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WTG-Novelle Berlin: Erprobungsspielraum jetzt auch im Bestand, aber nicht für jede Wohnform

Seit dem 28. Februar 2026 können auch bestehende Pflegeeinrichtungen und Pflege-Wohngemeinschaften in Berlin eine Ausnahme von einzelnen gesetzlichen Vorgaben beantragen, um neue Konzepte zu erproben.

  • Christian Monat
  • ca. 12 Min. Lesezeit
Eine Begleiterin führt die Hand einer älteren Frau im Rollstuhl, die mit einem Schwämmchen grüne Blätter an einen gemalten Baum auf großem weißem Karton tupft.

Seit dem 28. Februar 2026 profitieren auch bestehende Pflegeeinrichtungen in Berlin von einer neuen Ausnahmeregelung für die Erprobung neuer Konzepte, bisher galt das nur für neu entstehende Wohnformen. Für besondere Wohnformen der Eingliederungs­hilfe ändert sich dagegen nichts: Dort bleibt es bei der bisherigen, engeren Regelung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Seit dem 28. Februar 2026 können auch bestehende Pflegeeinrichtungen und Pflege-Wohngemeinschaften in Berlin eine zeitlich befristete Ausnahme von einzelnen gesetzlichen Vorgaben beantragen, um neue Wohn-, Pflege- oder Personalkonzepte zu erproben.
  • Für besondere Wohnformen der Eingliederungs­hilfe ändert sich nichts. Dort ist weiterhin nur die Erprobung neu entstehender Angebote möglich, eine bestehende Einrichtung kann eine solche Ausnahme nicht beantragen.
  • Eine Ausnahme gilt zunächst höchstens sechs Jahre. Bei Wohnformen der Pflege lässt sie sich einmal um bis zu sechs weitere Jahre verlängern, bei nachgewiesener Bewährung soll sie auf Dauer erteilt werden.
  • Nur bei Wohnformen der Pflege verlangt das Gesetz ein fachlich qualifiziertes Konzept, die Beteiligung des Mitwirkungsgremiums, wenn die Ausnahme dessen Angelegenheiten betrifft, und in der Regel eine wissenschaftliche Begleitung.
  • Zuständig für den Antrag ist die Berliner Heim­aufsicht, das Landesamt für Gesundheit und Soziales. Er ist schriftlich oder elektronisch zu stellen und muss die betroffenen Vorgaben konkret benennen.

Wer nur wissen will, was das eigene Vorhaben für den Antrag braucht, springt direkt zur Checkliste für den Antrag.

Wohnteilhabegesetz (WTG): Berliner Landesgesetz vom 4. Mai 2021, das nach der Föderalismusreform 2006 in Berlin an die Stelle des früheren bundesrechtlichen Heimgesetzes getreten ist und Mindeststandards für Pflegeeinrichtungen, Pflege-Wohngemeinschaften und besondere Wohnformen der Eingliederungs­hilfe setzt.

Erprobungsregelung nach § 33 WTG: Verfahren, mit dem die Heim­aufsicht auf schriftlichen oder elektronischen Antrag zeitlich befristete Befreiungen von einzelnen WTG-Anforderungen erteilt, um neue Wohn-, Pflege- oder Personalkonzepte zu erproben, seit dem 28. Februar 2026 auch in bestehenden Wohnformen der Pflege. Zuständig ist in Berlin das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) als Heim­aufsicht.

Was ändert die Novelle an der Erprobungsregelung?

Eine Ausnahmeregelung dieser Art gab es im Berliner Heimrecht schon vor der Novelle, nur enger gefasst. Eine Experimentierklausel für betreute Wohnformen kannte das frühere bundesrechtliche Heimgesetz in dieser Form nicht. Seit der Föderalismusreform 2006 liegt die Zuständigkeit für das Heimrecht bei den Ländern. Das Berliner Wohnteilhabegesetz hat diese Klausel mit seiner Fassung vom 4. Mai 2021 eingeführt: Die Heim­aufsicht konnte Einrichtungen auf Antrag von einzelnen gesetzlichen Vorgaben befreien, wenn das der Erprobung neuer Wohn-, Pflege- oder Betreuungsformen diente. Beschränkt war das von Anfang an auf neu entstehende Wohnformen, und zwar sowohl in der Pflege als auch in der Eingliederungs­hilfe.

