstellungen müssen sich in den QM-Zielen widerspiegeln.
C: Risiken & Chancen (neu gegliedert in 6.1.1 bis 6.1.3)
6. Zu Risiken und zu Chancen gibt es jeweils eigene Maßnahmen.Bestimmt werden Risiken und Chancen weiter gemeinsam (6.1.1). Die Maßnahmen verlangt die neue Fassung getrennt: zu Risiken in 6.1.2, zu Chancen in 6.1.3.
7. Chancen werden systematisch verfolgt und in Maßnahmen überführt.Digitalisierung, Kooperationen, Förderprogramme oder innovative Betreuungskonzepte als aktive Potenziale.
D: Klimawandel & Nachhaltigkeit (Kapitel 4.1 und 4.2, in Kraft seit 2024)
8. Klimawandel wurde als Einflussfaktor in der Kontextanalyse geprüft.Hitzeschutzkonzepte, Versorgungssicherheit und Energiemanagement sind typische Anknüpfungspunkte. Diese Anforderung ist bereits seit 2024 verbindlich, unabhängig von der aktuellen Revision.
9. Nachhaltigkeitserwartungen interessierter Parteien sind erfasst.Kostenträger, Bewohner und Mitarbeitende haben zunehmend Erwartungen an nachhaltiges Handeln.
E: Vorbereitung auf die Umstellung
10. Die Gap-Analyse zur veröffentlichten Fassung ist durchgeführt.Die ISO 9001:2026 liegt seit dem 16. September 2026 auf Englisch vor. Die deutsche Fassung DIN EN ISO 9001:2026-11 ist seit Oktober 2026 bestellbar. Für die inhaltliche Analyse genügt eine der beiden Sprachfassungen.
11. Schulungen für Führungskräfte und QM-Verantwortliche sind eingeplant.Zertifikate nach ISO 9001:2015 gelten längstens bis zum 30. September 2029. Wer früh schult, kann die Umstellung in ein ohnehin geplantes Überwachungs- oder Rezertifizierungsaudit legen.
Auswertung je Themenfeld

Noch keine Bewertung. Wählen Sie je Aussage einen Wert von 1 bis 4.

Tipp: Beginnen Sie mit den Themenfeldern, in denen 1 oder 2 überwiegen, und tragen Sie dort Beleg oder Maßnahme mit Verantwortlichen und Termin ein. So wird der Bogen zur Maßnahmenliste. Der Bogen eignet sich auch als Ausgangspunkt für einen gemeinsamen System-Check.

Stand: . Normzitate nach der englischen Fassung und der Änderungsübersicht in Global ACI-TECH-3-TR 2029-09-30. Der Bogen ersetzt kein Audit.

Warum das eine Chance ist

Die ISO 9001:2026 erfindet das Qualitäts­management nicht neu. Sie richtet es aber neu aus: hin zu einem strategischen Instrument, das Qualitätskultur, ethisches Handeln und gesellschaftliche Verantwortung einschließt.

Für Einrichtungen der Sozialen Arbeit und Pflege ist das weniger ein Problem als eine Chance. Viele der neuen Anforderungen, etwa Ethik, Fürsorge und Verantwortung, gehören ohnehin zum Kerngeschäft. Was bisher nur gelebt wurde, bekommt jetzt einen normativen Rahmen. Das kann die Position von Qualitäts­management in der Organisation stärken: als Instrument, das nicht nur Prüfungen besteht, sondern Organisationsentwicklung vorantreibt.

Die Übergangsfrist bis zum 30. September 2029 gibt genug Zeit für eine geordnete Vorbereitung. Wer jetzt beginnt, profitiert am meisten davon.

Was in den nächsten Wochen zu tun ist

Drei Schritte lohnen sich schon jetzt, lange vor dem Ende der Übergangsfrist. Erstens: die eigene Qualitätspolitik daraufhin prüfen, ob sie die aktuelle Strategie der Organisation tatsächlich widerspiegelt. Zweitens: eine kurze Bestandsaufnahme, wie Qualitätskultur im Alltag heute sichtbar gemacht wird, etwa durch Feedbackrunden oder Reflexionsformate. Drittens: prüfen, ob der Klimawandel bereits Teil der eigenen Kontextanalyse ist, denn diese Pflicht gilt schon seit 2024 unabhängig von der aktuellen Revision.

Wer zertifiziert ist und den vollständigen Fahrplan zur Umstellung sucht, findet ihn im verlinkten Beitrag zur Umstellung auf die ISO 9001:2026. Für alle anderen genügt es vorerst, den oben stehenden Selbstbewertungsbogen im Leitungsteam durchzugehen und die Ergebnisse schriftlich festzuhalten.

