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Suchtberatung in Sachsen-Anhalt: das Qualitätssicherungssystem

Wer in Sachsen-Anhalt eine Suchtberatungsstelle trägt, bekommt die Landesförderung nur, wenn Qualität und Dokumentation nachweisbar stimmen. Das Land prüft das nicht selbst, sondern verlangt es über eine Vereinbarung mit dem Landkreis oder der kreisfreien Stadt. Wer diese Vereinbarung ohne Prüfung unterschreibt oder verlängert, riskiert Rückfragen der Kommune und Lücken in der eigenen Nachweisführung.

  • Christian Monat
  • ca. 12 Min. Lesezeit
Zwei Menschen sitzen sich in Sesseln gegenüber: Ein junger Mann mit Brille erzählt, die Frau ihm gegenüber hört zu.

Das Wichtigste in Kürze

  • Träger von Suchtberatungsstellen in Sachsen-Anhalt erhalten die jährliche Landesförderung nur, wenn sie ein einheitliches Qualitäts­sicherungssystem und eine verlässliche Dokumentation nachweisen.
  • Der Nachweis läuft nicht direkt über das Land, sondern über eine Vereinbarung mit dem zuständigen Landkreis oder der kreisfreien Stadt, der ein regionales Konzept mit Leistungsbeschreibung zugrunde liegt.
  • Für die Dokumentation reicht grundsätzlich die Teilnahme an einem bundesweiten einrichtungsbezogenen Informationssystem oder die regelmäßige Erfassung im Deutschen Kerndatensatz für die Suchthilfe. In Sachsen-Anhalt läuft das in der Praxis einheitlich über das erste Verfahren, also über das Informationssystem EBIS.
  • Die Landeszuweisung für die Ehe-, Familien-, Erziehungs- und Suchtberatung zusammen beträgt als Ausgangswert rund 3,7 Millionen Euro im Jahr und erhöht sich seit 2020 jährlich um 2 Prozent, rechnerisch 2026 auf rund 4,3 Millionen Euro.
  • In den nächsten Wochen sollte die Leitung die Vereinbarung mit der Kommune und die Vollständigkeit der eigenen Dokumentation prüfen lassen.

Wer wenig Zeit hat, springt direkt zu den sieben Schritten für die Leitungsebene.

Einheitliches Qualitäts­sicherungssystem: Begriff aus § 20 Absatz 5 Satz 1 Nummer 5 FamBeFöG LSA, dem Familien- und Beratungsstellenfördergesetz Sachsen-Anhalt. Das Gesetz nennt ihn als eine von fünf Voraussetzungen für die Weitergabe der Landeszuweisung an freie Träger, definiert ihn aber nicht näher. Als Nachweis gilt eine Vereinbarung mit dem Landkreis oder der kreisfreien Stadt. Eng verbunden ist die Dokumentationspflicht nach § 20 Absatz 6: die Erfassung im einrichtungsbezogenen Informationssystem EBIS oder im Deutschen Kerndatensatz (KDS). Die Daten gehen an die Gesellschaft für Standard-Dokumentation und Auswertung (GSDA).

Was muss die Vereinbarung mit der Kommune regeln?

Ob eine Suchtberatungsstelle die Landeszuweisung nach § 20 FamBeFöG LSA am Ende erhält, entscheidet nicht das Land direkt. Es entscheidet die Vereinbarung, die der zuständige Landkreis oder die kreisfreie Stadt mit dem Träger schließt, also mit der Einrichtung selbst. Darin muss der Träger drei Dinge nachweisen: ein einheitliches Qualitäts­sicherungssystem, eine integrierte psychosoziale Beratung und eine Dokumentation im Kerndatensatz oder in EBIS. Integriert heißt hier: Die Beratungsstelle arbeitet mit anderen Stellen vor Ort zusammen, statt jede Anfrage allein zu bearbeiten. Was das konkret verlangt, zeigen die fünf Kriterien weiter unten.