Der Weg zur Novelle ist reine Gesetzgebungsgeschichte, praktisch zählt am Ende nur ein Datum. Den Anstoß zur Änderung gab der Senat, die Berliner Landesregierung, mit einem Beschluss vom 16. Dezember 2025. Die zugehörige Vorlage für das Abgeordnetenhaus, das Berliner Landesparlament, datiert vom 17. Dezember 2025. Mit dem Änderungsgesetz vom 16. Februar 2026 hat das Abgeordnetenhaus die Vorschrift dann neu gefasst und in „Befreiungen, Erprobungsregelung“ umbenannt. Verkündet wurde sie am 27. Februar 2026 im Gesetz- und Verordnungsblatt, der amtlichen Verkündungsschrift des Landes Berlin (GVBl. 2026 S. 67). Entscheidend ist der 28. Februar 2026, der Tag des Inkrafttretens: Seither kann die Heim­aufsicht auch bestehenden Einrichtungen eine Ausnahme erteilen, allerdings nur für Wohnformen der Pflege im Sinne von § 33 Absatz 1 bis 4 WTG. Das schließt Pflegeheime ebenso wie Pflege-Wohngemeinschaften ein. Erprobt werden dürfen dort neue Wohn-, Pflege- oder Personalkonzepte sowie neue Formen der Mitwirkung.

Für besondere Wohnformen der Eingliederungs­hilfe nach SGB IX gilt diese Erweiterung nicht. Wer dort ein neues Wohnkonzept erproben will, konnte das schon vor der Novelle beantragen und kann es weiterhin, daran hat sich nichts geändert. Für ein bestehendes Angebot der Eingliederungs­hilfe eröffnet die Novelle dagegen keinen zusätzlichen Spielraum: Nach dem unveränderten § 33 Absatz 5 WTG bleibt es dort bei der Erprobung neu entstehender Wohnformen. Diese Lücke betrifft nur den Anwendungsbereich der Erprobungsregelung. An den übrigen Vorgaben des WTG für die Eingliederungs­hilfe ändert die Novelle nichts.

Beispiel

Angenommen, ein Träger betreibt seit zehn Jahren ein bestehendes Pflegeheim und möchte dort ein neues Betreuungskonzept mit veränderten Nachtdiensten erproben. Seit dem 28. Februar 2026 kann er dafür eine Ausnahme beantragen. Betreibt derselbe Träger daneben eine bestehende besondere Wohnform der Eingliederungs­hilfe und möchte dort dieselbe Änderung testen, geht das weiterhin nicht: Absatz 5 lässt dafür nur neu entstehende Wohnformen zu.

Die Erweiterung auf den Bestand gilt für Wohnformen der Pflege. Für besondere Wohnformen der Eingliederungs­hilfe bleibt es bei der Erprobung neuer Wohnformen.

Welche Voraussetzungen gelten für eine Ausnahme?

Bei Wohnformen der Pflege ist eine Ausnahme nach § 33 Absatz 1 bis 4 WTG an mehrere Bedingungen geknüpft, die für Bestand und Neubau gleichermaßen gelten. Der Gesetzgeber verknüpft die Öffnung für bestehende Einrichtungen damit also mit zusätzlichen Anforderungen, nicht mit weniger Kontrolle:

  • ein fachlich qualifiziertes Konzept als Teil des schriftlichen oder elektronischen Antrags,
  • die Stellungnahme des Bewohnerbeirats oder, in Pflege-Wohngemeinschaften, der Wohngemeinschaftsvertretung, wenn ein solches Mitwirkungsgremium besteht und die Ausnahme Angelegenheiten betrifft, in denen es mitwirkt,
  • zusätzlich die Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder dieses Gremiums, wenn die Erprobung dessen Mitwirkungsrechte verändert,
  • in der Regel eine wissenschaftliche Begleitung und Evaluation der Erprobung, deren Ergebnisbericht der Träger veröffentlichen muss.

Nach der Bewilligung kommt eine Pflicht hinzu: Der Träger informiert die Bewohnerinnen und Bewohner zeitnah über die Ausnahme und ihre Auswirkungen, künftige Bewohnerinnen und Bewohner vor dem Vertragsabschluss (§ 33 Abs. 4 WTG).

Für besondere Wohnformen der Eingliederungs­hilfe gelten weder diese vier Punkte noch die Informationspflicht. Nach dem unveränderten Absatz 5 genügt, dass die Befreiung im Interesse der Erprobung einer neuen Wohnform dringend geboten ist und eine bedarfsgerechte Pflege und Betreuung gewährleistet bleibt. Beirat, Zwei-Drittel-Zustimmung und wissenschaftliche Begleitung schreibt das Gesetz dort nicht vor. Ein schriftliches Konzept bleibt trotzdem sinnvoll, um die Dringlichkeit gegenüber der Heim­aufsicht zu belegen, auch wenn Absatz 5 es nicht ausdrücklich verlangt.

