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Umstellung auf die ISO 9001:2026: was zertifizierte Träger in welcher Reihenfolge tun müssen

Die Norm ist seit dem 16. September veröffentlicht, die deutsche Fassung seit dem 8. Oktober bestellbar. Die Übergangsfrist steht fest: Bis zum 30. September 2029 muss umgestellt sein. Planen lässt sich jetzt, man muss nur in der richtigen Reihenfolge anfangen.

  • Christian Monat
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Auf einem Flipchart ist mit Filzstift eine Ablaufskizze mit Pfeilen, Lupe, Glühbirne und Schraubenschlüssel gezeichnet.

Seit dem 16. September 2026 gibt es eine neue ISO 9001 und hinter den Mitteilungen der Zertifizierungs­stellen steht seitdem dieselbe Frage: Hat mein Zertifikat jetzt ein Problem? Es hat keines. Der Fahrplan, den zertifizierte Träger trotzdem brauchen, beginnt in den nächsten Wochen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Umstellung betrifft nur Träger mit einem Zertifikat nach ISO 9001. Gesetzlich verlangt ist für stationäre Reha-Einrichtungen eine Zertifizierung nach einem anerkannten Verfahren. Pflege- und Jugendhilferecht verlangen keine und für die Zulassung von Bildungsträgern in der Arbeitsförderung ist die ISO 9001 nicht vorgeschrieben.
  • Die ISO 9001:2026 liegt seit dem 16. September 2026 auf Englisch vor. Die deutsche Fassung ist seit Oktober 2026 bestellbar. Audits laufen bis auf Weiteres nach der Fassung 2015, und nach der neuen Fassung kann sich derzeit noch niemand zertifizieren lassen.
  • Die Übergangsfrist ist verbindlich festgelegt: Zertifikate nach der Fassung 2015 gelten längstens bis zum 30. September 2029. Bis dahin muss die Umstellung in einem Audit bestätigt und das neue Zertifikat ausgestellt sein.
  • Schon heute gilt eine Änderung von 2024: Ihre Einrichtung muss prüfen, ob der Klimawandel für sie ein relevantes Thema ist. Fehlt diese Prüfung, ist das im nächsten Überwachungsaudit eine Abweichung.
  • In den nächsten Wochen notieren Sie Ihre Zertifikatsdaten, stellen Ihrer Zertifizierungs­stelle drei Fragen und prüfen den Klimabezug.

Was in Ihrem Arbeitsfeld gilt, steht bei Reha, Arbeitsförderung, Pflege und Jugendhilfe. Was zu tun ist, steht bei den acht Schritten.

Die Umstellung auf die ISO 9001:2026 ist der Wechsel der Normfassung, nach der eine Einrichtung zertifiziert ist. Sie geschieht in einem Audit durch die Zertifizierungs­stelle, in aller Regel gekoppelt an ein ohnehin fälliges Überwachungs- oder Rezertifizierungsaudit.

Die Übergangsfrist ist der Zeitraum, in dem Zertifikate nach der alten Fassung gültig bleiben. Sie endet für alle Zertifikate gemeinsam, unabhängig davon, wann das einzelne Zertifikat ausgestellt wurde.

Was hat sich am 16. September geändert?

Zwei Annahmen liegen nahe: Das Zertifikat sei jetzt veraltet und man müsse sofort umstellen lassen. Beides stimmt nicht. Fest steht dagegen, bis wann umgestellt sein muss.

Am 16. September 2026 hat das Technische Komitee ISO/TC 176/SC 2 die neue Fassung als endgültige internationale Norm veröffentlicht, zunächst nur auf Englisch (DQS, 2026). Die deutsche und zugleich europäische Ausgabe DIN EN ISO 9001:2026-11 ist seit Oktober 2026 beim Normenverlag DIN Media (2026) bestellbar.