Wer diese Vereinbarung verhandelt oder verlängert, ohne System und Datenqualität vorher zu prüfen, geht ein Risiko ein: Fehlt ein Nachweis, fehlt der Kommune die Grundlage, die Landeszuweisung an den Träger weiterzugeben (§ 20 Absatz 5 FamBeFöG LSA). Diese Verlagerung der Prüfung auf die Kommune ist im FamBeFöG LSA bewusst so angelegt. Das Land setzt die Fördergrundsätze und zahlt die Landeszuweisung. Die Landkreise und kreisfreien Städte planen daraus den Bedarf vor Ort und geben die Mittel an die Träger weiter, mit denen sie die Vereinbarung schließen. Die inhaltliche Ausgestaltung liegt damit nicht beim Land, sondern wird zwischen Kommune und freiem Träger direkt ausgehandelt. Für die Einrichtung heißt das: Die eigentliche Prüfung findet nicht in Magdeburg statt, sondern direkt vor Ort beim zuständigen Landkreis oder der kreisfreien Stadt.

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anerkannte Suchtberatungsstellen (EBIS-Hauptstellen) mit 10 angegliederten Teilstellen in Sachsen-Anhalt. Gezählt werden EBIS-Anschlüsse, nicht Träger; eine Doppelzählung auf Trägerebene ist möglich, da einzelne Träger mehrere Hauptstellen betreiben. Quelle: Landesstelle für Suchtfragen Sachsen-Anhalt (LS-LSA), die die Dokumentation für alle anerkannten Suchtberatungsstellen im Land koordiniert, Sachbericht 2025, Tabelle „EBIS-Haupt- u. Teilstellen Sachsen-Anhalt 2026“, Stand 9. Dezember 2025.

Wie ist die Förderung aufgebaut und welche Fristen gelten?

Die Landeszuweisung für Beratungsstellen ist kein Fördertopf allein für die Suchtberatung. Nach § 19 FamBeFöG LSA deckt sie die abgestimmte, bedarfsgerechte Ehe-, Lebens-, Familien-, Erziehungs- und Suchtberatung insgesamt ab, also mehrere Beratungsformen zusammen. Das Gesetz setzt dafür 3.739.300 Euro im Jahr an und erhöht den Betrag seit 2020 jährlich um 2 Prozent gegenüber dem Vorjahr (§ 20 Absatz 1 FamBeFöG LSA). Das Land zahlt diese Summe aber nicht an die Beratungsstellen selbst aus, sondern überweist sie den Landkreisen und kreisfreien Städten, jeweils zur Hälfte zum 31. Januar und zum 31. Juli.

Wie viel davon bei einer einzelnen Einrichtung ankommt, entscheidet die Sozialplanung vor Ort, also die kommunale Bedarfsplanung, durch die der Landkreis oder die kreisfreie Stadt festlegt, welche Angebote in welchem Umfang gefördert werden. Landkreise und kreisfreie Städte schätzen darin den Bedarf in ihrer Region ein und geben die Mittel weiter, die ihnen das Land nach Einwohnerzahl zuweist (§ 20 Absatz 2 und 3 FamBeFöG LSA). Zwei Beratungsstellen mit ähnlichem Angebot können deshalb je nach Landkreis unterschiedlich hohe Zuweisungen erhalten, wenn sich die Einwohnerzahlen unterscheiden.

Für den Ablauf gelten feste Termine, an denen sich auch die eigene Jahresplanung ausrichten sollte. Landkreise und kreisfreie Städte reichen ihre Sozialplanung jeweils bis zum 31. Oktober des Vorjahres beim Land ein. Den Verwendungsnachweis für das abgelaufene Jahr legen sie bis zum 30. Juni vor. Beide Termine hängen an den Zahlen, die der Träger vorher liefert: Wer seine Angaben nicht rechtzeitig an die Kommune meldet, bremst deren Planung für die ganze Region, nicht nur für die eigene Einrichtung.

Zwei feste Termine im Jahr, der 31. Oktober und der 30. Juni: Wer sie verpasst, bremst nicht nur die eigene Förderung, sondern die Planung der ganzen Region.

Welche fünf Kriterien entscheiden über die Weitergabe?

