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Migrationssozialarbeit in Brandenburg: Standards nach Anlage 4 LAufnGDV

Wer Migrationssozialarbeit anbietet oder eine Gemeinschaftsunterkunft betreibt, muss ein festes Pflichtenprogramm erfüllen, von der Konzeption bis zur Qualitätssicherung. Diese Standards stehen nicht im Landesaufnahmegesetz selbst, sondern in dessen Durchführungsverordnung.

  • Christian Monat
  • ca. 13 Min. Lesezeit
Zwei Frauen sitzen auf einem gelben Sofa und besprechen Unterlagen, eine von ihnen trägt eine Brille.

Das Wichtigste in Kürze

  • Zum Pflichtenprogramm gehören unter anderem das Umsetzungskonzept, die Qualifikation des Personals und die Erreichbarkeit für die Bewohnerschaft.
  • Diese Standards stehen nicht im Landesaufnahmegesetz selbst, sondern in der dazugehörigen Durchführungsverordnung, die seit ihrer letzten Änderung 2024 unverändert gilt.
  • Für die Migrationssozialarbeit im laufenden Asylverfahren gilt eine feste Rechengröße: eine volle Personalstelle für 80 aufgenommene Personen.
  • Für Menschen mit anerkanntem Schutzstatus gilt diese Rechnung nicht. Dort erstattet das Land Pauschalen für landesweit bis zu 174 Stellen. Verteilt werden sie nach dem Anteil der Landkreise und kreisfreien Städte an den Neuzugängen von SGB-II-Regelleistungsberechtigten aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern der Jahre 2022 bis 2024 (§ 14 Absatz 3a LAufnG). Die freiwillige Leistung ist derzeit bis 31. Dezember 2026 befristet (§ 12 Absatz 1a LAufnG).
  • Wer die eigene Aufstellung jetzt entlang der zehn Qualitätsstandards ordnet, muss bei der nächsten Rückmeldung an die Kommune nicht mehr suchen, sondern nur noch vorlegen.

Migrationssozialarbeit als unterbringungsnahe Unterstützung: alltagsnahe Begleitung in oder bei der Unterkunft, etwa Beratung zu Aufnahme- und Verwaltungsabläufen oder Auszugsbegleitung (Anlage 4 Nummer 2.1 der Landesaufnahmegesetz-Durchführungsverordnung, kurz LAufnGDV).

Migrationssozialarbeit als Fachberatungsdienst: regional zugängliche, zielgruppen- und fachspezifische Angebote, etwa Härtefallberatung oder Vernetzung (Anlage 4 Nummer 2.2 LAufnGDV).

Umsetzungskonzept: das von den Kommunen zu erstellende Konzept zu Struktur, Organisation sowie Personal- und Sachkosteneinsatz der Migrationssozialarbeit (§ 15 Absatz 1 LAufnGDV).

Wo stehen die Vorgaben für die Migrationssozialarbeit?

Die Pflicht zur Migrationssozialarbeit selbst steht im Landesaufnahmegesetz, in § 12 LAufnG. Er bindet die Landkreise und kreisfreien Städte, erlaubt ihnen aber auch, die Aufgabe auf geeignete Dritte zu übertragen. Das Nähere dazu überlässt das Gesetz einer eigenen Rechtsverordnung. Wer die konkreten Standards sucht, findet sie deshalb nicht im Gesetz selbst, sondern in dieser Durchführungsverordnung.

Diese Landesaufnahmegesetz-Durchführungsverordnung (LAufnGDV) konkretisiert die Vorgabe in ihrem § 15. Absatz 1 verlangt von der zuständigen Kommune ein Umsetzungskonzept. Absatz 3 verlangt für Beschäftigte mit Kontakt zu Minderjährigen ein Führungszeugnis. Absatz 4 verweist für alle weiteren Anforderungen auf Anlage 4, das eigentliche Herzstück der Verordnung.

Für die tägliche Arbeit heißt das: Fragen zur Qualifikation des Personals, zur Erreichbarkeit oder zur eigenen Qualitäts­sicherung beantwortet § 15 nicht selbst. Die Antworten stehen im Text der Anlage 4, auf die der Paragraf nur verweist.

