Das Wichtigste in Kürze
- Die Managementbewertung ist das Treffen, in dem die oberste Leitung das gesamte Qualitätsmanagement prüft und Entscheidungen trifft. Ein Bericht, den sie nur unterschreibt, reicht dafür nicht.
- Sie betrifft grundsätzlich jede Einrichtung mit einem zertifizierten Qualitätsmanagementsystem, unabhängig vom Arbeitsfeld.
- Ein fester Jahrestermin ist keine Pflicht der Qualitätsnorm selbst. Er stammt aus dem Prüfrhythmus der Zertifizierungsstellen und lässt sich durch kürzere Termine im Quartal ergänzen.
- Am Ende müssen drei Arten von Entscheidungen stehen: zu Verbesserungen, zu Änderungen am System und zum Ressourcenbedarf. Ein Protokoll ohne diese drei gilt im Audit nicht als Nachweis.
- Vergleichen Sie deshalb als Erstes die letzten beiden Protokolle: Tauchen die Maßnahmen von damals im aktuellen wieder auf und lag das interne Audit vor der Bewertung schon ausgewertet vor?
Managementbewertung (ISO 9001, Kapitel 9.3): die Bewertung des Qualitätsmanagementsystems durch die oberste Leitung selbst. Sie findet in geplanten Abständen statt, stützt sich auf die in Abschnitt 9.3.2 festgelegten Eingaben und beurteilt, ob das System weiterhin geeignet, angemessen und wirksam ist. Ihr Ergebnis sind Entscheidungen zu Verbesserungsmöglichkeiten, zum Änderungsbedarf am System und zum Ressourcenbedarf. Als Nachweis ist dokumentierte Information aufzubewahren. Eine Berichterstattung des Qualitätsmanagements an sich selbst erfüllt diese Anforderung nicht.
Was ist das Problem mit diesem Protokoll?
Bei der Vorbereitung auf ein Zertifizierungsaudit liegt das Protokoll der letzten Managementbewertung früh auf dem Tisch. Es kann ordentlich aussehen: vier Seiten, eine Tabelle mit Kennzahlen, am Ende der Satz, das Qualitätsmanagementsystem sei weiterhin geeignet, angemessen und wirksam. Ob sich dem Papier entnehmen lässt, wer im Raum saß und welche Entscheidung gefallen ist, zeigt erst der Blick hinein. Hat die oder der Qualitätsmanagementbeauftragte das Protokoll allein geschrieben und die Geschäftsführung nur gelesen und unterschrieben, liegt formal eine Managementbewertung vor. Gesteuert hat sie nichts, weil niemand in dieser Runde etwas entschieden hat.
Eine Ursache kann darin liegen, wie der Termin überhaupt zustande kommt: im Dezember, weil das Zertifikat im Frühjahr fällig ist, und in einer Stunde, weil an diesem Tag andere Themen drängen. Wer so in eine Sitzung geht, bekommt eine Rückschau statt eines Urteils mit Entscheidungen. Im Audit wird das sichtbar, sobald dieselbe Maßnahme in zwei Protokollen ohne Termin und ohne verantwortliche Person wieder auftaucht. Die Abweichung betrifft dann nicht mehr nur die Maßnahme, sondern die Bewertung selbst.
Ein Protokoll ohne Entscheidung ist kein Nachweis der Managementbewertung. Es ist der Nachweis, dass sie nicht stattgefunden hat.
Was verlangt Kapitel 9.3 der Norm tatsächlich?
Abschnitt 9.3.1 weist die Bewertung ausdrücklich der obersten Leitung zu und verlangt sie in geplanten Abständen, ohne dafür einen festen Rhythmus vorzugeben. Geprüft werden soll, ob das System weiterhin geeignet, angemessen und wirksam ist, gemessen an der strategischen Ausrichtung der Einrichtung. Das ist mehr als ein Blick zurück, denn die Leitung soll auch beurteilen, ob das System zu dem passt, wohin sich die Einrichtung entwickelt.