Für zertifizierte Träger hat sich damit vorerst nichts geändert. Zertifikate nach ISO 9001:2015 gelten weiter bis zu ihrem Ablaufdatum, längstens bis zum 30. September 2029. Auch die Audits laufen weiter nach dieser Fassung, einschließlich der Änderung zum Klimabezug von 2024.

Nach der Fassung 2026 zertifizieren lassen kann man sich dagegen noch nicht. Dafür muss Ihre Zertifizierungs­stelle erst ihre Akkreditierung umstellen lassen. Mit der Akkreditierung bestätigt in Deutschland die Deutsche Akkreditierungsstelle (DAkkS) förmlich, dass eine Zertifizierungs­stelle für eine bestimmte Norm kompetent ist. Wann das so weit ist, weiß Ihre eigene Zertifizierungs­stelle. Die Akkreditierungsstellen müssen darüber spätestens bis zum 30. September 2027 entscheiden.

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gültige Zertifikate nach ISO 9001 in Deutschland zum 31.12.2023, über alle Branchen. Weltweit waren es 837.052. Die Erhebung ist unscharf, weil mehrere Länder unvollständig gemeldet haben (ISO Survey, ausgewertet von WEKA Media, 2024).

Alle Zertifikate, die weiterlaufen sollen, müssen in derselben Frist umgestellt werden. Global ACI, der internationale Dachverband der Akkreditierungsstellen, begründet die Dauer von drei Jahren ausdrücklich mit dem Aufwand an Auditzeit und Verwaltung, den das für die Zertifizierungs­stellen bedeutet.

Wen betrifft die Umstellung und was gilt in Ihrem Arbeitsfeld?

Betroffen ist jeder Träger, der ein Zertifikat nach ISO 9001 hat. Was das für ihn bedeutet, hängt davon ab, ob das Gesetz die Zertifizierung verlangt oder ob sie freiwillig ist.

Keine der einschlägigen Vorschriften in der Sozialen Arbeit und Pflege verweist auf eine bestimmte Fassung der Norm. Wo das Gesetz eine Zertifizierung verlangt, dient das Zertifikat als Nachweis und die neue Fassung ändert nur, wonach es künftig ausgestellt wird. Das klingt beruhigend, hat aber in zwei Feldern eine Kehrseite.

Rehabilitation: Erst muss das anerkannte Verfahren nachziehen

Für stationäre Reha-Einrichtungen ist die Zertifizierung Voraussetzung. Sie sind „nur dann als geeignet anzusehen, wenn sie zertifiziert sind“ (§ 37 SGB IX). Das einheitliche Verfahren dafür vereinbaren die Spitzenverbände der Rehabilitationsträger, also der Kosten­träger wie Renten-, Kranken- und Unfallversicherung oder der Bundesagentur für Arbeit, in der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (BAR).

Die Liste der von der BAR anerkannten Verfahren hat den Stand vom 4. April 2025 (BAR, 2025). Unter Nummer 9 führt sie ein Verfahren, das auf der ISO 9001 aufbaut: „DIN EN ISO 9001 inkl. pCC für Rehabilitationseinrichtungen“ in der Version 3.0 vom 17. Oktober 2016. Bevor eine Reha-Einrichtung umstellen kann, muss die herausgebende Stelle dieses Verfahren auf die neue Fassung heben und die BAR muss die neue Version anerkennen. Dieser Zwischenschritt liegt nicht in Ihrer Hand und gehört deshalb früh in die Planung.

Bildungsträger nach AZAV: Die ISO 9001 ist nicht vorgeschrieben

Träger, die Maßnahmen der Arbeitsförderung anbieten, etwa Bildungsträger, brauchen eine Trägerzulassung nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV). Eine ISO-Zertifizierung verlangt diese Verordnung nicht. Sie nennt stattdessen neun Anforderungen an das Qualitäts­sicherungssystem (§ 2 AZAV). Darunter sind ein kundenorientiertes Leitbild, Zielvereinbarungen samt Messung ihrer Erreichung, Methoden zur Bewertung der Maßnahmen und ein systematisches Beschwerdemanagement. Die ISO 9001 ist dafür die übliche, nicht die vorgeschriebene Grundlage.