Beide Vorschriften ändern sich unterschiedlich schnell. Das Landesaufnahmegesetz wurde zuletzt am 18. Dezember 2025 geändert (GVBl. I/25 Nr. 31), diese Novelle betraf andere Regelungsbereiche. Die hier beschriebenen Standards stehen dagegen in der Durchführungsverordnung, die seit ihrer letzten Änderung am 1. Februar 2024 (GVBl. II/24 Nr. 10) unverändert gilt. Wer die aktuellen Standards der Migrationssozialarbeit sucht, braucht also die Durchführungsverordnung, nicht den Gesetzestext.

Davon zu trennen sind die baulichen Mindestbedingungen für den Betrieb einer Gemeinschaftsunterkunft. § 9 Absatz 5 LAufnGDV verlangt mit Anlage 3 unter anderem nach Geschlechtern getrennt nutzbare Sanitärräume und von innen abschließbare Wohn- und Schlafräume. Das ist eine eigene Betreiberpflicht, unabhängig von der Migrationssozialarbeit. Erst § 9 Absatz 6 verpflichtet den Betreiber zusätzlich, der Bewohnerschaft die unterbringungsnahe Unterstützung nach Abschnitt 3 und Anlage 4 zugänglich zu machen.

Wer beide Pflichtenkreise vermischt, übersieht leicht die Hälfte der Anforderungen. Für die eigene Nachweisführung heißt das: Die baulichen Anforderungen gehören in die Gebäude- und Betriebsdokumentation. Die Standards der Migrationssozialarbeit dagegen gehören in das Umsetzungskonzept und die Personalakte.

Beispiel

Angenommen, eine Rückfrage des Aufgabenträgers bemängelt fehlende Nachweise zur Migrationssozialarbeit. Verweist die Einrichtung dann nur auf die baulichen Unterlagen zur Gemeinschaftsunterkunft, bleibt die eigentliche Frage offen. Erst das Umsetzungskonzept und die Personalakte beantworten sie.

Was regelt das Umsetzungskonzept?

Anlage 4 gliedert sich in drei Teile: organisatorische Anforderungen (Nummer 1), die Zuordnung der Aufgaben (Nummer 2) und Qualitätsstandards für die Aufgabenwahrnehmung (Nummer 3). Den Ausgangspunkt bildet Nummer 1.1: Der Aufgabenträger, also die zuständige Kommune, muss ein Umsetzungskonzept mit Festlegungen zu Struktur, Organisation sowie Personal- und Sachkosteneinsatz erstellen, einschließlich spezialisierter Fachdienste, etwa für Gewaltbetroffene.

Ein Träger stützt seine eigene Aufgabenwahrnehmung auf dieses Konzept und sollte es deshalb kennen, auch wenn er es nicht selbst erstellt. Weicht die eigene Praxis erkennbar davon ab, lohnt sich das Gespräch mit dem Aufgabenträger frühzeitig. Wer das aufschiebt, riskiert, dass eine Prüfung diese Lücke zuerst entdeckt, und muss dann unter Zeitdruck nachliefern, was sich vorher in Ruhe hätte klären lassen.

Nummer 1.2 verlangt außerdem, das Aufgabenspektrum sachgerecht auf zwei Organisationsformen zu verteilen: die unterbringungsnahe Unterstützung und den Fachberatungsdienst.

Wird die Aufgabe an einen freien Träger übertragen, kommt eine eigene Vorschrift dazu. § 14 LAufnGDV regelt das Verfahren im Einzelnen: ein öffentlich-rechtliches Auftragsverhältnis mit Vereinbarungen zu Leistung, Qualität, Entgelt und Datenschutz. Dabei bleibt der Versorgungsgrad der Erstattungsverordnung maßgeblich, also die weiter unten näher erklärte Personalbemessung.

Im Vergleich zeigt sich deutlicher, was die beiden Organisationsformen tatsächlich unterscheidet.