Womit genau zu bewerten ist, legt Abschnitt 9.3.2 fest. Die folgenden sechs Eingaben sind Pflichtprogramm, keine Anregung, und jede fehlende Eingabe ist im Audit ein eigener Befund:
- Status der Maßnahmen aus der letzten Bewertung
- Veränderungen bei externen und internen Themen, die das System betreffen
- Informationen über Leistung und Wirksamkeit des Systems, darunter Kundenzufriedenheit und Rückmeldungen relevanter interessierter Parteien, Zielerreichung, Prozessleistung, Nichtkonformitäten und Korrekturmaßnahmen, Überwachungs- und Messergebnisse, Auditergebnisse sowie die Leistung externer Anbieter
- Angemessenheit der Ressourcen
- Wirksamkeit der Maßnahmen zu Risiken und Chancen
- Möglichkeiten zur Verbesserung
Abschnitt 9.3.3 schließt den Kreis: Als Ergebnis verlangt die Norm Entscheidungen zu Verbesserungsmöglichkeiten, zum Änderungsbedarf am Qualitätsmanagementsystem und zum Ressourcenbedarf, dazu dokumentierte Information als Nachweis. Drei Entscheidungsarten also, nicht nur eine allgemeine Einschätzung.
Leicht übersehen werden Rückmeldungen von außen: Kostenträger, Heimaufsicht, der Medizinische Dienst, der im Auftrag der Pflegekassen prüft, die Agentur für Arbeit, Betreuungsbehörden, Kooperationspartner. Das sind Parteien mit einem eigenen Interesse an der Einrichtung, ohne selbst dazuzugehören. Ihre Prüfberichte liegen zwar im Haus, gehören als Rückmeldung interessierter Parteien aber auf den Tisch der Bewertung.
Beispiel
Angenommen, der Medizinische Dienst hat im Frühjahr einen Prüfbericht mit einer Auffälligkeit geschickt und die Einrichtung hat die Auffälligkeit im Alltag längst behoben. Fließt der Bericht trotzdem nicht in die Managementbewertung ein, fehlt formal eine Pflichteingabe, ganz unabhängig davon, ob das Problem selbst gelöst ist.
Stand zur ISO 9001:2026
Die ISO 9001:2026 ist am 16.09.2026 erschienen. Die deutsche Fassung DIN EN ISO 9001:2026-11 ist laut DIN Media seit Oktober 2026 bestellbar. Kapitel 9.3 bleibt dem Grunde nach bestehen, Abschnitt 9.3.2 wird aber strenger gefasst: Die Bewertung muss die Eingaben enthalten, statt sie nur zu berücksichtigen. Als neue Eingabe kommen Veränderungen bei den Erfordernissen und Erwartungen interessierter Parteien hinzu, soweit sie das Qualitätsmanagementsystem betreffen. So steht es in der Änderungsübersicht der Global ACI, des internationalen Zusammenschlusses der Akkreditierungsstellen (Global ACI-TECH-3-TR 2029-09-30).
Verschärft wurden außerdem die Anforderungen an die oberste Leitung, etwa zu Qualitätskultur und ethischem Verhalten (BSI 2026). Die Übergangsfrist ist verbindlich festgelegt: Zertifikate nach ISO 9001:2015 gelten längstens bis zum 30.09.2029. Mehr dazu im Beitrag zur Revision der ISO 9001.
Muss die Bewertung einmal im Jahr stattfinden?
Die Norm verlangt die Bewertung in geplanten Abständen, nicht ausdrücklich einmal jährlich. Die Deutsche Gesellschaft für Qualität, ein Fachverband für Qualitätsmanagement in Deutschland, empfiehlt sogar, vierteljährlich zu bewerten, sobald dafür ein eigenes Verfahren in der Einrichtung entwickelt ist (DGQ 2018).