Planen Sie Trägerzulassung und Normumstellung deshalb getrennt. Wer beides in einen Vorgang wirft, macht die Zulassung vom Gelingen der Umstellung abhängig und aus einem Normwechsel ohne Not ein Zulassungsrisiko.

Pflege und Jugendhilfe: Das Sozialrecht verlangt keine Zertifizierung

In der Pflege verlangt das Gesetz ein internes Qualitäts­management nach den vereinbarten Maßstäben und Grundsätzen, aber keine Zertifizierung (§ 112 SGB XI).

In der Kinder- und Jugendhilfe verpflichtet das Gesetz die Träger der öffentlichen Jugendhilfe, also die Jugendämter und Landesjugendämter, zu Grundsätzen und Maßstäben der Qualitäts­entwicklung, ebenfalls ohne Bezug auf eine Norm (§ 79a SGB VIII). Wer in diesen Feldern zertifiziert ist, hat sich freiwillig dafür entschieden und entscheidet auch über die Umstellung selbst. Das ist eine Frage der Erwartungen von Kosten­trägern, nicht des Pflege- oder Jugendhilferechts.

Was die zuständigen Stellen bisher sagen

Bis zum 18. September 2026 war von diesen Stellen keine veröffentlichte Äußerung zur Normrevision auffindbar: BAR, DAkkS, Medizinischer Dienst, Bundesagentur für Arbeit und Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege. Wie sie verfahren werden, wäre Spekulation.

Bis wann muss die Umstellung erledigt sein?

Die Umstellung muss bis zum 30. September 2029 abgeschlossen sein, einschließlich des neuen Zertifikats. Das hat der internationale Dachverband der Akkreditierungsstellen, die Global Accreditation Cooperation Incorporated (Global ACI), am 4. September 2026 verbindlich festgelegt. Er ist 2026 an die Stelle der bisherigen Dachverbände IAF und ILAC getreten. Seine Vorgaben gelten für die angeschlossenen Akkreditierungsstellen und die von ihnen akkreditierten Zertifizierungs­stellen.

Die Festlegung nennt drei weitere Daten (Global ACI, 2026). Die Akkreditierungsstellen müssen spätestens bis zum 31. März 2027 bereit sein, nach der neuen Fassung zu begutachten. Über die Umstellung der Zertifizierungs­stellen entscheiden sie bis zum 30. September 2027. Erst wenn ihre Akkreditierung umgestellt ist, darf eine Zertifizierungs­stelle nach der Fassung 2026 zertifizieren. Erstzertifizierungen werden nach dem 31. März 2028 nur noch nach ISO 9001:2026 erteilt.

Die Umstellung selbst kann im Überwachungsaudit, im Rezertifizierungsaudit oder in einem eigenen Umstellungsaudit stattfinden. Weil das neue Zertifikat vor dem Fristende ausgestellt sein muss, ist ein Audit kurz vor dem 30. September 2029 riskant. Nach dem Audit brauchen die Bearbeitung von Abweichungen und die Zertifizierungsentscheidung Zeit.

Der 30. September 2029 ist das Ende der Frist, nicht der Plan. In den Umstellungsplan gehört ein Audittermin mit Puffer davor.

Beispiel

Angenommen, ein Träger hat sein Rezertifizierungsaudit im Juni 2029. Stellt er erst dort um, bleiben bis zum Fristende rund drei Monate für Abweichungen und die Zertifizierungsentscheidung. Ein Ausweichtermin ist dann kaum noch möglich. Stellt er schon im Überwachungsaudit im Juni 2028 um, bleibt ihm ein Jahr Reserve.