Auch bei der Dauer unterscheiden sich die beiden Wege, auch wenn am Ende dieselbe Zahl steht. Eine Ausnahme für Wohnformen der Pflege ist erstmalig auf höchstens sechs Jahre befristet und lässt sich einmalig um höchstens sechs Jahre verlängern. Bei nachgewiesener Bewährung soll die Heim­aufsicht sie sogar auf Dauer erteilen, das Gesetz schließt eine dauerhafte Fortführung also nicht aus. Für besondere Wohnformen der Eingliederungs­hilfe gilt nach Absatz 6 ebenfalls eine Höchstdauer von sechs Jahren. Eine Verlängerung sieht Absatz 6 nicht vor, bei Bewährung innerhalb der Erprobungszeit kann die Heim­aufsicht die Befreiung aber auf Dauer erteilen.

Eine automatische Verlängerung gibt es in keinem der beiden Fälle. Wer über die sechs Jahre hinaus arbeiten will, bereitet den Bewährungsnachweis oder den Verlängerungsantrag deshalb rechtzeitig vor, ein festes Datum dafür nennt das Gesetz nicht.

Beispiel

Angenommen, eine bestehende Pflegeeinrichtung beginnt die Erprobung am 1. April 2026. Die höchstmögliche Befristung von sechs Jahren endet dann mit Ablauf des 31. März 2032, maßgeblich ist aber das Datum im Bescheid. Die Einrichtung kann vor diesem Termin entweder eine einmalige Verlängerung um bis zu sechs weitere Jahre oder, bei nachgewiesener Bewährung, eine dauerhafte Fortführung beantragen.

Wie läuft der Antrag beim LAGeSo ab?

Aus den Voraussetzungen des vorigen Abschnitts lassen sich für die Leitungsebene acht Schritte ableiten, von der ersten Idee bis über die Bewilligung hinaus. Die Reihenfolge folgt dem Weg vom Vorhaben zum Antrag, nicht der Reihenfolge der Absätze im Gesetzestext.

  1. Entscheiden, was erprobt werden soll

    Entscheiden Sie, welches Wohn-, Pflege- oder Personalkonzept Sie testen wollen, und grenzen Sie ab, von welchen konkreten WTG-Anforderungen Sie eine Befreiung benötigen.

  2. Konzept schriftlich ausarbeiten lassen

    Beauftragen Sie die Ausarbeitung eines schriftlichen Erprobungskonzepts mit Zielsetzung, Dauer und Kriterien, an denen der Erfolg später gemessen wird.

  3. Stellungnahme des zuständigen Gremiums einholen

    Betrifft die Ausnahme Angelegenheiten, in denen Bewohnerbeirat oder Wohngemeinschaftsvertretung mitwirken, legen Sie dem Gremium das Konzept vor und fügen Sie dessen Stellungnahme dem Antrag bei.

  4. Zwei-Drittel-Zustimmung sicherstellen, wo nötig

    Prüfen Sie, ob das Vorhaben die Mitwirkungsrechte von Bewohnerbeirat oder Wohngemeinschaftsvertretung verändert, und stellen Sie in diesem Fall die Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder des jeweiligen Gremiums sicher, bevor Sie den Antrag abschicken.

  5. Wissenschaftliche Begleitung organisieren

    Organisieren Sie die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation, die das Gesetz bei Wohnformen der Pflege in der Regel verlangt, und benennen Sie die verantwortliche Stelle im Antrag.

  6. Antrag beim LAGeSo einreichen

    Reichen Sie den Antrag schriftlich oder elektronisch beim Landesamt für Gesundheit und Soziales als zuständiger Heim­aufsicht ein.

  7. Umsetzung starten, informieren und berichten

    Informieren Sie nach der Bewilligung die Bewohnerinnen und Bewohner über die Ausnahme und ihre Auswirkungen. Melden Sie Änderungen am Konzept dem LAGeSo unverzüglich und veröffentlichen Sie den Bericht der wissenschaftlichen Begleitung.

  8. Verlängerung rechtzeitig prüfen

    Prüfen Sie vor Ablauf der Befristung, ob eine einmalige Verlängerung oder eine Befreiung auf Dauer infrage kommt, und stellen Sie den Antrag dafür rechtzeitig.