Der Jahresrhythmus kommt aus einer anderen Ecke: Zertifizierungsstellen prüfen Einrichtungen unabhängig und entscheiden über das Zertifikat. Sie kontrollieren die Bewertung in jedem Überwachungsaudit und diese Audits laufen jährlich. Für Bildungsträger gilt ein ähnlicher Rhythmus über eine andere Aufsicht. Sie sind nach der AZAV zugelassen, der Verordnung für geförderte Arbeitsmarktmaßnahmen, und werden von einer fachkundigen Stelle kontrolliert. Diese Stelle muss die wirksame Anwendung des Systems jährlich überprüfen (§ 181 Absatz 5 SGB III). Das ist also ein Prüfrhythmus der Aufsicht, kein Bewertungsrhythmus der Norm selbst.
| Regelwerk (Stand) | Was verlangt wird | Intervall | Verbindlichkeit |
|---|---|---|---|
| ISO 9001, Abschnitt 9.3 (2026) | Bewertung des Systems durch die oberste Leitung, mit festgelegten Eingaben und Entscheidungen | „in geplanten Abständen“, ohne Frist | Norm, Grundlage jeder Zertifizierung |
| Maßstäbe und Grundsätze nach § 113 SGB XI (2023, ambulant seit 01.07.2026) | Verantwortung der Leitung für das Qualitätsmanagement, ständige Überprüfung der Wirkung interner Maßnahmen | keines genannt | Vereinbarung, Grundlage der Qualitätsprüfung |
| § 181 Absatz 5 Satz 2 in Verbindung mit § 177 Absatz 3 Satz 3 SGB III und Empfehlungen des Beirats nach § 182 SGB III (17.06.2026) | Überprüfung der wirksamen Anwendung des QM-Systems, Verfahren zur Überprüfung von Qualitätspolitik und Zielen | jährlich | Gesetz, konkretisiert durch die Empfehlungen des Beirats bei der Bundesagentur für Arbeit als Maßstab der fachkundigen Stellen |
| § 128 SGB IX (2026) | Prüfung von Wirtschaftlichkeit und Qualität einschließlich der Wirksamkeit durch den Kostenträger der Eingliederungshilfe, wenn tatsächliche Anhaltspunkte für eine Pflichtverletzung bestehen; Landesrecht kann auch Prüfungen ohne Anlass zulassen | keines, anlassbezogen, kein QM-System gefordert | Gesetz, ergänzt durch Landesrahmenverträge |
Stand 24.09.2026. Landesrahmenverträge und Vereinbarungen mit dem Kostenträger können weitergehende Anforderungen enthalten.
Praktisch heißt das: Der Jahrestermin bleibt, weil der Auditzyklus ihn verlangt, trägt aber nur bei unterjähriger Bewertung. Vier kurze Durchgänge in der ohnehin stattfindenden Leitungsrunde mit je zwei, drei Eingaben genügen. Die Jahressitzung konzentriert sich dann auf Trends und Grundsatzentscheidungen.
Warum bleibt das Protokoll wirkungslos?
Wenn eine Managementbewertung nichts bewegt, kann das an einer Kette aus mehreren kleinen Versäumnissen liegen. Die folgende Checkliste ordnet fünfzehn solcher Ursachen fünf Gruppen zu, von den fehlenden Eingaben bis zum lückenhaften Ergebnis. Zu jeder Ursache steht, woran man sie im eigenen Protokoll erkennt und was dagegen hilft. Legen Sie das letzte Protokoll daneben und haken Sie ab, was zutrifft.