Vergleich der beiden strukturellen Organisationsformen der Migrationssozialarbeit nach Anlage 4 LAufnGDV
MerkmalUnterbringungsnahe UnterstützungFachberatungsdienst
AnsatzpunktIn oder bei der Unterkunft, alltagsnahRegional zugänglich, trägerübergreifend
AdressiertAlle Bewohnerinnen und Bewohner der EinrichtungZielgruppen-, fach- oder problemspezifische Bedarfe
BeispieleBeratung zu Aufnahme- und Verwaltungsabläufen, Auszugsbegleitung, niedrigschwelliges BeschwerdemanagementHärtefallberatung nach der Härtefallkommissionsverordnung, Vernetzung, Öffentlichkeitsarbeit
RechtsgrundlageAnlage 4 Nummer 2.1.1 bis 2.1.11 LAufnGDVAnlage 4 Nummer 2.2.1 bis 2.2.4 LAufnGDV
Personalschlüssel1 Stelle je 80 aufgenommene Personen (Anlage 2 Nummer 2 LAufnGErstV)Keine einheitliche Bemessungsgrundlage, projektbezogene Stellen

Beide Formen sind nach Nummer 1.2 sachgerecht zu verteilen, ein Träger kann beide zugleich anbieten.

Für die eigene Prüfung reicht deshalb ein Blick in die eigene Leistungsbeschreibung: Steht dort erkennbar, welcher der beiden Organisationsformen ein Angebot zugeordnet ist? Fehlt diese Zuordnung, lässt sie sich mit dem Umsetzungskonzept des Aufgabenträgers klären.

Welche Qualitätsstandards gelten im Einzelnen?

Nummer 3 der Anlage 4 richtet sich an die Träger der Aufgabenwahrnehmung, gleich ob das die Kommune selbst ist oder ein Dritter nach § 14 LAufnGDV. Zehn Unterpunkte bilden zusammen das Nachweisprogramm, von der fachlichen Unabhängigkeit bis zur Qualitäts­sicherung.

Den Anfang machen Grundstandards und Weisungsfreiheit (3.1): Beschäftigte dürfen keine hoheitlichen Aufgaben wahrnehmen und unterliegen bei ihrer fachlichen Entscheidung keinem fachfremden Weisungsrecht. Das schützt die fachliche Unabhängigkeit der sozialarbeiterischen Einschätzung, auch wenn die Migrationssozialarbeit organisatorisch bei einer Kommune oder einem beauftragten Träger angesiedelt ist.

Die Methoden (3.2) verpflichten zusätzlich zu aufgabenadäquaten Verfahren der Sozialen Arbeit, etwa klientenzentrierter Gesprächsführung oder Fallmanagement, sowie zu regelmäßigen Team- und Fallbesprechungen, Supervision und Intervision. Datenschutz und Schweigepflicht (3.3) sowie Dokumentation und Aktenführung (3.4) folgen als eigene, knapp gefasste Standards für den alltäglichen Umgang mit sensiblen Informationen über die Bewohnerschaft.

Das umfangreichste Kapitel ist das Personal (3.5). In der Regel wird ein Abschluss in Sozialer Arbeit oder Sozialpädagogik mit staatlicher Anerkennung verlangt (3.5.1). Für Beschäftigte mit Kontakt zu Minderjährigen ist zusätzlich ein Führungszeugnis vorzulegen (3.5.2). Das läuft parallel zu der Regelung, die § 15 Absatz 3 LAufnGDV für denselben Personenkreis unter Verweis auf das Asylgesetz vorsieht.

Für Personal, das schon beim Inkrafttreten der Verordnung im Oktober 2016 beschäftigt war, kann von der Qualifikation abgewichen werden, wenn es die Kompetenzen nachweist und fortbildungsbereit ist (3.5.3). Weitere Ausnahmen von der Qualifikationsanforderung brauchen die Zustimmung der Erstattungsbehörde, also der Stelle, die den Kommunen die Kosten der Migrationssozialarbeit erstattet (3.5.4). Fort- und Weiterbildung, Supervision (3.5.5) sowie tarifliche Vergütung (3.5.6) runden das Kapitel ab.

Beispiel

Angenommen, eine Fachkraft ohne die geforderte Qualifikation war schon beim Inkrafttreten der Verordnung am 28. Oktober 2016 in der Migrationssozialarbeit beschäftigt. Für sie kann nach Nummer 3.5.3 von der Qualifikationsanforderung abgewichen werden, wenn sie die nötigen Kompetenzen nachweist und zur Fortbildung bereit ist. Wer später eingestellt wurde, fällt nicht darunter, auch nach mehreren Jahren nicht. Für eine solche Person braucht es die Zustimmung der Erstattungsbehörde nach Nummer 3.5.4.