Was mit integrierter psychosozialer Beratung gemeint ist, regelt § 20 Absatz 5 FamBeFöG LSA. Das Gesetz nennt fünf Kriterien, die eine Beratungsstelle als integriert ausweisen und damit die Weitergabe der Landeszuweisung an den freien Träger begründen. Das Qualitäts­sicherungssystem ist nur eines davon. Es ist aber das Kriterium, das sich am wenigsten von selbst erledigt, denn die anderen vier beschreiben vor allem, wie die Beratungsstelle mit anderen Stellen zusammenarbeitet. Die vier anderen Kriterien nennt § 20 Absatz 5 Satz 1 Nummer 1 bis 4 FamBeFöG LSA.

Fachübergreifendes Zusammenwirken unter Nutzung gemeinsamer Ressourcen der beteiligten Beratungsstellen.
Abgestimmte Feststellung des Hilfebedarfs zwischen den beteiligten Stellen, statt paralleler Einzelprüfungen.
Umfassende und gebündelte Beratungsleistungen aus einer Hand oder aus einem abgestimmten Verbund.
Ein gemeinsames Beratungszentrum oder ein abgestimmtes Netzwerk der beteiligten Träger und Stellen.
Ein einheitliches Qualitätssicherungssystem und eine Dokumentation (§ 20 Absatz 5 Satz 1 Nummer 5 FamBeFöG LSA), nachgewiesen über die Vereinbarung mit der Kommune.

Die Vereinbarung soll außerdem die Zusammenarbeit mit nicht selbst geförderten Beratungsstellen regeln (§ 20 Absatz 5 Satz 3 FamBeFöG LSA). Das gilt auch dann, wenn die andere Stelle selbst keine Landeszuweisung aus diesem Gesetz erhält. Das Gesetz nennt als Beispiele die Schwangerschaftskonfliktberatung und Schuldnerberatungsstellen nach der Insolvenzordnung. Genau das zeigt das folgende Beispiel.

Beispiel

Angenommen, eine Suchtberatungsstelle arbeitet vor Ort eng mit der Schwangerschaftskonfliktberatung zusammen, hat dieses Zusammenwirken aber noch nicht im eigenen Konzept beschrieben. Dann scheitert der Nachweis nicht an der Praxis, sondern an der Dokumentation. Die Vereinbarung mit dem Landkreis müsste das regionale Konzept entsprechend ergänzen, bevor die nächste Förderperiode beginnt.

Wer die Pflichten aus dem Gesetz nicht auswendig im Kopf behalten will, findet sie in der folgenden Übersicht. Sie ordnet die einschlägigen Paragrafen des FamBeFöG LSA jeweils der Kernpflicht für den Träger zu.

ParagrafRegelungsgegenstandKernpflicht für den Träger
§ 19 FamBeFöG LSAZweck der FörderungAbgestimmte, bedarfsgerechte Ehe-, Lebens-, Familien-, Erziehungs- und Suchtberatung ermöglichen.
§ 20 Abs. 1 bis 3Landeszuweisung, Sozialplanung, VerteilungSozialplanung der Kommune bis 31. Oktober des Vorjahres, Verwendungsnachweis bis 30. Juni einreichen lassen.
§ 20 Abs. 5Grundsätze der WeitergabeIntegrierte psychosoziale Beratung mit einheitlichem Qualitäts­sicherungssystem und Dokumentation nachweisen.
§ 20 Abs. 6DokumentationspflichtEBIS-Teilnahme oder Erfassung des Deutschen Kerndatensatzes, Weiterleitung an die GSDA.
§ 21 FamBeFöG LSAEvaluationKeine unmittelbare Trägerpflicht: Berichtspflicht des Ministeriums an den Landtag, drei Jahre nach Inkrafttreten von § 20.

Fassungsstand aller Normen: 19. September 2026, geprüft am amtlichen Landesrechtsportal Sachsen-Anhalt.