Beispiel

Angenommen, eine Pflege-Wohngemeinschaft mit zwölf Bewohnerinnen und Bewohnern hat eine Wohngemeinschaftsvertretung mit sechs Mitgliedern. Verändert die geplante Erprobung deren Mitwirkungsrechte, braucht der Träger die Zustimmung von mindestens vier dieser sechs Mitglieder, bevor er den Antrag beim LAGeSo einreicht.

Checkliste: Was gehört in den Antrag nach § 33 WTG?

Welche Unterlagen und Pflichten zu einer Ausnahme gehören, hängt allein von der Wohnform ab. Die Checkliste stellt die drei Fälle nebeneinander, mit den Bedingungen aus dem Wortlaut von § 33 WTG.

Checkliste zum Antrag nach § 33 WTG je Wohnform
PunktWohnform der Pflege, bestehend oder neu (Abs. 1 bis 4)Neue besondere Wohnform der Eingliederungs­hilfe (Abs. 5 und 6)Bestehende besondere Wohnform der Eingliederungs­hilfe
Ausnahme möglich?Ja, von einzelnen Anforderungen des WTG und seiner Verordnungen, in begründeten Einzelfällen.Ja, wenn die Befreiung im Interesse der Erprobung dringend geboten ist.Nein. Absatz 5 erfasst nur die Entwicklung und Erprobung neuer Wohnformen.
Antrag und KonzeptSchriftlicher oder elektronischer Antrag mit fachlich qualifiziertem Konzept.Schriftlicher oder elektronischer Antrag. Ein Konzept verlangt Absatz 5 nicht ausdrücklich, es kann aber die Dringlichkeit belegen.entfällt
Bedingung für die BefreiungDer Zweck des Gesetzes wird nicht gefährdet und die bedarfsgerechte Versorgung ist sichergestellt.Die bedarfsgerechte Pflege und Betreuung ist gewährleistet.entfällt
BewohnervertretungStellungnahme von Bewohnerbeirat oder Wohngemeinschaftsvertretung beifügen, wenn es das Gremium gibt und die Befreiung Mitwirkungsangelegenheiten betrifft. Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder, wenn die Befreiung deren Mitwirkungsrechte verändert.Absatz 5 regelt keine Beteiligung.entfällt
Wissenschaftliche BegleitungIn der Regel Pflicht: begleiten und evaluieren lassen, der Bericht eines sachverständigen Dritten wird veröffentlicht.Nicht vorgeschrieben.entfällt
Nach der BewilligungBewohnerinnen und Bewohner zeitnah über die Befreiung und ihre Auswirkungen informieren, künftige vor Vertragsabschluss. Änderungen am Konzept dem LAGeSo unverzüglich mitteilen.Keine eigene Informationspflicht in § 33.entfällt
DauerErstmalig höchstens sechs Jahre, einmalig um höchstens sechs Jahre verlängerbar. Bei nachgewiesener Bewährung soll die Befreiung auf Dauer erteilt werden.Höchstens sechs Jahre, keine Verlängerung. Bei Bewährung kann die Heim­aufsicht die Befreiung auf Dauer erteilen.entfällt

Maßgeblich für das Ende einer Befreiung ist die Befristung im Bescheid. Grundlage: § 33 WTG in der Fassung des Gesetzes vom 16. Februar 2026 (GVBl. S. 67), Stand 19. September 2026. Ob ein Antrag Aussicht auf Erfolg hat, entscheidet das LAGeSo.

Entfällt die Pflicht zum Raucherraum?

Neben der Erprobungsregelung enthält die Novelle noch eine zweite, unabhängige Änderung. Sie hat mit den bisher beschriebenen Fristen und Voraussetzungen nichts zu tun, gilt aber ebenfalls seit dem 28. Februar 2026. Bis zum 27. Februar 2026 mussten Einrichtungen einen geeigneten Gemeinschaftsraum vorhalten, in dem das Rauchen erlaubt ist (§ 16 Absatz 7 WTG a. F.). Diese Vorhaltepflicht ist mit der Novelle ersatzlos gestrichen. § 16 WTG regelt weiterhin, in seinen verbliebenen Absätzen, die Teilhabe der Bewohnerinnen und Bewohner am Leben in der Gesellschaft, nur ohne die frühere Vorgabe zum Raucherraum.

Für die Praxis bedeutet das keine Pflicht zum Rückbau vorhandener Räume. Eine Einrichtung, die einen solchen Raum bereits eingerichtet hat, kann ihn weiterführen. Wer neu plant, hat dafür keine WTG-Vorgabe mehr zu beachten, allgemeine bau- und brandschutzrechtliche Anforderungen bleiben davon unberührt.