Checkliste: Woran eine wirkungslose Managementbewertung im Protokoll zu erkennen ist
| Ursache | Woran man es im Protokoll erkennt | Was dagegen hilft |
|---|---|---|
| Gruppe A: Eingaben | ||
| Die internen Audits sind nicht ausgewertet | Das Protokoll der Bewertung trägt ein früheres Datum als der interne Auditbericht, oder die Auditergebnisse stehen im Text als „folgt“. | Auditergebnisse sind Pflichteingabe nach 9.3.2. Legen Sie den Auditplan so, dass die Auswertung mindestens vier Wochen vor der Bewertung vorliegt. |
| Rückmeldungen kommen nur von Bewohnern und Angehörigen | Unter Kundenzufriedenheit steht eine Befragung, sonst nichts. Prüfberichte von Kostenträgern oder Aufsichtsbehörden tauchen nirgends auf. | Die Norm verlangt Rückmeldungen relevanter interessierter Parteien. Sammeln Sie Prüfberichte von Kostenträgern, Heimaufsicht, Medizinischem Dienst, fachkundiger Stelle, Betreuungsbehörden und Kooperationspartnern ein. |
| Fehler- und Risikomeldungen bleiben draußen | Das Beschwerde- und Fehlermeldesystem läuft, seine Auswertung erscheint in der Bewertung aber nicht. | Genau dort liegt die Information, wegen der die Leitung bewerten soll. Nehmen Sie Meldungen, Beinahe-Ereignisse und Beschwerden verdichtet auf, mit Verlauf über das Jahr. |
| Gruppe B: Zeitpunkt | ||
| Der Termin liegt fest im Dezember | Jede Bewertung der letzten Jahre datiert auf Dezember, meist in der Woche des Jahresabschlusses. | Die Norm verlangt geplante Abstände, kein Kalenderjahr. Ein kurzer Durchgang je Quartal in der bestehenden Leitungsrunde erfüllt die Anforderung besser und kostet insgesamt weniger Zeit. |
| Die Zahlen sind älter als die Entscheidung | Kennzahlen aus dem ersten Quartal werden im Dezember bewertet. Die Lage hat sich längst gedreht, die Entscheidung kommt zu spät. | Bewerten Sie Kennzahlen unterjährig und konzentrieren Sie die Jahressitzung auf Trends, Systemänderungen und Ressourcen. |
| Die Sitzung dauert eine Stunde | Auf der Tagesordnung steht die Bewertung als letzter Punkt nach sieben anderen. Diskutiert wird der Bericht, nicht das System. | Setzen Sie einen eigenen Termin mit halbem Tag an oder verteilen Sie die Eingaben auf vier Quartalsrunden mit jeweils zwanzig Minuten. |
| Gruppe C: Beteiligte | ||
| Das Qualitätsmanagement bewertet, die Leitung unterschreibt | Im Protokoll steht die Einschätzung der QM-Beauftragten. Eine Entscheidung der Leitung steht nirgends. | Abschnitt 9.3.1 weist die Bewertung der obersten Leitung zu. Das QM bereitet auf und moderiert, die Deutung und die Entscheidung bleiben bei der Leitung. |
| Standorte und Dienste kommen nicht vor | Ein Protokoll für den Gesamtträger, ohne Zahlen je Einrichtung. Bei der Mehrstandortzertifizierung fragt der Auditor genau danach. | Weisen Sie Kennzahlen je Standort und Dienst aus und benennen Sie, wo sie auseinanderlaufen. Darin liegt der eigentliche Steuerungsgewinn für den Träger. |
| Gruppe D: Bearbeitung | ||
| Kennzahlen werden aufgezählt, nicht gedeutet | Eine Tabelle ohne Vorjahreswert, ohne Zielwert und ohne einen Satz dazu, was daraus folgt. | Zu jeder Zahl drei Angaben: Vorjahr, Ziel, Deutung. Die Frage lautet nicht, wie es war, sondern was daraus folgt. |