Prüfen Sie deshalb, in welches Ihrer regulären Audits die Umstellung fällt, und stimmen Sie den Termin früh mit der Zertifizierungs­stelle ab. Wer alles auf das letzte Audit vor dem Fristende legt, hat keinen Spielraum mehr, wenn sich ein Termin verschiebt.

Was gilt heute schon, was kommt erst mit der Umstellung?

Manches, was derzeit als Neuerung der Fassung 2026 beschrieben wird, ist gar nicht neu. Das gilt vor allem für den Klimabezug. Er stammt aus einer Änderung der Fassung 2015 (A1:2024) und gilt bereits, und zwar ohne Übergangsfrist.

In der Kontextanalyse muss die Einrichtung seitdem prüfen, ob der Klimawandel für sie ein relevantes Thema ist. Wer diese Prüfung noch nicht dokumentiert hat, hat keine Vorbereitungsaufgabe vor sich, sondern eine offene Abweichung im nächsten Überwachungsaudit.

ThemaGilt heute (ISO 9001:2015 mit A1:2024)Kommt mit der Umstellung (ISO 9001:2026)
KlimabezugGilt bereits: 4.1 verlangt die Prüfung, ob der Klimawandel ein relevantes Thema ist, 4.2 eine Anmerkung zu den Anforderungen interessierter Parteien. Ohne Übergangsfrist.Keine zusätzliche Anforderung. Wer 2024 nachgezogen hat, hat hier nichts zu tun.
Qualitätskultur und EthikKeine eigenständige Anforderung.Die oberste Leitung fördert Qualitätskultur und ethisches Verhalten aktiv (5.1.1). Belegbar, nicht behauptet.
Risiken und ChancenGemeinsam geregelt (6.1).Getrennt geregelt. Für Chancen braucht es einen eigenen Ablauf, der auch bewertet, ob die Maßnahmen wirken (6.1.3). Risiken stehen in 6.1.2.
QualitätspolitikMuss zum Zweck der Organisation passen.Muss ausdrücklich zur strategischen Ausrichtung passen (5.2.1 e).
Bewusstsein der MitarbeitendenKenntnis von Politik, Zielen und eigenem Beitrag (7.3).Erweitert (7.3). Der überarbeitete Anhang A erläutert Begriffe und Absicht der Anforderungen. Er ist informativ, also nicht verpflichtend.
AuditgrundlageFassung 2015 einschließlich A1:2024.Fassung 2026, sobald Ihre Zertifizierungs­stelle die Akkreditierung dafür erweitert hat.
Deutscher NormtextDIN EN ISO 9001:2015 mit A1:2024-11.DIN EN ISO 9001:2026-11 (deutsche und englische Fassung), bestellbar seit Oktober 2026. Die Ausgabe 2026-11 ersetzt als deutsche Norm DIN EN ISO 9001:2015-11. Audits laufen bis auf Weiteres trotzdem nach der Fassung 2015.

Die rechte Spalte folgt der Darstellung der DQS (2026), die Zeile zum deutschen Normtext den Angaben von DIN Media (2026). Die Kapitelnummern beruhen teilweise auf Entwurfsständen. Gleichen Sie sie an der Endfassung ab, bevor Sie sie in eigene Dokumente übernehmen.

Die übrigen Neuerungen prüft die Zertifizierungs­stelle erst im Umstellungsaudit. Ihr internes Audit und Ihre Management­bewertung müssen sie aber schon vorher abbilden.

Acht Schritte in der richtigen Reihenfolge

Bei der Umstellung ist die Reihenfolge wichtiger als das Tempo, weil die späteren Schritte auf den Antworten der frühen aufbauen. Die Gap-Analyse in Schritt vier ist inhaltlich der interessanteste Teil. Wer mit ihr anfängt, merkt im Herbst 2027, dass ihm die Antworten aus Schritt zwei fehlen.