Erreichbarkeit (3.6) verlangt einen erreichbaren Standort und verlässliche Öffnungszeiten, die angemessen bekannt zu machen sind, etwa durch mehrsprachige Aushänge. Der Zugang soll niedrigschwellig, kultursensibel und barrierefrei sein. Vernetzung (3.7) ist als Soll-Vorschrift gefasst, die Zusammenarbeit ist zu ermöglichen. Öffentlichkeitsarbeit (3.8) verlangt eine transparente Darstellung von Aufgaben, Zuständigkeiten, Ansprechpersonen und Kooperationen sowie mehrsprachige, öffentlich zugängliche Informationsmaterialien. Beide Punkte lassen sich über eine kurze, laufend geführte Liste der eigenen Kontakte und Veröffentlichungen belegen.

Die Personalausstattung (3.9) verweist auf die Bemessungsgrundlage der Erstattungsverordnung, den Personalschlüssel, den der nächste Abschnitt genauer einordnet. Die Qualitäts­sicherung (3.10) empfiehlt geeignete Instrumente, etwa ein trägerinternes Qualitäts­management mit Berichtswesen. Anders als die übrigen Standards, die als Muss- oder in Teilen als Soll-Vorschrift gefasst sind (etwa 1.2, 3.6 Satz 3 und 3.7 Satz 1), ist das damit keine Pflicht. Eine Leitung kann hier zeigen, dass sie über das Mindestmaß hinausgeht.

Beschwerdemanagement gehört dazu

Nummer 2.1.11 nennt ausdrücklich ein niedrigschwelliges Beschwerdemanagement, insbesondere eine unabhängige Beschwerdestelle gegen Gewalt. Wer dafür bereits ein systematisches Beschwerdemanagement führt, kann diesen Nachweis daraus ableiten.

Wie viel Personal steht der Migrationssozialarbeit zur Verfügung?

Zwei Zahlen kursieren zur Migrationssozialarbeit in Brandenburg. Sie betreffen unterschiedliche Personenkreise. Deshalb lohnt sich die Unterscheidung, bevor man sie gegeneinander abwägt. Die Bemessungsgrundlage nach Anlage 2 Nummer 2 LAufnGErstV gilt für die unterbringungsnahe Migrationssozialarbeit im laufenden Asylverfahren: Für 80 aufgenommene Personen werden die Kosten für eine Personalstelle erstattet, das verändert sich mit der Zahl der aufgenommenen Personen von Jahr zu Jahr.

Auf diese Grundlage verweisen auch Anlage 4 Nummer 1.3 und Nummer 3.9, wenn sie vom Versorgungsgrad sprechen. Wird die Aufgabe auf einen freien Träger übertragen, muss die Entgeltvereinbarung diese Personalausstattung sichern (§ 14 Absatz 2 Satz 4 LAufnGDV, Anlage 4 Nummer 1.3). § 14 Absatz 3 LAufnG regelt dagegen die Pauschale, die das Land den Landkreisen und kreisfreien Städten dafür zahlt.

Die zweite Zahl, 174 Personalstellen für 2026, betrifft dagegen die Migrationssozialarbeit für anerkannt Schutzberechtigte, deren Aufnahmeverfahren bereits abgeschlossen ist. Ins Gespräch kam die Zahl durch eine Mitteilung des Ministeriums des Innern und für Kommunales vom 5. November 2025. Nach § 14 Absatz 3a LAufnG erstattet das Land dafür Pauschalen für landesweit bis zu 174 Stellen, verteilt nach dem Anteil der Landkreise und kreisfreien Städte an den Neuzugängen von SGB-II-Regelleistungsberechtigten aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern der Jahre 2022 bis 2024. Das sind Menschen, die Leistungen der Grundsicherung für Arbeitsuchende beziehen. Landkreise und kreisfreie Städte, die nach Artikel 9 Nummer 2 des Haushaltsbegleitgesetzes 2025/2026 mehr Stellen erhalten hätten, bekommen die Pauschale auch dafür (§ 14 Absatz 3a Satz 3 LAufnG).

Beide Zahlen konkurrieren also nicht miteinander, sondern decken zwei Phasen ab: Bemessung nach Fallzahlen während des Verfahrens, Verteilung nach festen Referenzjahren danach.