Vier der fünf Kriterien tauchen in dieser Übersicht nicht als eigene Zeile auf: Sie stecken in der Kernpflicht zu § 20 Absatz 5 unter dem Sammelbegriff der integrierten psychosozialen Beratung. Für den Nachweis gegenüber der Kommune reicht es deshalb nicht, nur die Dokumentation vorzuzeigen. Die Vereinbarung muss auch diese Zusammenarbeit beschreiben.

EBIS oder Kerndatensatz: Wie funktioniert die Dokumentationspflicht?

Neben dem Qualitäts­sicherungssystem verlangt § 20 Absatz 6 FamBeFöG LSA eine zweite, eng verwandte Pflicht: eine gesicherte Dokumentation. Rechtlich reicht dafür eine von zwei Varianten. Die erste ist die Teilnahme am einrichtungsbezogenen Informationssystem EBIS. Die zweite ist die regelmäßige Erfassung des Deutschen Kerndatensatzes mit Weiterleitung an die Gesellschaft für Standard-Dokumentation und Auswertung, kurz GSDA, die die bundesweite Auswertung übernimmt. Beide Wege führen inhaltlich zum selben Ergebnis, denn EBIS bildet die Falldaten technisch auf Grundlage dieses Kerndatensatzes ab.

In Sachsen-Anhalt ist diese Wahlfreiheit in der Praxis keine. Nach Angaben der Landesstelle für Suchtfragen (LS-LSA) läuft die Erfassung für alle anerkannten Suchtberatungsstellen des Landes einheitlich über EBIS. Sie wertet die Daten landesweit aus und meldet sie weiter. Für die einzelne Beratungsstelle bedeutet das vor allem eine jährliche Lizenzmeldung, nicht die freie Wahl eines Verfahrens. Die Kosten für die EBIS-Lizenzen trägt dabei nicht die Beratungsstelle selbst, sie sind Teil der Landeszuwendung an die LS-LSA.

Warum zählt die Datenqualität als eigener Nachweis?

Der Deutsche Kerndatensatz zur Dokumentation im Bereich der Suchthilfe, kurz KDS, legt selbst fest, was genau erfasst wird. Das FamBeFöG LSA verweist nur darauf, ohne eigene inhaltliche Vorgaben zu machen. Maßgeblich ist das Manual der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS), aktuell in der Fassung KDS 3.0 vom 1. Januar 2025. Es gliedert die Dokumentation in vier Bereiche: den Kerndatensatz Einrichtung, den Kerndatensatz Fall, den Kerntabellensatz Fall und den Kerndatensatz Katamnese. Fälle beschreiben davon nur der Kerndatensatz Fall und, bei Nacherhebungen, der Kerndatensatz Katamnese. Der Kerndatensatz Einrichtung beschreibt die Beratungsstelle selbst. Der Kerntabellensatz Fall ist ein abgestimmtes Tabellenformat, das aus den Falldaten zusammengefasst für die Auswertung erzeugt wird. Welche Einzelangaben je Bereich zu erfassen sind, regelt ausschließlich dieses Manual. Dieser Beitrag zählt die Pflichtfelder deshalb bewusst nicht einzeln auf.

Für die Leitungsebene zählt weniger die einzelne Angabe als die Vollständigkeit über den gesamten Erfassungszeitraum. Anders gesagt: Eine einzelne fehlende Angabe verzerrt eine Auswertung kaum, viele fehlende Angaben in einem Bereich schon. Dokumentiert eine Beratungsstelle im Kerndatensatz Fall lückenhaft, liefert sie der LS-LSA und darüber dem Land unvollständige Zahlen. Diese eignen sich weder für die eigene Steuerung noch für den Nachweis gegenüber der Kommune. Datenqualität ist damit kein statistisches Nebenprodukt, sondern Teil des Nachweises, dass das Qualitäts­sicherungssystem nach § 20 Absatz 5 tatsächlich trägt.

Beispiel

Angenommen, eine Beratungsstelle erfasst neue Fälle laufend vollständig, trägt aber die Katamnese, also die Nacherhebung einige Monate nach Beratungsende, nur unregelmäßig nach. Dann ist der Kerndatensatz Fall vollständig, der Kerndatensatz Katamnese aber lückenhaft. Für die Katamnese ist deshalb eine andere Kennzahl maßgeblich: Das DHS-Manual schlägt die Ausschöpfungsquote vor, also den Anteil der Personen, die an der Nacherhebung tatsächlich teilgenommen haben. Eine Lücke in einem Bereich gleicht ein anderer nicht aus.