| Verfahren laufen getrennt nebeneinander | ISO-Managementbewertung und die sektorspezifische Prüfung, etwa nach § 113 SGB XI oder durch die fachkundige Stelle nach AZAV, werden getrennt dokumentiert, mit eigenen Terminen. | Legen Sie Termine und Kennzahlen zusammen. Ein Termin, ein Protokoll, statt paralleler Nachweise. |
| Risiken und Chancen fehlen | Die Risikoliste wird gepflegt, in der Bewertung steht dazu nichts. | Die Wirksamkeit der Maßnahmen zu Risiken und Chancen ist eigene Pflichteingabe. Die ISO 9001:2026 führt die Maßnahmen zu Risiken und zu Chancen in getrennten Abschnitten (6.1.2 und 6.1.3), Chancen laufen also nicht mehr nebenbei. |
| Gruppe E: Ergebnis | ||
| Die drei Entscheidungsarten fehlen | Am Ende steht ein Fazit, aber keine Entscheidung zu Verbesserung, Systemänderung und Ressourcen. | Abschnitt 9.3.3 nennt genau diese drei. Drei Zwischenüberschriften im Protokoll, darunter jeweils mindestens eine Entscheidung mit Begründung. |
| „Ressourcenbedarf: keiner“ | Der Satz steht in einem Haus mit unbesetzten Stellen, hohen Ausfallzeiten und aufgeschobenen Schulungen. | Wenn wirklich kein Bedarf besteht, gehört die Begründung dazu. Sonst ist der Satz eine Einladung zur Nachfrage und die führt selten dorthin, wo Sie sie haben wollen. |
| Maßnahmen ohne Name, Termin und Prüfkriterium | Im Folgejahr steht unter dem Status der Maßnahmen aus der letzten Bewertung das Wort laufend, oder gar nichts. | Jede Maßnahme bekommt eine verantwortliche Person, ein Datum und die Angabe, woran die Erledigung erkennbar sein wird. Der Punkt ist über den Vergleich zweier Protokolle in zwei Minuten prüfbar. |
| Der Nachweis ist keiner | Eine Datei ohne Datum, ohne Teilnehmerliste, ohne Freigabe, womöglich mit dem Vermerk Entwurf. | Die Norm verlangt dokumentierte Information als Nachweis. Datum, Teilnehmer, Freigabe und geregelte Ablage gehören zum Protokoll wie der Inhalt. |
Die Zuordnung stützt sich auf ISO 9001, Abschnitt 9.3, und auf ISO/IEC 17021-1, Abschnitt 9, der die Prüfung der Managementbewertung im Zertifizierungsverfahren regelt. Stand 24.09.2026.
Wie läuft die Bewertung in sieben Schritten ab?
Die vorigen Abschnitte haben die Anforderungen der Norm einzeln erklärt. Die folgenden sieben Schritte bringen sie in eine Reihenfolge, mit der sich eine Managementbewertung im Alltag tatsächlich planen und durchführen lässt.
Setzen Sie den Termin richtig
Die Bewertung gehört hinter das ausgewertete interne Audit und mindestens vier Wochen vor das Zertifizierungsaudit. Prüfen Sie zugleich, ob ein Quartalsrhythmus besser passt als ein Jahrestermin.
Sammeln Sie die Eingaben ein, auch die von außen
Zu den eigenen Daten kommen Prüfberichte der Kostenträger, der Heimaufsicht, des Medizinischen Dienstes und der fachkundigen Stelle, dazu Rückmeldungen von Betreuungsbehörden und Kooperationspartnern.
Versehen Sie jede Zahl mit Vorjahr, Ziel und Deutung
Eine Kennzahl ohne Vergleichswert sagt wenig. Bei mehreren Einrichtungen weisen Sie die Zahlen je Standort und Dienst aus, denn genau das prüft der Auditor bei einer Mehrstandortzertifizierung.
Lassen Sie die Leitung bewerten
Das Qualitätsmanagement stellt die Eingaben zusammen und moderiert die Sitzung, das Urteil selbst bleibt bei der obersten Leitung. Als typischen Fehler nennt die DGQ, dass die Verantwortlichen für das Qualitätsmanagement diese Bewertung vorwegnehmen, statt sie der Leitung zu überlassen.