Beispiel

Angenommen, ein Landkreis betreut aktuell 240 Personen im laufenden Asylverfahren in einer Gemeinschaftsunterkunft. Nach der Bemessungsgrundlage der Erstattungsverordnung stehen dafür drei volle Personalstellen zur Verfügung, 240 geteilt durch 80. Die 174 Personalstellen für anerkannt Schutzberechtigte laufen daneben über einen eigenen, landesweiten Verteilungsschlüssel und werden auf diese Rechnung nicht angerechnet.

Wie lässt sich die eigene Aufstellung prüfen?

Die folgenden acht Schritte ordnen die eigene Aufstellung entlang der Anlage 4, bevor eine Anfrage des Aufgabenträgers dazu zwingt. Wer sie der Reihe nach durchgeht, deckt die wichtigsten Lücken selbst auf, statt sie erst im Gespräch mit dem Aufgabenträger zu bemerken.

  1. Umsetzungskonzept beim Aufgabenträger einfordern

    Fordern Sie das Umsetzungskonzept nach § 15 Absatz 1 LAufnGDV an und gleichen Sie es gegen die Nummern 1 bis 3 der Anlage 4 ab.

  2. Qualifikationsnachweise einfordern

    Lassen Sie sich die Nachweise nach Nummer 3.5.1 vorlegen. Abweichungen brauchen die Zustimmung der Erstattungsbehörde nach Nummer 3.5.4.

  3. Führungszeugnisse turnusmäßig einfordern

    Nummer 3.5.2 und § 15 Absatz 3 LAufnGDV verlangen für Beschäftigte mit Kontakt zu Minderjährigen ein Führungszeugnis. Terminieren Sie die Wiedervorlage. Wie sich ein solches Wiedervorlagesystem aufbauen lässt, beschreibt der Beitrag Führungszeugnisse: Wiedervorlage und Löschung in einem System.

  4. Personalausstattung an der Bemessungsgrundlage ausrichten

    Richten Sie die Personalausstattung an einer Stelle je 80 Personen nach Anlage 2 Nummer 2 LAufnGErstV aus. Sichern Sie sie bei Übertragung zusätzlich in der Vereinbarung nach § 14 LAufnGDV ab.

  5. Erreichbarkeit freigeben und dokumentieren

    Geben Sie Standortwahl, Öffnungszeiten und mehrsprachige Aushänge nach Nummer 3.6 frei und lassen Sie die Umsetzung dokumentieren.

  6. Dokumentation und Datenschutz bestätigen lassen

    Lassen Sie sich Aktenführung nach Nummer 3.4 und Datenschutzvorkehrungen nach Nummer 3.3 schriftlich bestätigen.

  7. Mittel für Fortbildung und Supervision bereitstellen

    Stellen Sie im Jahresbudget die Mittel nach Nummer 3.5.5 und 3.2 bereit, statt sie als Kür zu behandeln.

  8. Eigene Aufstellung anhand der Unterlagen-Ampel prüfen lassen

    Prüfen Sie die Aufstellung vor der nächsten Rückmeldung an den Aufgabenträger anhand der Unterlagen-Ampel weiter unten und legen Sie die ausgedruckte Übersicht zu den Unterlagen.

Werkzeug: Unterlagen-Ampel

Die Ampel fasst die 13 Punkte der Anlage 4 zusammen, die sich nachweisen lassen. Unterlagen wie das Umsetzungskonzept bewerten Sie nach ihrer Aktualität, Zustände wie die Weisungsfreiheit danach, ob sie umgesetzt sind. Nummer 1.3 betrifft nur die Übertragung auf Dritte und lässt sich als nicht zutreffend markieren, Nummer 3.10 ist eine Empfehlung und wird getrennt ausgewiesen. Das Ergebnis nennt die offenen Punkte mit Bezeichnung und lässt sich kopieren oder drucken. Die Ampel arbeitet nur in Ihrem Browser, ohne Übertragung an einen Server.

Unterlagen-Ampel: Standards nach Anlage 4 LAufnGDV
13 Punkte aus Anlage 4. Tragen Sie für jeden Punkt den eigenen Stand ein.