Checkliste: Datenqualität im Kerndatensatz prüfen

Welche Angaben je Bereich Pflicht sind, regelt das DHS-Manual. Die folgende Checkliste ordnet, was die Leitung vor der Verhandlung mit der Kommune prüfen lassen sollte, und zeigt je Bereich die passende Kennzahl. Die Zahlen selbst liefert das eigene Dokumentationssystem. Die leeren Spalten sind für Ergebnis, Stichtag und Zuständige gedacht, die Liste lässt sich ausdrucken.

PrüfpunktBereich und GrundlageErgebnis und StichtagZuständig und Termin
Einrichtungsdaten für das Berichtsjahr aktualisiertKerndatensatz Einrichtung: beschreibt die Beratungsstelle selbst, etwa Einrichtungstyp und Leistungsangebote (DHS-Manual KDS 3.0). Kein Fallbezug, geprüft wird die Aktualität.
Auswertung fehlender Pflichtangaben je Fall gezogenKerndatensatz Fall: dokumentiert jede Beratungsepisode. Kennzahl ist der Anteil der Fälle mit fehlenden Pflichtangaben im Berichtsjahr.
Offene Fälle ohne Beendigungsdaten geprüftKerndatensatz Fall: Die Auswertung unterscheidet Zugänge und Beender. Eine beendete Betreuung ohne Beendigungsdaten fehlt bei den Beendern.
Tabellen für das Berichtsjahr erzeugt und übermitteltKerntabellensatz Fall: abgestimmtes Tabellenformat, das aus den Falldaten zusammengefasst erzeugt wird, kein eigener Erfassungsbereich. Übermittlung über EBIS oder als Kerndatensatz an die GSDA (§ 20 Absatz 6 FamBeFöG LSA).
Ausschöpfungsquote der Katamnese berechnet, soweit Katamnesen erhoben werdenKerndatensatz Katamnese: Nacherhebung, als Standard ein Jahr nach Ende der Betreuung. Das DHS-Manual schlägt zur Beurteilung die Ausschöpfungsquote vor.
EBIS-Lizenzmeldung an die Landesstelle freigegebenIn Sachsen-Anhalt läuft die Erfassung nach Angaben der Landesstelle für Suchtfragen für alle anerkannten Suchtberatungsstellen über EBIS, für jede Haupt- und Teilstelle.
Ergebnisse in die Management­bewertung übernommenNachweis gegenüber der Kommune, dass das Qualitäts­sicherungssystem trägt (§ 20 Absatz 5 FamBeFöG LSA).

Bereiche und Kennzahlen nach dem DHS-Manual KDS 3.0, Stand 1. Januar 2025. Einen Zielwert gibt weder das Manual noch das FamBeFöG LSA vor, er gehört in die Vereinbarung mit der Kommune oder in Ihr eigenes Qualitäts­sicherungssystem.

Was ist für die Leitungsebene jetzt zu tun?

Sieben Schritte lassen sich sofort beginnen, unabhängig vom Turnus der eigenen Vereinbarung mit der Kommune. Sie lohnen sich, weil Vorbereitung Zeit braucht, die eine kurzfristige Rückfrage der Kommune nicht mehr bietet. Wichtig ist dabei die Reihenfolge: Erst die Vereinbarung selbst prüfen, dann die Datenlage, dann die Konsequenzen daraus ziehen.

  1. Lassen Sie die Vereinbarung mit der Kommune prüfen

    Prüfen Sie die Vereinbarung mit dem zuständigen Landkreis oder der kreisfreien Stadt (§ 20 Absatz 5 FamBeFöG LSA) daraufhin, ob Qualitäts­sicherungssystem und Dokumentation dort vollständig beschrieben sind.