Treffen und benennen Sie drei Entscheidungen
Verbesserungsmöglichkeiten, Änderungsbedarf am System, Ressourcenbedarf: Notieren Sie zu jedem der drei Punkte eine eigene Zwischenüberschrift im Protokoll, darunter jeweils mindestens eine Entscheidung mit Begründung. Genau das unterscheidet die Bewertung von einem bloßen Bericht.
Versehen Sie Maßnahmen mit Name, Termin und Prüfkriterium
Fehlen diese drei Angaben, steht im Folgejahr unter dem Status der Maßnahmen nur das Wort laufend und das lässt sich durch den Vergleich zweier Protokolle in zwei Minuten aufdecken.
Verzahnen Sie die Bewertung mit der sektorspezifischen Prüfung
Nutzen Sie in der Pflege die ständige Überprüfung der Wirkung interner Maßnahmen nach den Maßstäben und Grundsätzen gemäß § 113 SGB XI direkt als Eingabe nach Abschnitt 9.3.2. Bei Bildungsträgern nach AZAV gilt das Gleiche für die jährliche Überprüfung durch die fachkundige Stelle. So entstehen ein Termin und ein Protokoll, statt eines separaten Verfahrens nebenher.
Für die Eingliederungshilfe
Eine gesetzliche Pflicht zur Managementbewertung gibt es dort nicht. § 128 SGB IX regelt zwar die Prüfung von Qualität und Wirksamkeit der Leistungen durch den Kostenträger, aber nur bei tatsächlichen Anhaltspunkten für eine Pflichtverletzung, soweit das Landesrecht nichts anderes bestimmt. Feste Intervalle und Anforderungen an ein QM-System enthält die Vorschrift nicht. Wird trotzdem eine Managementbewertung geführt, folgt das aus der Zertifizierung oder dem Landesrahmenvertrag, nicht aus dem SGB IX selbst.
Woran erkennt der Auditor, ob es ernst gemeint war?
Die Managementbewertung ist im Zertifizierungsverfahren kein Nebenschauplatz, sondern fester Prüfpunkt in jeder Auditstufe. Die internationale Regel, nach der Zertifizierungsstellen selbst arbeiten, sieht sie an vier Stellen im Verfahren vor:
- Im ersten Auditschritt wird geprüft, ob interne Audits und Managementbewertungen geplant und durchgeführt werden.
- Im zweiten Auditschritt, der zur Zertifikatsentscheidung führt, wird beides noch einmal umfassend geprüft.
- In jedem folgenden Überwachungsaudit wird das erneut kontrolliert.
- Der Auditbericht selbst muss die Nachweise dazu zusammenfassen.
Die genauen Fundstellen dieser Regel stehen in der Quellenliste. Aufschlussreicher als der Text des Protokolls ist die Spur, die er hinterlässt. Auf vier Spuren lohnt der Blick, auch im internen Audit als Generalprobe vor dem Zertifizierungsaudit.
Die Datumsfolge
Trägt das Protokoll ein früheres Datum als der interne Auditbericht, war eine Pflichteingabe nicht vorhanden. Das ist in zehn Sekunden erkennbar und nachträglich nicht zu erklären.
Der Vergleich zweier Protokolle
Was im Vorjahr beschlossen wurde, muss im Folgejahr unter dem Status der Maßnahmen wieder auftauchen, mit Ergebnis. Zwei Dateien nebeneinander zeigen, ob das System einen Kreislauf bildet oder jedes Jahr neu beginnt.
Die Teilnehmerliste
Steht die oberste Leitung nicht auf der Liste, fehlt der Nachweis ihrer Bewertung. Bei mehreren Einrichtungen achtet der Auditor zusätzlich darauf, ob die Standorte vertreten waren.