  1. Schreiben Sie Ihren Zertifikatszyklus auf

    Notieren Sie Ausstellungsdatum, Ablaufdatum und den Termin des nächsten Überwachungsaudits. Diese drei Zeilen sind die Grundlage für alles Weitere. Bei mehreren Zertifikaten oder Standorten notieren Sie die Daten für jedes Zertifikat einzeln.

  2. Fragen Sie Ihre Zertifizierungs­stelle drei Dinge

    Ab wann darf sie nach der Fassung 2026 auditieren? In welches Ihrer regulären Audits legt sie die Umstellung? Wie viel zusätzliche Auditzeit kalkuliert sie? Wer jetzt fragt, steht nicht in der Schlange, wenn später alle gleichzeitig fragen.

  3. Prüfen Sie zuerst den Klimabezug aus 2024

    Steht in Ihrer Kontextanalyse eine Aussage dazu, ob der Klimawandel für Ihre Einrichtung ein relevantes Thema ist? Wenn nicht, ist das die dringendste Aufgabe auf dieser Liste, obwohl sie mit der neuen Fassung nichts zu tun hat.

  4. Machen Sie die Gap-Analyse mit der Fassung 2026

    Die Gap-Analyse fragt, was Ihr System heute abbildet und was nicht. Dafür genügt der Normtext der Fassung 2026, englisch (ISO 9001:2026) oder deutsch (DIN EN ISO 9001:2026-11). Die Verweise im Handbuch passen Sie danach an.

  5. Tragen Sie die Nachweise zur Qualitätskultur zusammen, die Sie schon haben

    Die neue Fassung verlangt, dass die Leitung Qualitätskultur nachweisbar fördert. In der Sozialen Arbeit und Pflege gibt es dafür mögliche Nachweise an anderer Stelle: Schutz­konzept, Beschwerdemanagement, Fehlermeldesystem, Fallbesprechungen, Beteiligungsgremien. Verknüpfen statt neu schreiben. Ein zusätzlicher Satz im Leitbild ist kein Nachweis.

    BeispielAngenommen, ein ambulanter Dienst wertet seine Beschwerden regelmäßig aus. Verknüpfen heißt dann: Das Handbuch verweist bei der Qualitätskultur auf dieses Verfahren und auf die letzte Auswertung.

  6. Setzen Sie Chancen als eigenen Prozess auf

    Eine zusätzliche Spalte in der Risikomatrix erfüllt die neue Anforderung nicht (Kapitel 6.1.3). Gefordert ist ein eigener Ablauf, der auch bewertet, ob die ergriffenen Maßnahmen wirken. Das darf schlank sein: zwei Termine im Jahr, ein festes Format, eine nachvollziehbare Entscheidung.

  7. Klären Sie den Zwischenschritt Ihres Sektors

    Für Reha-Einrichtungen und für Bildungsträger nach der AZAV hängt an der Umstellung mehr als das Zertifikat. Reha-Einrichtungen brauchen vorher die angepasste und von der BAR anerkannte Version ihres Verfahrens. Bildungsträger planen Trägerzulassung und Umstellung getrennt.

  8. Ziehen Sie internes Audit und Management­bewertung vor

    Beide müssen die neue Fassung abbilden, bevor das Umstellungsaudit stattfindet. Wer die Nachweise erst danach nachzieht, fällt im Audit nicht über fehlende Inhalte, sondern über fehlende Belege. Wie ein internes Audit in sieben Phasen abläuft und was eine Management­bewertung als Führungsinstrument trägt, ist in eigenen Beiträgen beschrieben.

Rückwärtsplaner: Wann ist welcher Schritt fällig?

Wann welcher Schritt dran ist, entscheidet Ihr eigener Audittermin, kein allgemeiner Stichtag. Wählen Sie Jahr und Monat des geplanten Umstellungsaudits, dann rechnet der Planer rückwärts. Vier Schritte stehen unabhängig vom Termin sofort an. Liegt der Termin nah am Fristende, warnt der Planer. Der Planer setzt die vier Vorbereitungsschritte 8, 6, 4 und 2 Monate vor das Audit. Die Abstände sind Richtwerte für eine geordnete Planung, keine Vorgabe der Norm und keine Zusage einer Zertifizierungs­stelle.