  2. Bestätigen Sie die Teilnahme an EBIS oder am Kerndatensatz

    Bestätigen Sie die EBIS-Teilnahme oder die regelmäßige Erfassung des Deutschen Kerndatensatzes für jede Haupt- und Teilstelle und geben Sie die jährliche Lizenzmeldung an die Landesstelle für Suchtfragen frei.

  3. Lassen Sie die Vollständigkeit der Falldokumentation auswerten

    Lassen Sie die Datenqualität je Bereich des Kerndatensatzes turnusmäßig auswerten, etwa anhand der Checkliste dieses Beitrags.

  4. Dokumentieren Sie das Zusammenwirken im regionalen Konzept

    Dokumentieren Sie das Zusammenwirken mit anderen Beratungsstellen der integrierten psychosozialen Beratung im regionalen Konzept und stimmen Sie es mit dem Landkreis ab.

  5. Nehmen Sie die Datenqualität in die Management­bewertung auf

    Nehmen Sie die Ergebnisse der Datenqualität in die interne Management­bewertung auf und halten Sie sie für Rückfragen der Kommune bereit.

  6. Beauftragen Sie bei Lücken eine Prüfung

    Beauftragen Sie bei erkennbaren Lücken in der Dokumentation eine interne oder externe Prüfung, bevor Sie die nächste Vereinbarung mit der Kommune verhandeln.

  7. Beobachten Sie die Evaluation nach § 21

    Beobachten Sie die Entwicklung der Evaluation nach § 21 FamBeFöG LSA und mögliche Anpassungen der Fördergrundsätze und ordnen Sie sie rechtzeitig in Ihre Jahresplanung ein.

Diese Evaluation nach § 21 FamBeFöG LSA liegt nicht in der Hand der einzelnen Beratungsstelle. Sie ist eine Berichtspflicht des zuständigen Ministeriums gegenüber dem Landtag, drei Jahre nach Inkrafttreten von § 20. Zuletzt hat die FOGS GmbH im Auftrag des Ministeriums eine solche Evaluierung durchgeführt. Für Trägerleitungen ist trotzdem relevant, was daraus folgen kann: Anpassungen der Fördergrundsätze wirken am Ende wieder über die kommunale Vereinbarung bei der eigenen Einrichtung.

Stand 19. September 2026: Alle Rechtsgrundlagen dieses Beitrags sind am amtlichen Landesrechtsportal Sachsen-Anhalt geprüft. Seit der letzten Änderung von § 20 FamBeFöG LSA (18. Januar 2019) liegt kein weiteres Änderungsgesetz vor. Wer die eigene Vereinbarung mit der Kommune vorbereitet, sollte dieses Datum trotzdem im Blick behalten, weil sich Landesrecht ändern kann. Dieser Beitrag erklärt Rechtslage und Verfahren und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

Häufige Fragen

Ist EBIS Pflicht, oder reicht auch der Deutsche Kerndatensatz ohne EBIS?

Nach § 20 Absatz 6 FamBeFöG LSA reicht rechtlich beides: die EBIS-Teilnahme oder die regelmäßige Erfassung des Deutschen Kerndatensatzes mit Weiterleitung an die GSDA. In Sachsen-Anhalt läuft die Erfassung nach Angaben der Landesstelle für Suchtfragen (LS-LSA) für alle anerkannten Suchtberatungsstellen in der Praxis über EBIS.

Was zählt als einheitliches Qualitäts­sicherungssystem nach § 20 Absatz 5 Nummer 5 FamBeFöG LSA?

Das Gesetz definiert den Begriff nicht weiter. Nachweis ist die Vereinbarung mit dem Landkreis oder der kreisfreien Stadt, der ein regionales Konzept mit Leistungsbeschreibung zugrunde liegt (§ 20 Absatz 5 Satz 2 FamBeFöG LSA).

Wie hoch ist die Landeszuweisung für Ehe-, Familien-, Erziehungs- und Suchtberatung in Sachsen-Anhalt?

3.739.300 Euro jährlich, seit 2020 zuzüglich 2 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert (§ 20 Absatz 1 FamBeFöG LSA). Verteilt wird die Zuweisung über die Sozialplanung der Landkreise und kreisfreien Städte nach Einwohnerzahl.