Der Satz zu den Ressourcen
„Ressourcenbedarf: keiner“ ist in einem Haus mit unbesetzten Stellen und hohen Ausfallzeiten kein glaubwürdiges Ergebnis. Der Satz provoziert Nachfragen und die führen genau zu den Themen, die ohnehin in die Bewertung gehört hätten.
Beispiel
Angenommen, eine Einrichtung hat seit Monaten zwei unbesetzte Pflegefachkraftstellen und hohe krankheitsbedingte Ausfallzeiten, im Protokoll steht trotzdem „Ressourcenbedarf: keiner“. Die Angemessenheit der Ressourcen gehört nach ISO 9001 zu den Eingaben der Managementbewertung. Eine Nachfrage im Audit liegt deshalb nahe und eine überzeugende Antwort fällt schwer, wenn der Satz nicht begründet ist.
Die Norm verlangt kein schönes Protokoll, sondern ein Urteil und drei Arten von Entscheidungen. Fehlende Eingaben sind ein Mangel, fehlende Entscheidungen ein größerer. Bei Maßnahmen ohne Namen und Termin belegen zwei Dateien: Nichts ist passiert.
Was in den nächsten Wochen zu tun ist
Aus den vorigen Abschnitten lassen sich drei Prüfschritte ableiten, die sich innerhalb weniger Wochen erledigen lassen. Legen Sie zuerst die letzten beiden Protokolle nebeneinander und suchen Sie die Maßnahmen des vorletzten im letzten. Finden Sie sie dort nicht, haben Sie den ersten Befund, bevor ihn jemand anderes findet. Prüfen Sie zweitens die Datumsfolge von internem Audit und Bewertung und schreiben Sie drittens drei Zwischenüberschriften in die Vorlage für die nächste Sitzung: Verbesserung, Änderungsbedarf am System, Ressourcen. Diese drei Zeilen allein verändern bereits den Verlauf der nächsten Sitzung.
Wer ohnehin die Umstellung auf die ISO 9001:2026 plant, hängt die Bewertung am besten dort gleich mit ein. In der Übergangszeit lassen sich Termine, Vorlagen und Zuständigkeiten leichter neu setzen als mitten im laufenden Jahr.
Häufige Fragen
Wie oft muss eine Managementbewertung gemacht werden?
Die ISO 9001 verlangt in Abschnitt 9.3.1 die Bewertung in geplanten Abständen, eine Jahresfrist steht nicht in der Norm. Der Jahresrhythmus stammt aus dem Auditzyklus der Zertifizierungsstellen und, bei AZAV-Trägern, aus der jährlichen Überprüfung durch die fachkundige Stelle. Die DGQ empfiehlt vierteljährliche Bewertung in bestehenden Leitungssitzungen (2018).
Wer schreibt die Managementbewertung, Geschäftsführung oder QMB?
Schreiben darf die QM-Beauftragte, bewerten muss laut Abschnitt 9.3.1 die oberste Leitung. Sinnvoll ist eine klare Teilung: Das Qualitätsmanagement stellt zusammen und moderiert, die Leitung deutet, entscheidet und gibt frei.
Was ist der Unterschied zwischen internem Audit und Managementbewertung?
Das interne Audit nach Kapitel 9.2 prüft einzelne Bereiche und liefert Befunde. Die Managementbewertung nach Kapitel 9.3 bewertet das System als Ganzes und trifft Entscheidungen. Die Auditergebnisse sind Pflichteingabe der Bewertung, das Audit muss also vorher ausgewertet sein.
Muss ein AZAV-Träger eine Managementbewertung machen?
Die AZAV nennt den Begriff nicht, verlangt aber in § 2 Absatz 4 Dokumentation zur Unternehmensführung, eigene Prüfungen der Funktionsweise des Unternehmens und Zielvereinbarungen mit Messung der Zielerreichung. Die fachkundige Stelle überprüft die wirksame Anwendung des QM-Systems eines Trägers nach § 181 Absatz 5 Satz 2 in Verbindung mit § 177 Absatz 3 Satz 3 SGB III in jährlichen Abständen. Auch die Empfehlungen des Beirats bei der Bundesagentur für Arbeit nach § 182 SGB III (Stand 17.06.2026) nennen das für die Fachbereiche Aktivierung und berufliche Eingliederung sowie berufliche Weiterbildung. Wer nur alle zwei Jahre dokumentiert, hat für das Zwischenjahr keinen Nachweis.