Die Rechtslage vor und nach der Novelle im Vergleich

Die folgende Tabelle stellt die Rechtslage vor und nach dem 28. Februar 2026 nebeneinander, damit sich beide Änderungen, die Erprobungsregelung und die Raucherraum-Pflicht, auf einen Blick vergleichen lassen.

Rechtslage nach dem Berliner Wohnteilhabegesetz vor und nach der Novelle vom 28. Februar 2026 im Vergleich
AspektBis 27. Februar 2026Seit 28. Februar 2026
Erprobung bestehender Wohnformen der Pflegenicht vorgesehenmöglich nach § 33 Abs. 1 bis 4 WTG
Erprobung neuer Wohnformen der Pflegemöglichunverändert möglich
Erprobung besonderer Wohnformen der Eingliederungs­hilfenur neue Wohnformenunverändert nur neue Wohnformen, § 33 Abs. 5 WTG
Höchstdauer, Wohnformen der Pflegehöchstens sechs Jahre, keine gesetzliche Verlängerungsoptionhöchstens sechs Jahre, einmalig um höchstens sechs weitere Jahre verlängerbar, bei Bewährung auf Dauer möglich
Höchstdauer, Eingliederungs­hilfehöchstens sechs Jahreunverändert höchstens sechs Jahre, bei Bewährung auf Dauer möglich
Gemeinschaftsraum mit Raucherlaubnisvorgeschrieben, § 16 Abs. 7 a. F.Vorhaltepflicht entfallen
Zuständige Heim­aufsichtLAGeSounverändert LAGeSo

Eigene Darstellung auf Grundlage der Gesetzestexte. Für den Einzelfall maßgeblich ist stets der aktuelle Wortlaut des WTG.

Was in den nächsten Wochen zu tun ist

Für Einrichtungen der Pflege lohnt sich jetzt ein Blick in die eigene Konzeptschublade. Prüfen Sie jedes Vorhaben, das bisher an der alten WTG-Regelung gescheitert ist, weil die Ausnahme nur für neu entstehende Wohnformen vorgesehen war. Mit der Novelle lässt sich das für bestehende Standorte neu bewerten, vorausgesetzt, Konzept, Beteiligung des Mitwirkungsgremiums und wissenschaftliche Begleitung lassen sich organisieren. Was dafür in den Antrag gehört, zeigt die Checkliste für den Antrag.

Für Einrichtungen der Eingliederungs­hilfe gilt das Gegenteil. Wer auf eine Öffnung für den Bestand gewartet hat, wartet nach dem aktuellen Wortlaut von § 33 Absatz 5 WTG weiter vergeblich, dort zählt nach wie vor nur die neu entstehende Wohnform. Wie sich das Qualitäts­management für besondere Wohnformen der Eingliederungs­hilfe sonst nach dem Bundesteilhabegesetz ausrichtet, behandelt der Beitrag BTHG und Qualitäts­management in der Eingliederungs­hilfe.

Für Träger mit Standorten in mehreren Bundesländern lohnt zudem der Blick über Berlin hinaus, da jedes Land sein Heimrecht eigenständig regelt und Fristen wie Zuständigkeiten voneinander abweichen. Das gilt besonders, wenn ein trägerweites Konzept gleichzeitig für Standorte in mehreren Ländern geprüft werden soll. Einen Überblick über die Heimgesetze mehrerer Länder gibt der Beitrag Heimrecht in sechs Ländern: Gesetze, Aufsicht und Fristen im Vergleich. Wer zusätzlich in Brandenburg Standorte betreibt, findet die dortige Anzeigepflicht im Beitrag zum Brandenburgischen Pflege- und Betreuungswohngesetz.

Häufige Fragen

Gilt die neue Erprobungsregelung nach § 33 WTG auch für besondere Wohnformen der Eingliederungs­hilfe?

Nur eingeschränkt. Die Erweiterung auf bestehende Wohnformen betrifft nach § 33 Absatz 1 bis 4 WTG die Wohnformen der Pflege. Für besondere Wohnformen der Eingliederungs­hilfe gilt der unveränderte § 33 Absatz 5 WTG, der weiterhin nur die Erprobung neu entstehender Wohnformen erlaubt.

Wie lange darf eine Befreiung nach § 33 WTG höchstens dauern?