Rückwärtsplaner Umstellungsaudit
Zielmonat wählen, Fahrplan ablesen. Rechnet ab dem heutigen Datum, funktioniert ohne Eingabe persönlicher Daten.
Schritt 1: Jahr des Umstellungsaudits
Schritt 2: Monat des Umstellungsaudits

Wählen Sie Jahr und Monat, dann erscheint hier Ihr Fahrplan: vier Schritte für sofort und fünf Termine rückwärts ab dem Umstellungsaudit.

Was in den nächsten Wochen zu tun ist

Drei Dinge können Sie sofort erledigen und keines dauert länger als einen Vormittag. Schreiben Sie die drei Daten Ihres Zertifikatszyklus auf. Schicken Sie Ihrer Zertifizierungs­stelle die Mail mit den drei Fragen. Schlagen Sie Ihre Kontextanalyse auf und prüfen Sie, ob der Klimabezug aus 2024 dort steht. Danach folgt die Gap-Analyse mit dem Normtext der Fassung 2026.

Für Reha-Einrichtungen kommt ein vierter Punkt hinzu. Fragen Sie beim herausgebenden Verband Ihres von der BAR anerkannten Verfahrens nach, ob eine an die Fassung 2026 angepasste Version geplant ist. Diese Auskunft brauchen Sie, bevor Sie einen Audittermin festmachen.

Häufige Fragen

Ist mein Zertifikat nach ISO 9001:2015 noch gültig?

Ja, bis zu seinem Ablaufdatum, längstens bis zum 30. September 2029. Das ändert sich erst mit dem eigenen Umstellungsaudit, nicht schon mit der Veröffentlichung vom 16. September 2026.

Wann läuft die Übergangsfrist für die ISO 9001:2026 ab?

Am 30. September 2029. Das hat der internationale Dachverband der Akkreditierungsstellen (Global ACI) am 4. September 2026 verbindlich festgelegt: Zertifikate nach ISO 9001:2015 gelten längstens bis zu diesem Tag, bis dahin muss die Umstellung in einem Audit bestätigt und das neue Zertifikat ausgestellt sein. Erstzertifizierungen werden nach dem 31. März 2028 nur noch nach ISO 9001:2026 erteilt.

Ab wann kann ich mich nach ISO 9001:2026 zertifizieren lassen?

Sobald Ihre Zertifizierungs­stelle ihre Akkreditierung auf die neue Fassung umgestellt hat. Die Akkreditierungsstellen müssen dafür spätestens bis zum 31. März 2027 bereit sein und bis zum 30. September 2027 über die Umstellung der Zertifizierungs­stellen entscheiden (Global ACI, 2026). Fragen Sie Ihre Zertifizierungs­stelle direkt, ab wann sie umstellen darf und in welches Ihrer regulären Audits sie den Wechsel legt.

Muss ich auf die deutsche Fassung der ISO 9001:2026 warten?

Nein. Die deutsche und europäische Fassung DIN EN ISO 9001:2026-11 ist seit Oktober 2026 bei DIN Media bestellbar. Mit dem deutschen Wortlaut können Sie die Gap-Analyse machen und danach die Verweise in Ihren Dokumenten anpassen.

Muss ein Pflegedienst auf die ISO 9001:2026 umstellen?

Aus dem Pflegerecht nicht, denn es verlangt ein internes Qualitäts­management nach den Maßstäben und Grundsätzen des § 113 SGB XI, aber keine Zertifizierung (§ 112 Abs. 2 SGB XI). Wer freiwillig zertifiziert ist, entscheidet selbst über Umstellung oder Ausstieg. Anders liegt es bei stationären Reha-Einrichtungen, für die die Zertifizierung Voraussetzung dafür ist, als geeignet zu gelten (§ 37 Abs. 3 SGB IX).