Häufige Fragen

Wann wurde die ISO 9001:2026 veröffentlicht?

Am 16. September 2026, zunächst auf Englisch. Die deutsche und europäische Fassung DIN EN ISO 9001:2026-11 ist seit Oktober 2026 bestellbar. Details zum Ablauf stehen im Beitrag zur Umstellung auf die ISO 9001:2026.

Wie lange ist die Übergangsfrist für die ISO 9001:2026?

Drei Jahre: Zertifikate nach ISO 9001:2015 gelten längstens bis zum 30. September 2029, bis dahin muss die Umstellung in einem Audit bestätigt sein. Erstzertifizierungen werden nach dem 31. März 2028 nur noch nach ISO 9001:2026 erteilt. Beides hat der internationale Zusammenschluss der Akkreditierungsstellen (Global ACI) am 4. September 2026 verbindlich festgelegt.

Was ändert sich mit der ISO 9001:2026 für das Sozialwesen?

Die wichtigsten Neuerungen betreffen fünf Bereiche: eine von der Leitung gestaltete Qualitätskultur, eine strategisch verankerte Qualitätspolitik und getrennte Maßnahmen zu Risiken und zu Chancen. Dazu kommen eine harmonisierte Normstruktur und die Anerkennung digitaler Technologien als Treiber. Der Klimawandel gehört nicht dazu: Er gilt bereits seit 2024 unverändert weiter.

Muss meine Einrichtung sofort auf die ISO 9001:2026 umstellen?

Nein: Zertifikate nach ISO 9001:2015 bleiben bis zum jeweiligen Ablaufdatum gültig, längstens bis zum 30. September 2029. Es besteht kein Grund zur Hektik, wohl aber dazu, rechtzeitig mit einer Gap-Analyse zu beginnen. In welcher Reihenfolge sich zertifizierte Einrichtungen vorbereiten, beschreibt der Beitrag zur Umstellung auf die ISO 9001:2026.

Was ist eine Gap-Analyse im Kontext der ISO 9001:2026?

Eine Gap-Analyse ist ein strukturierter Vergleich zwischen Ihrem bestehenden QM-System und den Anforderungen der ISO 9001:2026. Sie identifiziert Lücken in Bereichen wie Qualitätskultur, strategischer Ausrichtung und Chancenmanagement und bildet die Basis für einen gezielten Maßnahmenplan. Die Norm liegt seit dem 16. September 2026 auf Englisch vor und ist seit Oktober 2026 auch in deutscher Fassung bestellbar.

Zum Weiterlesen

Quellen

  1. ISO 9001:2026, International Organization for Standardization, veröffentlicht am 16. September 2026 (englische Ausgabe, deutsche Fassung DIN EN ISO 9001:2026-11 seit Oktober 2026 bei DIN Media bestellbar).
  2. DIN Media (2026): Revision der ISO 9001, Themenseite mit dem Veröffentlichungsdatum der ISO 9001:2026 und der Bestellbarkeit der deutschen Fassung DIN EN ISO 9001:2026-11, abgerufen am 03.11.2026. dinmedia.de
  3. DIN EN ISO 9001:2015: Qualitäts­management­systeme, Anforderungen (bisherige Fassung, Zertifikate danach längstens bis 30.09.2029 gültig).
  4. Global Accreditation Cooperation Incorporated (2026): Transition Requirements for ISO 9001:2026, Global ACI-TECH-3-TR 2029-09-30 (M), Version 1.0, Ausgabe 04.09.2026, mit Übersicht der Änderungen in Abschnitt 3.1. sys.global-aci.org (PDF)
  5. DIN EN ISO 9001/A1:2024-11: Änderung zur Berücksichtigung des Klimawandels in Kontext- und Risikoanalyse, in Kraft seit November 2024.
  6. Harmonized Structure für ISO-Management­systemnormen, überarbeitete Fassung, Grundlage der harmonisierten Normstruktur in der Revision 2026.

Christian Monat

Externer Qualitätsmanagementbeauftragter aus Chemnitz. Berufserfahrung in Eingliederungshilfe, Sozialpsychiatrie und Suchthilfe, seit 2019 in Leitungsfunktionen. Mehr über mich

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Drei Menschen sitzen an einem Holztisch in einem hellen Raum mit Pflanzen, ein Mann erklärt etwas, eine Frau und ein weiterer Mann hören zu.