Zunächst höchstens sechs Jahre, bei Wohnformen der Pflege ist eine einmalige Verlängerung um höchstens sechs Jahre möglich. Bei nachgewiesener Bewährung soll die Befreiung in der Pflege auf Dauer erteilt werden, bei besonderen Wohnformen der Eingliederungs­hilfe kann die Heim­aufsicht sie bei Bewährung auf Dauer erteilen. Maßgeblich ist die Befristung im Bescheid, ein Datum für den Verlängerungsantrag nennt das Gesetz nicht.

Wer entscheidet über einen Befreiungsantrag nach § 33 WTG in Berlin?

Das Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) als zuständige Heim­aufsicht. Der Antrag ist schriftlich oder elektronisch zu stellen und muss die betroffenen WTG-Anforderungen konkret benennen.

Muss ein bestehender Raucherraum jetzt abgeschafft werden?

Nein. Mit der Novelle ist die Pflicht zur Vorhaltung eines Gemeinschaftsraums mit Raucherlaubnis entfallen, eine Pflicht zum Rückbau vorhandener Räume enthält das Gesetz nicht. Einrichtungen können selbst entscheiden, ob sie einen solchen Raum weiterführen.

Muss der Bewohnerbeirat einer Erprobung zustimmen oder reicht eine Stellungnahme?

Bei Wohnformen der Pflege gehört die Stellungnahme des Bewohnerbeirats oder der Wohngemeinschaftsvertretung zum Antrag, wenn es ein solches Gremium gibt und die Befreiung Mitwirkungsangelegenheiten betrifft. Verändert die Befreiung dessen Mitwirkungsrechte, ist zusätzlich die Zustimmung von zwei Dritteln der Mitglieder erforderlich.

Ist eine wissenschaftliche Begleitung bei jeder Erprobung nach § 33 WTG Pflicht?

Für Wohnformen der Pflege in der Regel ja: Nach § 33 Absatz 3 WTG ist der Träger regelmäßig verpflichtet, die Erprobung wissenschaftlich begleiten und evaluieren zu lassen und den Bericht zu veröffentlichen. Für besondere Wohnformen der Eingliederungs­hilfe nach Absatz 5 sieht das Gesetz eine wissenschaftliche Begleitung nicht vor.

Zum Weiterlesen

Quellen

  1. Abgeordnetenhaus Berlin: Drucksache 19/2843 vom 17.12.2025, Vorlage zur Beschlussfassung zur Änderung des Wohnteilhabegesetzes.
  2. Senatskanzlei Berlin: Pressemitteilung vom 16.12.2025, „Senat beschließt Novelle des Wohnteilhabegesetzes“.
  3. Wohnteilhabegesetz (WTG) vom 4. Mai 2021 (GVBl. S. 417), zuletzt geändert durch Gesetz vom 16.02.2026 (GVBl. 2026 S. 67), in Kraft seit 28.02.2026. Volltext und Fundstellen über die Berliner Vorschriften- und Rechtsprechungsdatenbank sowie berlin.de/sen/pflege.
  4. Landesamt für Gesundheit und Soziales Berlin (LAGeSo): Heim­aufsicht nach dem Wohnteilhabegesetz.
  5. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Statistischer Bericht K VIII 1-2j/23, Ambulante und stationäre Pflegeeinrichtungen im Land Berlin, Stichtag 15.12.2023, erschienen Januar 2025.

Hinweis

Stand 19. September 2026. Dieser Beitrag erklärt Rechtslage und Verfahren und ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall. Ankündigungen einer künftigen Landesregierung nach der Berliner Wahl am 20.9.2026 berühren die hier beschriebene, bereits geltende Rechtslage nicht.

Christian Monat

Externer Qualitätsmanagementbeauftragter aus Chemnitz. Berufserfahrung in Eingliederungshilfe, Sozialpsychiatrie und Suchthilfe, seit 2019 in Leitungsfunktionen. Mehr über mich

Ein Erprobungskonzept, das im laufenden Betrieb tragen muss

Ich unterstütze bei der Ausarbeitung von Prozess- und Risikokonzepten, mit denen sich Vorhaben wie eine Erprobung nach § 33 WTG strukturiert vorbereiten und dokumentieren lassen. Dabei achte ich darauf, dass Konzept, Zustimmungserfordernisse und Nachweise so angelegt sind, dass sie einer Prüfung durch die Heimaufsicht standhalten.

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Drei Menschen sitzen an einem Holztisch in einem hellen Raum mit Pflanzen, ein Mann erklärt etwas, eine Frau und ein weiterer Mann hören zu.