Unterlagen: aktuell, älter als 12 Monate oder fehlt. Die Stufe „älter als 12 Monate“ ist eine Orientierung dieses Werkzeugs, keine Frist aus der Verordnung. Zustände: umgesetzt, teilweise oder nicht umgesetzt.

aktuell oder umgesetzt älter oder teilweise fehlt oder nicht umgesetzt
Nr. 1.1Umsetzungskonzept des Aufgabenträgers bekannt und abgeglichen
Nr. 1.2Organisationsform festgelegt (unterbringungsnah, Fachberatungsdienst)
Nr. 1.3Versorgungsgrad bei Übertragung auf Dritte gesichert
Nr. 3.1Grundstandards und Weisungsfreiheit gewährleistet
Nr. 3.2Methoden, Team- und Fallbesprechungen, Supervision
Nr. 3.3Datenschutz und Schweigepflicht geregelt
Nr. 3.4Dokumentation und Aktenführung geregelt
Nr. 3.5Personal: Qualifikation, Führungszeugnis, Fortbildung, Vergütung nachgewiesen
Nr. 3.6Erreichbarkeit (Standort, Öffnungszeiten, Bekanntmachung, z. B. mehrsprachige Aushänge)
Nr. 3.7Vernetzung und Kooperation
Nr. 3.8Öffentlichkeitsarbeit und mehrsprachige Information
Nr. 3.9Personalausstattung nach Bemessungsgrundlage
Nr. 3.10Qualitätssicherung (trägerinternes QM, Berichtswesen), Empfehlung
Noch keine Angaben

Tragen Sie für die Punkte oben den Stand ein. Das Ergebnis erscheint hier als Zahl und als Liste mit den Bezeichnungen, nicht nur als Farbe.

Das Werkzeug liefert eine Zählung zur eigenen Ordnung, keine juristische Bewertung und keine Aussage zur Prüfungsentscheidung des Aufgabenträgers. Es speichert und überträgt nichts, alle Angaben bleiben im Browser. Rechtsstand: 19. September 2026.

Was in den nächsten Wochen zu tun ist

Beginnen Sie mit dem Umsetzungskonzept beim Aufgabenträger, denn darauf stützt sich die eigene Aufgabenwahrnehmung. Gleichen Sie danach Personal, Erreichbarkeit und Dokumentation gegen die zehn Qualitätsstandards ab, statt einzelne Punkte herauszugreifen.

Das gilt unabhängig davon, ob die Migrationssozialarbeit in eigener Trägerschaft der Kommune läuft oder nach § 14 LAufnGDV an einen freien Träger übertragen ist. Anlage 4 gilt in beiden Fällen gleich, so bleibt die Aufstellung unabhängig von der Organisationsform nachvollziehbar, für die eigene Leitung ebenso wie für den Aufgabenträger. Wer sie schon jetzt ordnet, muss bei der nächsten Rückmeldung an die Kommune nicht mehr suchen, sondern nur noch vorlegen.

Die Standards der Migrationssozialarbeit in Brandenburg stehen nicht im Landesaufnahmegesetz, sondern in seiner Durchführungsverordnung. § 15 Absatz 4 LAufnGDV verweist für alle weiteren Anforderungen auf Anlage 4, mit zehn Qualitätsstandards von der Weisungsfreiheit bis zur Qualitäts­sicherung.

Häufige Fragen

Was unterscheidet Migrationssozialarbeit als unterbringungsnahe Unterstützung von Migrationssozialarbeit als Fachberatungsdienst?

Die unterbringungsnahe Unterstützung deckt nach Anlage 4 Nummer 2.1 LAufnGDV die alltagsnahe Begleitung in oder bei der Unterkunft ab, etwa Beratung zu Verwaltungsabläufen. Der Fachberatungsdienst nach Nummer 2.2 bündelt regional zugängliche, zielgruppenspezifische Angebote, etwa Härtefallberatung.

Braucht das Personal der Migrationssozialarbeit einen staatlich anerkannten Abschluss in Sozialer Arbeit oder Sozialpädagogik?

Nach Anlage 4 Nummer 3.5.1 LAufnGDV in der Regel ja. Ausnahmen sind nach Nummer 3.5.3 für Personal möglich, das schon bei Inkrafttreten der Verordnung 2016 beschäftigt war, seine Kompetenzen nachweist und fortbildungsbereit ist, sowie nach Nummer 3.5.4 mit Zustimmung der Erstattungsbehörde.