Was kostet die Umstellung auf die ISO 9001:2026?

Nicht unbedingt einen zusätzlichen Audittermin, denn der Wechsel lässt sich an ein ohnehin anstehendes Überwachungs- oder Rezertifizierungsaudit koppeln. Ob zusätzliche Auditzeit nötig ist, entscheidet die Zertifizierungs­stelle nach dem Umfang der Änderungen im System (Global ACI, 2026). Der eigentliche Aufwand liegt intern, bei Gap-Analyse, Anpassung einzelner Dokumente, internem Audit und Management­bewertung nach der neuen Fassung.

Zum Weiterlesen

Quellen

  1. DQS GmbH (2026): ISO 9001:2026, Änderungen, Zeitplan, Umstellung. dqsglobal.com
  2. DQS GmbH (2026): ISO 9001:2026 veröffentlicht, Presseaussendung vom 16.09.2026. ots.at
  3. DIN Media (2026): Revision der ISO 9001, Themenseite: ISO 9001:2026 am 16.09.2026 veröffentlicht, deutsche Fassung DIN EN ISO 9001:2026-11 bestellbar seit Oktober 2026. dinmedia.de, abgerufen am 03.11.2026.
  4. DIN Media (2026): DIN EN ISO 9001:2026-11, Qualitäts­management­systeme, Anforderungen, deutsche und englische Fassung, ersetzt DIN EN ISO 9001:2015-11. dinmedia.de, abgerufen am 03.11.2026.
  5. DIN Media (2024): DIN EN ISO 9001/A1:2024-11, Änderung zum Klimabezug in 4.1 und 4.2. dinmedia.de
  6. Global Accreditation Cooperation Incorporated (2026): Transition Requirements for ISO 9001:2026, Global ACI-TECH-3-TR 2029-09-30 (M), Version 1.0, Ausgabe 04.09.2026, anzuwenden ab 16.09.2026. sys.global-aci.org (PDF)
  7. BAR, Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation e.V. (2025): Liste der anerkannten QM-Verfahren, Stand 04.04.2025. bar-frankfurt.de (PDF)
  8. SGB IX, Paragraf 37 Absatz 3, Qualitäts­sicherung und Zertifizierung. sozialgesetzbuch-sgb.de
  9. SGB XI, Paragraf 112 Absatz 2, Qualitätsverantwortung, und Paragraf 113, Maßstäbe und Grundsätze zur Sicherung und Weiterentwicklung der Pflegequalität. gesetze-im-internet.de
  10. SGB VIII, Paragraf 79a, Qualitäts­entwicklung in der Kinder- und Jugendhilfe. gesetze-im-internet.de
  11. AZAV, Paragraf 2 Absatz 4, Anforderungen an das Qualitäts­sicherungssystem. gesetze-im-internet.de
  12. WEKA Media (2024): ISO Survey 2023, Auswertung der Zertifikatszahlen. weka.de

Stand aller Angaben: 18. September 2026. Übergangsfrist und Planer nach Global ACI ergänzt, Stand 24. September 2026. Angaben zur deutschen Fassung nachgeführt, Stand 3. November 2026.

Christian Monat

Externer Qualitätsmanagementbeauftragter aus Chemnitz. Berufserfahrung in Eingliederungshilfe, Sozialpsychiatrie und Suchthilfe, seit 2019 in Leitungsfunktionen. Mehr über mich

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Ich begleite Einrichtungen der Sozialen Arbeit und Pflege als externer Qualitätsmanagementbeauftragter: Gap-Analyse gegen die neue Fassung, Abstimmung mit der Zertifizierungsstelle, internes Audit und Managementbewertung rechtzeitig vor dem Umstellungstermin.

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