Reicht die interne Qualitätsprüfung nach § 113 SGB XI als Managementbewertung?
Sie kann Eingaben liefern, die Bewertung selbst ersetzt sie nicht. § 113 SGB XI verpflichtet die Leitung zur ständigen Überprüfung der Wirkung interner Maßnahmen und deckt damit einen Teil der Eingaben nach Abschnitt 9.3.2 ab. Die drei Entscheidungsarten nach Abschnitt 9.3.3 bleiben trotzdem eigens zu treffen und zu dokumentieren.
Zum Weiterlesen
- Internes Audit im Sozialwesen: Von der Pflichtübung zum echten SteuerungsinstrumentDas ausgewertete interne Audit gehört vor die Bewertung, der Leitfaden zeigt, wie ein Audit zum Führungsinstrument wird.
- Kennzahlen, die etwas über Wirkung sagen: ein schlankes Set für Träger der Sozialen Arbeit und PflegeWelche wenigen Kennzahlen die Managementbewertung tragen und etwas über Wirkung sagen, mit Steckbrief.
- Leistung: Laufende Begleitung als externer QMBIn Stufe 2 der laufenden Begleitung ist die Vorbereitung der Managementbewertung enthalten.
Quellen
- DIN Media: ISO 9001:2026-09 und Themenseite zur Revision (2026), dazu DIN EN ISO 9001:2026-11, bestellbar seit Oktober 2026, Produktseite und Themenseite abgerufen am 03.11.2026.
- BSI Group Deutschland: ISO 9001:2026, wesentliche Änderungen (2026).
- Global Accreditation Cooperation Incorporated: Transition Requirements for ISO 9001:2026, Global ACI-TECH-3-TR 2029-09-30 (M), Ausgabe 04.09.2026, Änderungsübersicht in Abschnitt 3.1, Fristen in Abschnitt 4.
- Deutsche Gesellschaft für Qualität: Fünf Tipps zur Managementbewertung (2018).
- International Accreditation Service: ISO/IEC 17021-1:2015, Abschnitt 9 (2021), dort 9.3.1.2.2 g), 9.3.1.3 e), 9.4.8.3 a), 9.6.2.2 a).
- GKV-Spitzenverband: Maßstäbe und Grundsätze nach § 113 SGB XI (2023), dazu die Änderungen für die ambulante Pflege zum 01.07.2026.
- Bundesagentur für Arbeit: Empfehlungen des Beirats nach § 182 SGB III (17.06.2026), dazu § 2 AZAV, § 5 Absatz 1 AZAV, § 177 Absatz 3 SGB III, § 181 Absatz 5 SGB III und § 128 Absatz 1 SGB IX, Gesetzestexte abgerufen am 03.11.2026.
Hinweis
Dieser Beitrag gibt den Stand vom 24.09.2026 wieder (Angaben zur deutschen Fassung der ISO 9001: 03.11.2026) und ist eine fachliche Einordnung, keine Rechtsberatung. Die Änderungen im Kasten zur ISO 9001:2026 folgen der Änderungsübersicht der Global ACI. Den Wortlaut von Abschnitt 9.3 gibt es neben der englischen Ausgabe seit Oktober 2026 in der deutschen Fassung DIN EN ISO 9001:2026-11.
Christian Monat
Externer Qualitätsmanagementbeauftragter aus Chemnitz. Berufserfahrung in Eingliederungshilfe, Sozialpsychiatrie und Suchthilfe, seit 2019 in Leitungsfunktionen. Mehr über mich