Wie hoch ist der Personalschlüssel für Migrationssozialarbeit in Brandenburg?

Für die unterbringungsnahe Migrationssozialarbeit gilt nach Anlage 2 Nummer 2 LAufnGErstV eine Personalstelle je 80 aufgenommene Personen. Für anerkannt Schutzberechtigte gilt diese Grundlage nicht, dort erstattet das Land Pauschalen für bis zu 174 Personalstellen (2026), verteilt nach dem Anteil an den Neuzugängen von SGB-II-Regelleistungsberechtigten aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern 2022 bis 2024 (§ 14 Absatz 3a LAufnG).

Was muss ein Betreiber einer Gemeinschaftsunterkunft nach § 9 Absatz 6 LAufnGDV sicherstellen?

Dass der Bewohnerschaft die unterbringungsnahe Unterstützung nach Abschnitt 3 und Anlage 4 zugänglich ist, eine eigene Pflicht neben den baulichen Mindestbedingungen nach § 9 Absatz 5 und Anlage 3.

Sind die 174 Personalstellen für 2026 dasselbe wie der Personalschlüssel nach Anlage 4?

Nein. Die 174 Stellen betreffen die Migrationssozialarbeit für anerkannt Schutzberechtigte, verteilt nach dem Anteil an den Neuzugängen von SGB-II-Regelleistungsberechtigten aus nichteuropäischen Asylherkunftsländern 2022 bis 2024 (§ 14 Absatz 3a LAufnG). Der Schlüssel 1 zu 80 gilt für die unterbringungsnahe Migrationssozialarbeit im laufenden Verfahren.

Ersetzt dieser Beitrag eine Rechtsberatung?

Nein. Der Beitrag erklärt Rechtslage und Verfahren zum Stand 19. September 2026, er ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Das gilt auch für die Unterlagen-Ampel.

Zum Weiterlesen

Quellen

  1. Land Brandenburg (bravors.brandenburg.de): Landesaufnahmegesetz-Durchführungsverordnung (LAufnGDV), zuletzt geändert 1. Februar 2024 (GVBl. II/24 Nr. 10), Abruf 19.09.2026.
  2. Land Brandenburg (bravors.brandenburg.de): LAufnGDV Anlage 4, Anforderungen an die Migrationssozialarbeit, Abruf 19.09.2026.
  3. Land Brandenburg (bravors.brandenburg.de): LAufnGDV Anlage 3, Mindestbedingungen für Gemeinschaftsunterkünfte, GVBl. II/16 Nr. 55, Abruf 19.09.2026.
  4. Land Brandenburg (bravors.brandenburg.de): Landesaufnahmegesetz-Erstattungsverordnung (LAufnGErstV), Stammfassung 20.10.2016 (GVBl. II/16 Nr. 56), zuletzt geändert 5. März 2024 (GVBl. I/24 Nr. 9, S. 36), Abruf 19.09.2026.
  5. Land Brandenburg (bravors.brandenburg.de): LAufnGErstV Anlage 2, Erstattungspauschalen und Personalbemessung, Abruf 19.09.2026.
  6. Land Brandenburg (bravors.brandenburg.de): Landesaufnahmegesetz (LAufnG), Stammfassung 15.03.2016 (GVBl. I/16 Nr. 11), zuletzt geändert 18.12.2025 (GVBl. I/25 Nr. 31), Abruf 19.09.2026.
  7. Ministerium des Innern und für Kommunales Brandenburg: Pressemitteilung zum Landesaufnahmegesetz, 5.11.2025, Abruf 19.09.2026.
  8. LIGA der Freien Wohlfahrtspflege Brandenburg: Stellungnahme zum Gesetzentwurf des Landesaufnahmegesetzes (2016), Abruf 19.09.2026.

Hinweis

Stand 19. September 2026. Der Beitrag erklärt Rechtslage und Verfahren und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Änderungen des Landesaufnahmegesetzes ohne Bezug zur Migrationssozialarbeit sind hier bewusst nicht dargestellt.

Christian Monat

Externer Qualitätsmanagementbeauftragter aus Chemnitz. Berufserfahrung in Eingliederungshilfe, Sozialpsychiatrie und Suchthilfe, seit 2019 in Leitungsfunktionen. Mehr über mich

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