Wer prüft, ob die Fördergrundsätze des § 20 FamBeFöG LSA wirken?

Das zuständige Ministerium evaluiert nach § 21 FamBeFöG LSA drei Jahre nach Inkrafttreten und berichtet dem Landtag. Die zuletzt beauftragte Evaluierung hat die FOGS GmbH im Auftrag des Ministeriums durchgeführt.

Wie viele Suchtberatungsstellen sind in Sachsen-Anhalt an EBIS angeschlossen?

27 anerkannte Suchtberatungsstellen als EBIS-Hauptstellen mit 10 angegliederten Teilstellen, Stand 9. Dezember 2025 (LS-LSA, Sachbericht 2025). Gezählt werden EBIS-Anschlüsse, nicht Träger. Da einzelne Träger mehrere Hauptstellen betreiben, ist eine Doppelzählung auf Trägerebene möglich.

Zum Weiterlesen

Quellen

  1. Landesrecht Sachsen-Anhalt, § 19 FamBeFöG LSA (Zweck der Förderung), Fassung vom 13.08.2014, abgerufen 19.09.2026. landesrecht.sachsen-anhalt.de
  2. Landesrecht Sachsen-Anhalt, § 20 FamBeFöG LSA (Grundsätze der Förderung), Fassung vom 18.01.2019, abgerufen 19.09.2026. landesrecht.sachsen-anhalt.de
  3. Landesrecht Sachsen-Anhalt, § 21 FamBeFöG LSA (Evaluation), Fassung vom 13.08.2014, abgerufen 19.09.2026. landesrecht.sachsen-anhalt.de
  4. Landesrecht Sachsen-Anhalt, FamBeFöG LSA Gesamtausgabe mit Änderungshistorie (verkündet 19.12.2005, GVBl. LSA 2005, 740; zuletzt geändert durch Artikel 1 des Gesetzes vom 18.01.2019, GVBl. LSA 2019, S. 17), abgerufen 19.09.2026. landesrecht.sachsen-anhalt.de
  5. Landesstelle für Suchtfragen im Land Sachsen-Anhalt (LS-LSA), Sachbericht 2025, Abschnitt 2.5.1 EBIS Vollerhebung der Betreuungsdaten aller Suchtberatungsstellen, Tabelle „EBIS-Haupt- u. Teilstellen Sachsen-Anhalt 2026“ (Stand 09.12.2025), abgerufen 19.09.2026. ls-suchtfragen-lsa.de (PDF)
  6. Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. (DHS), Deutscher Kerndatensatz zur Dokumentation im Bereich der Suchthilfe, KDS 3.0, Definitionen und Erläuterungen zum Gebrauch, Stand 01.01.2025, abgerufen 19.09.2026. dhs.de (PDF)
  7. FOGS GmbH, Projektbeschreibung Evaluierung gem. § 21 des Gesetzes zur Familienförderung und zur Förderung sozialer Beratungsstellen des Landes Sachsen-Anhalt (FamBeFöG LSA), abgerufen 19.09.2026. fogs-gmbh.de

Stand aller Angaben: 19. September 2026.

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Christian Monat

Externer Qualitätsmanagementbeauftragter aus Chemnitz. Berufserfahrung in Eingliederungshilfe, Sozialpsychiatrie und Suchthilfe, seit 2019 in Leitungsfunktionen. Mehr über mich

Qualitätssicherungssystem dokumentationsfest machen

Als externer Qualitätsmanagementbeauftragter kann ich Träger der Suchtberatung dabei unterstützen, ihr Qualitätssicherungssystem so zu dokumentieren, dass es der Vereinbarung mit dem Landkreis oder der kreisfreien Stadt standhält. Dafür prüfe ich auf Wunsch auch die Datenqualität im Kerndatensatz oder in EBIS.

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Drei Menschen sitzen an einem Holztisch in einem hellen Raum mit Pflanzen, ein Mann erklärt etwas, eine Frau und ein weiterer Mann hören zu.